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Africa

2012-02-20

AFRIKA/SENEGAL - Präsidentschaftswahl: die Rolle der muslimischen Bruderschaften

Dakar (Fidesdienst) – „Das Klima ist vor allem hier in Dakar nicht gut, obschon die Lage in den anderen Landesteilen besser zu sein scheint“, so Beobachter aus Kreisen der Ortskirche in der Hauptstadt von Senegal, wo eine Woche vor der Präsidentschaftswahl die Spannungen nach Auseinandersetzungen in der Malick-Sy-Moschee der islamischen Tidjane-Bruderschaft zunehmen. Das Oppositionsbündnis „M 23“, das zum Wahlboykott aufruft, versucht unterdessen Protestkundgebungen zu organisieren, die von den Behörden verboten werden. Dies führte bereits zu Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften.
Bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten waren am 17. Februar mehrere Tränengas-Granaten auf dem Gelände einer Moschee explodiert, was unter den Vertretern einflussreichen muslimischen Bruderschaft mit Empörung zur Kenntnis nahmen. In Tivaouane, einer der heiligen Städte der Tidjana-Bruderschaft (rund 60 Kilometer von Dakar entfernt), drangen Vertreter der Bruderschaft in das Rathaus ein und legten dort einen Brand. Der Innenminister, der sich beim zuständigen Vertreter der Tidjane entschuldigte, bezeichnete den Vorfall als „bedauernswerten Unfall“.
„Die Malick-Sy-Moschee ist ein kleines Gebäude im Zentrum der Stadt, wo die Straßen sehr eng sind“, so der Beobachter, der ebenfalls die Ansicht vertritt, dass es sich um einen Unfall handelt, zum Fidesdienst, „Es reichen wenige hundert Menschen aus, um die Wege zu versperren und Unruhe zu schaffen. Zu einer ähnlichen Episode war es vor einigen Jahren auch in der katholischen Kathedrale in Dakar gekommen.“
„In Senegal gibt es zwei große muslimische Bruderschaften: Tidjane und Mouride“, so der Beobachter weiter. „Die Tidjane-Bruderschaft hat mehr Mitglieder, ist jedoch nicht so gut organisiert wie die Mouride-Bruderschaft, die hier in Senegal gegründet wurde und Bezugspunkt vor allem für das Volk der Wolof ist, dem auch Staatspräsident Wade angehört. Die Tidjane-Bruderschaft ist älteren Ursprungs und kommt aus dem Maghreb. Sie ist größer, weil ihr die Angehörigen aller anderen senegalesischen Völker angehören. Die Mouride-Bruderschaft ist besser organisiert und hört mehr auf die eigene Führung, während die Tidjane-Bruderschaft sich in verschiedene Familie und Gruppen unterteilt, weshalb es schwierig ist, gemeinsam Gehorsam zu leisten, auch wenn es unter den Mitgliedern viele Intellektuelle gibt. Aus diesem Grund lässt sich Wade von der Mouride-Bruderschaft unterstützen, da diese ihm eine größere Anhängerschaft garantieren kann, auch wenn deren Anführer bisher keine konkreten Wahlempfehlungen abgibt“, so der Beobachter abschließend. (LM) (Fidesdienst, 20/02/2012)

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