EUROPA/DEUTSCHLAND - Um unfreiwillige Migration zu vermeiden, fordern deutsche und afrikanische Bischöfe "eine solidarische Form der Globalisierung, die sich nicht zuerst an Gewinninteressen von Einzelnen oder Konzernen, sondern an Entwicklungschancen der Menschen und Völker orientiert"

Montag, 4 April 2011

München/Berlin (Fidesdienst) – Zum Abschluss des Treffens zwischen deutschen und afrikanischen Bischöfen, das vom 28. März bis 2. April in München und Berlin stattfand (vgl. Fidesdienst vom 28/03/2011), wurde ein gemeinsames Communiqué veröffentlicht. Wie die Deutsche Bischofskonferenz in einer Pressemitteilung infomiert haben deutsche und afrikanische Bischöfe angesichts der steigenden Migration von Afrika nach Europa die Zulassung und angemessene Prüfung von Asylbegehren gefordert. „Flüchtlinge gehören zu den schwächsten und verletzlichsten Mitgliedern der Menschheitsfamilie. Zu ihrem Schutz sind alle Staaten rechtlich und moralisch verpflichtet. Es erfüllt uns daher mit Sorge, dass die Praxis des Schutzes der europäischen Außengrenzen erhebliche menschenrechtliche Probleme aufwirft“, schreiben die Bischöfe in einem Communique, das sie am Wochenende beim VII. Deutsch-Afrikanischen Bischofstreffen verabschiedet haben. „Wir fordern: Asylbegehren müssen zugelassen und angemessen geprüft werden. Und auch die Abschiebung derjenigen, die aufgrund der Gesetze keinen Anspruch auf Aufenthalt in Europa haben, muss humanitären Standards entsprechen.“
Das Communique ist das Ergebnis eines sechstägigen Treffens von 22 deutschen und afrikanischen Bischöfen vergangene Woche in München und Berlin. Aktuelles Thema der Begegnung war „Die afrikanische Migration nach Europa“. Unterzeichner des Papiers sind der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick, sowie Polycarp Kardinal Pengo (Tansania), Präsident von SECAM, dem Symposium der Bischofskonferenzen Afrikas.
In dem Dokument heißt es weiter: „Auch Menschen, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft für sich und ihre Familien den Weg nach Europa wagen, dürfen nicht pauschal verdächtigt und diffamiert werden. Gerade Europäer sollten sich daran erinnern, wie viele ihrer Vorfahren in vergangenen Jahrhunderten und nach dem Zweiten Weltkrieg in alle Welt ausgewandert sind. Richtig ist aber auch, dass Arbeitsmigration einer klugen und gerechten Steuerung bedarf, damit negative Folgen für Herkunfts- und Aufnahmeländer vermieden werden. Die europäischen Staaten sollten deshalb verstärkt über Modelle einer temporären oder zirkulären Migration nachdenken, die sowohl den Interessen der beteiligten Staaten als auch den betroffenen Menschen dienen können.“
Um unfreiwillige, durch Not oder Perspektivlosigkeit erzwungene Migration zu vermeiden, fordern die Bischöfe eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Afrika und Europa: „Dazu bedarf es einer solidarischen Form der Globalisierung, die sich nicht zuerst an den Gewinninteressen von Einzelnen oder Konzernen, sondern an den Entwicklungschancen der Menschen und der Völker orientiert. Europa und Afrika bedürfen einer gleichberechtigten Partnerschaft – ein Anspruch, der in der bisherigen politischen Kooperation nicht eingelöst ist.“
Weiter erinnern die Bischöfe daran, dass Migration ein Phänomen der gesamten Menschheitsgeschichte darstelle. „Migration ist ein treibendes Moment der sozialen, kulturellen und auch der religiösen Entwicklung. Allzu oft werden die wichtigen und förderlichen Beiträge übersehen, die Zuwanderer für die Aufnahmegesellschaften, aber auch für die Länder ihrer Herkunft (z. B. durch Rücküberweisungen) erbringen.“
Probleme im Zusammenleben mit Fremden müssten offen angesprochen werden, „ohne Ressentiments populistisch auszubeuten. Hier sind große Klugheit und Sensibilität geboten.“ Die deutschen und afrikanischen Bischöfe hätten „den festen Willen, dem Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit überall auf der Welt entschlossen entgegen zu treten.“
Die Tradition Deutsch-Afrikanischer Bischofstreffen reicht in die 80er Jahre zurück. Das Ziel dieser Treffen besteht in der Vertiefung der Beziehungen zwischen den Episkopaten der deutschen und der afrikanischen Ortskirchen. Beim VI. Bischofstreffen in Akosombo (Ghana) wurde im Jahre 2004 das Verhältnis von Christen und Muslimen in Afrika und Europa behandelt („Christen und Muslime – Partner im Dialog für Entwicklung und Förderung geistlicher Werte“). (SL) (Fidesdienst, 04/04/2011)
Communiqué der Bischöf im Wortlaut


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