AFRIKA/SOMALIA - Lage nach Ausschreitungen in Mogadischu angespannt

Donnerstag, 11 Juni 2026

Mogadischu (Fides) - Die Lage in Mogadischu ist angespannt. Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer auf Anwohner, die im Stadtteil Abdiaziz gegen die Demolition von Häusern protestierten. In der Nähe der Straße zum Lido-Beach, unweit des Hauptquartiers der Polizeitransportbehörde, kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Augenzeugen berichteten, dass die Sicherheitskräfte Schüsse abgaben, um die Menge aufzulösen, die daraufhin Steine auf die Beamten warf. Die Auseinandersetzungen zwangen viele Bewohner zur Flucht aus Teilen des Stadtteils und schürten die Angst vor einer weiteren Eskalation der Gewalt.
Die Spannungen waren bereits seit dem 10. Juni hoch, als im Stadtteil Wadajir, in der Nähe des Al-Jazeera-Hotels und des internationalen Flughafens Aden Adde, wo einige der wichtigsten Oppositionellen leben, ein massives Sicherheitsaufgebot stationiert wurde. Über Nacht wurden die Sicherheitsmaßnahmen jedoch teilweise gelockert.
Die beiden Verwaltungsbezirke Abdiaziz und Wadajir grenzen zwar nicht aneinander, doch beide Vorfälle stehen im Zusammenhang mit der politischen Krise, die nach Präsident Hassan Sheikh Mohamuds Entscheidung ausbrach, sein eigenes Mandat zu verlängern. Dieses endete am 15. Mai, während die Legislaturperiode des Parlaments am 14. April ablief. Laut Mohamud würden die vom Parlament Anfang des Jahres verabschiedeten Verfassungsänderungen die beide Amtszeiten verlängern und zu einer Verschiebung der Wahlen führen. Die Opposition hält diese Auslegung für verfassungswidrig.
Die von der Opposition organisierten Proteste wurden gewaltsam niedergeschlagen. Am 3. Juni begannen in zentralen Stadtteilen, darunter Howlwadag, Zusammenstöße, die sich rasch auf Abdiaziz ausbreiteten – wo der ehemalige Präsident Sharif Sheikh Ahmed eine Residenz zur Koordinierung der Oppositionsaktivitäten nutzte – sowie auf Wadajir, Hodan und weitere Bezirke der Hauptstadt. Die Gewalt forderte Dutzende Tote, Hunderte Verletzte und vertrieb Tausende Bewohner aus den betroffenen Gebieten.
Die Spannungen verschärften sich weiter, als eine Gruppe bewaffneter Männer, mutmaßlich Angehörige eines Clans aus der Region Middle Shabelle, die wichtigste Küstenstraße aus Mogadischu heraus blockierte. Diese strategisch wichtige Handels- und Transportader verbindet die somalische Hauptstadt mit Teilen der Regionen Galgaduud und Hiiraan. Die Blockade dürfte den Güterverkehr, den öffentlichen Nahverkehr und die Bewegungsfreiheit der Zivilbevölkerung entlang der Straße erheblich beeinträchtigen. Die Gründe für die Aktion sind derzeit unbekannt, sie steht jedoch eindeutig im Zusammenhang mit der tiefen politischen Unsicherheit, in die das Land gestürzt ist.
(LM) (Fides 11/06/2026)


Teilen: