LEO XIV. IN AFRIKA - Der Papst in der Diözese des heiligen Augustinus: “Die Kirche wird stets neu geboren“

Dienstag, 14 April 2026

VaticanMedia

Annaba (Fides) – Jeder Mensch ist dazu berufen, neu geboren zu werden und das Geschenk eines neuen Lebens zu erfahren, als Zeichen und Unterpfand des ewigen Heils. Und diese Neugeburt wird nicht durch das Streben nach moralischer Vollkommenheit erreicht. Sie entfaltet sich als unentgeltliche Gabe in jenen, die auf dieser Erde erfahren, dass „unser Leben ändern kann, weil Christus von den Toten auferstanden ist“.
In Annaba, dem antiken Hippo, feierte Papst Leo XIV. an diesem Dienstag (14. April) die Messe in der dem heiligen Augustinus geweihten Kirche zum Abschluss zweier intensiver Tage in Algerien. Der Bischof von Rom, der dem Augustinerorden angehört, wiederholt in der Stadt, in der der „Doctor Gratiae“ Bischof war, was sein Schutzpatron mit seinem Leben und in seinen Werken bezeugt hat: dass der Glaube und die Kirche allein aus der Gnade Christi leben. Und deshalb sei die Kirche immer eine „neu entstehende Kirche“, und die Berichte über die Eintracht unter den ersten Jüngern, wie sie in der Apostelgeschichte erzählt werden, seien für immer „Maßstab“ jeder kirchlichen Reform.
In seiner Predigt, die er in der Basilika von Annaba auf Französisch hielt, ging Leo XIV. vom Tages-Evangelium aus, der Erzählung des nächtlichen Gesprächs zwischen Nikodemus und Jesus, der seinem Gesprächspartner – „und auch uns“ – die „überraschende“ Aufgabe überträgt, „von oben geboren“ zu werden.
Aus dem Aufruf Jesu – fuhr der Papst fort – „hat die Sendung der gesamte Kirche und damit für die christliche Gemeinschaft in Algerien, ihren Ursprung: von oben, das heißt von Gott, neu geboren zu werden“. Eine unmögliche Mission, ein Befehl, den niemand aus eigener Kraft erfüllen kann. Doch „die Gnade des Herrn lässt die Wüste erblühen“. Bei den Worten Jesu an Nikodemus handele es sich weder um „eine harte Auferlegung“ noch um „eine Verurteilung zum Scheitern“, da „wir dank Gott von oben neu geboren werden können“. Und „während Christus uns auffordert, unser ganzes Leben von Grund auf zu erneuern, gibt er uns auch die Kraft dazu“.
Papst Leo zitierte in diesem Zusammenhang die berühmte Bitte aus den „Bekenntnissen“ des heiligen Augustinus: „Gib, was du verlangst, und verlange, was du willst“. Es spiele keine Rolle – so der Papst –, „wie sehr wir von Schmerz oder Sünde bedrückt sind: Der Gekreuzigte trägt all diese Lasten mit uns und für uns. Ganz gleich, wie sehr wir durch unsere Schwächen entmutigt sind: Eben dann offenbart sich die Kraft Gottes, der Christus von den Toten auferweckt hat, um der Welt das Leben zu schenken.“ Und „ein jeder von uns kann die Freiheit des neuen Lebens neu erfahren, das aus dem Glauben an den Erlöser kommt“.
Das wahre Bild des neuen Lebens derer, die im Licht der Auferstehung Christi wandeln – so der Nachfolger Petri im zweiten Teil seiner Predigt –, bezeuge die Apostelgeschichte, indem sie von „dem Lebensstil berichtet, der die vom Heiligen Geist erneuerte Menschheit auszeichnet“. Deshalb – so Leo XIV. – bleibt der „apostolische Maßstab“ der Apostelgeschichte für immer ein „authentisches Kriterium“ kirchlicher Reformen: eine Reform, „die im Herzen beginnt, damit sie wahrhaftig ist“.
Der Papst ging in diesem Zusammenhang auf die Merkmale ein, die die Sendung der ersten christlichen Gemeinden auszeichneten, wie sie in der Apostelgeschichte beschrieben werden: die geistliche Eintracht, d. h. die „Gemeinschaft von Herzen, die gemeinsam schlagen, da sie mit dem Herzen Christi vereint sind“; die gegenseitige Nächstenliebe bis hin zum vollständigen Teilen der Güter, was keine Utopie darstellt, sondern weil „der Glaube an den einenGott, den Herrn des Himmels und der Erde, die Menschen in vollkommener Gerechtigkeit vereint“. „Von diesem Gesetz beseelt, das Gott in unsere Herzen einschreibt, „wird die Kirche stets neu geboren, weil sie Hoffnung weckt, wo Verzweiflung ist, weil sie Würde verleiht wo Elend herrscht, weil sie Versöhnung schenkt, wo es Konflikte gibt“. Die Nächstenliebe, sei „mehr ein Zeichen der Versöhnung als eine moralische Verpflichtung“. Die Apostel verkündeten, „dass sich unser Leben ändern kann, weil Christus von den Toten auferstanden ist“.
Im Schlusswort seiner Predigt forderte der Papst die Christen Algeriens auf: „Bleibt in diesem Land ein demütiges und treues Zeichen der Liebe Christi.“ Die Präsenz der Christen im Land, so der Papst, „lässt an drn Weihrauch: ein glühendes Körnchen, das Duft verbreitet, weil es dem Herrn Ehre erweist und vielen Brüdern und Schwestern Freude und Trost schenkt. Dieser Weihrauch ist ein kleines, kostbares Element, das nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, jedoch einlädt, unsere Herzen Gott zuzuwenden, indem wir uns gegenseitig ermutigen, in den Schwierigkeiten der heutigen Zeit durchzuhalten“.
Der Papst erinnerte zuletzt die Geschichte der Kirche in Algerien, „die von großzügiger Gastfreundlichkeit und von Standhaftigkeit in Zeiten der Prüfung geprägt ist“. Hier, so Papst Leo XIV., „haben die Märtyrer gebetet, hier hat der heilige Augustinus seine Herde geleibt, indem er leidenschaftlich nach der Wahrheit suchte und diente Christus mit feurigem Glauben diente“. „Seid Erben dieser Tradition“, schloss der Bischof von Rom, „indem bezeugt in geschwisterlicher Liebe die Freiheit derer bezeugt, die von oben geboren werden, als Hoffnung auf Heil für die Welt.“
Bereits an diesem Montag (13. April), war Leo XIV. in der Basilika Unserer Lieben Frau von Afrika in Algier zahlreichen Vertretern der Kirche in Algerien begegnet. „Diese Basilika ist ein Ort der Begegnung und der Geschwisterlichkeit; mehr als neun von zehn Menschen, die sie betreten, sind Muslime“, bemerkte der Erzbischof von Algier, Kardinal Jean-Paul Vesco, in seinem Grußwort. „Madame l’Afrique“, wie sie von den Einheimischen oft genannt wird, ist fest im algerischen Kulturerbe und in den Herzen der Algerier verankert. Die Inschrift, die sie willkommen heißt – „Betet für uns und für die Muslime“ –, drückt Marias mütterliche Berufung für die gesamte Menschheit und die Berufung dieser Basilika aus, die so viele Vertrauensbekundungen empfängt und zahlreiche kulturelle und religiöse Veranstaltungen, darunter die islamisch-christlichen Marientage, beherbergt. „Es war die Liebe zu den Brüdern und Schwestern, die das Zeugnis der Märtyrer, an die wir erinnert haben, beseelt hat“, betonte Papst Leo bei der Begegnung und erinnerte damit an die 19 algerischen Märtyrer, die am 8. Dezember 2018 in Oran seliggesprochen wurden. „Angesichts von Hass und Gewalt“, fügte er hinzu, „blieben sie der Nächstenliebe bis hin zum Opfer ihres Lebens treu, zusammen mit vielen anderen Männern und Frauen, Christen und Muslimen. Sie taten es ohne Ansprüche und ohne Aufhebens, mit der Gelassenheit und Standhaftigkeit derer, die weder vermessen noch verzweifeln, weil sie wissen, wem sie ihr Vertrauen geschenkt haben.“
Ebenfalls am Montag, dem 13. April, wandte sich der Papst in einem am 14. April Brief an die Kardinäle in aller Welt, in dem er insbesondere auf die Entwicklungen in den Arbeitsgruppen zum Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ während des Konsistoriums im vergangenen Januar einging, „vor allem im Hinblick auf Sendung und Glaubensweitergabe“. In Anlehnung an die Worte von Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus bekräftigte Papst Leo XIV., dass sich die Mission „eher durch Anziehungskraft als durch Eroberung verbreitet“. In seinem Schreiben erinnert er weiter daran, dass die Mission der Kirche „die ausdrückliche Verkündigung, das Zeugnis, das Engagement und den Dialog miteinander verbindet, ohne der Versuchung des Proselytismus oder einer Logik der bloßen Erhaltung oder institutionellen Expansion nachzugeben“. Auch wenn sie sich als „Minderheit“ erkenne, fügte der Bischof von Rom hinzu und verwendete dabei Ausdrücke, die auch auf die kleine kirchliche Gemeinschaft in Algerien zutreffen, sei die Kirche aufgerufen, „ohne Komplexe zu leben, als kleine Herde, die Hoffnung für alle bringt, und dabei zu bedenken, dass das Ziel der Mission nicht das eigene Überleben ist, sondern die Weitergabe der Liebe, mit der Gott die Welt liebt“.
(GV) (Fides 14/4/2026)


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