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Pater Werenfried von Straaten feiert 90.
Geburtstag
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"Wie der barmherzige Samariter ..."
Zeitzeugen erinnern sich an Begegnungen mit Pater Werenfried
van Straaten, der am 17. Januar neunzig Jahre alt wird.
Wie aus dem Speckpater der Apfelsinenpater wurde
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Nach der Flucht
aus Sachsen fanden meine Eltern und ich 1946 liebevolle Aufnahme
bei meinem Patenonkel Hermann Freiherr von Fürstenberg
in Körtlinghausen bei Kallenhardt. Wir wohnten mit meinem
Onkel im "Vorgebäude", das Schloss hatte er
schlesischen Flüchtlingen zur Verfügung gestellt.
Erst war dort ein Waisenhaus, dann ein Altersheim, aus jedem
zweiten Fenster schaute ein Ofenrohr heraus, ein Wunder, dass
die Anlage nicht abbrannte. Immer wieder kamen in jener Zeit
Lastwagen vorgefahren mit Hilfsgütern für das Altersheim.
Sie kamen vom "Speckpater", wurde mir gesagt. Das
klang mir sympathisch, denn Speck war auch für mich damals
kaum erreichbar. So erfuhr ich von Pater Werenfried van Straaten
und seinem Hilfswerk. |
Bei einer Andacht am Sonntag Abend musste ich einmal alleine
mit Weihrauch, Schiffchen und Velum fertig werden und half hinterher
"aufräumen". Danach gab mir die für die Sakristei
zuständige Schwester Editha mir etwas Rundes, Goldfarbenes,
interessant Riechendes, mir Unbekanntes aus einer Sendung des
Speckpaters, die am Vortag angekommen war. Ich bedankte mich und
verließ mit einer etwas hastigen Kniebeuge die Kapelle.
Es war anscheinend etwas zum Essen, diese merkwürdige Kugel,
eine Art Apfel, aber doch so ganz anders - und so wagte ich nicht
hinein zu beißen. Ich lief zu meinen Eltern und meinem Onkel,
die auf dem Hof standen und zeigte ihnen das Geschenk der Schwester.
"Das ist eine Apfelsine", wurde ich belehrt, und dann
setzte man sich um den Tisch, die Apfelsine wurde feierlich geschält
und ähnelte einer geöffneten Rosenblüte. Alle bewunderten
die seltene Frucht, die Scheiben wurden "geteilt", wobei
mir fast alles zugeschoben wurde, was ich innerlich dankbar zur
Kenntnis nahm, äußerlich aber diplomatisch übersah.
So wurde mir der Speckpater zum "Apfelsinenpater",
und ich dachte oft an ihn und an Schwester Editha, wenn ich später
genügend Apfelsinen bekam oder sie sogar selbst pflücken
konnte.
Msgr. Dr. Michael Freiherr von Fürstenberg, Rom
Wir waren nicht vergessen
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Es war wenige Jahre nach
dem Zweiten Weltkrieg. Heimatlos geworden ... wurde ich
mit anderen Flüchtlingen nach Hessen gebracht, wo wir
in ländlichen Gemeinden Zuflucht fanden. Wir waren
dort die ersten Katholiken seit der Reformation. Die anfängliche
Distanz der Einheimischen milderte die Notgemeinschaft,
denn auch die ansässige Bevölkerung hatte viel
unter dem Krieg und seinen Begleiterscheinungen gelitten.
Man lernte sich durch die Arbeit kennen und half sich gegenseitig
- bei zum Teil engsten Wohnverhältnissen.
Wir Katholiken hatten mit der Heimat auch das eigene Gotteshaus
verloren. Der evangelische Gemeindepfarrer stellte das hiesige
für unsere Feier der heiligen Messe zur Verfügung.
Eines Tages wurden wir zu einer ... Veranstaltung der "Ostpriesterhilfe"
eingeladen.
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Wir saßen zu angekündigter Zeit rundum auf dem Dorfplatz,
eine Gemeinschaft mit vielen Schicksalen. Die Kapellenwagen der
"Ostpriesterhilfe" kamen in das Dorf ... Geöffnete
Türen an einer Breitseite ließen einen Altar erkennen,
an dem Weiße Väter aus Holland Gottesdienst und Predigt
hielten. Es wurde gebetet und gesungen. Außerdem enthielt
ein Kapellenwagen Spenden verschiedener Art, die an die Bedürftigen
verteilt wurden. Es war bewegend und beglückend zugleich,
dass sich jemand in dieser Art unserer annahm.
Die Spenden kamen von der holländischen Bevölkerung.
Ein Pater berichtete uns, dass sie sich in einem Ort (Anm.: Vinkt)
zunächst geängstigt hatten um Spenden zu bitten. In
diesem Ort hatten deutsche SS-Männer während des Krieges
mehrere wehrlose Zivilisten erschossen. Doch es sei ein Wunder
geschehen. Die Predigt von Pater Werenfried van Straaten über
die Not der vertriebenen Deutschen hätte die Herzen der Angehörigen
der bei dem Massaker umgekommenen Holländer gerührt
... . - Uns Zuhörer erschütterte das sehr und wurde
zur Brücke zu den uns im Glauben verbundenen Holländern
...
Es war das Gefühl, nicht vergessen worden zu sein, das wir
in den ersten Jahren nach dem Krieg dankbar wahrnahmen, und so
denke ich - und auch viele andere - mit Dankbarkeit an den Gründer
der "Ostpriesterhilfe", Pater Werenfried van Straaten,
zurück. Ich halte ihn und seine Helfer für die Heiligen
dieser Zeit.
Marie G. Goletz, 36280 Oberaula
Die Einsamkeit Christi
Vor Jahren saßen wir Beichtväter anlässlich eines
Fatimatages in Schardenberg/Oberösterreich, den Pater Werenfried
anführte, spät abends mit ihm beisammen und besprachen
verschiedenartige Probleme der Priester. Unvergesslich war dabei
sein weises Wort: "Wir haben oft den Mut nicht, Christi Einsamkeit
zu teilen."
Prof. Mag. et Dr. theol. Alfred Kolaska, Wien
Werk der wahren Nächstenliebe
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1945 trat ich bei den Barmherzigen
Schwestern ein. Von den Anfängen der "Ostpriesterhilfe"
erfuhr ich jedoch erst später. Bei einem Besuch meiner
Eltern erzählte mir mein Vater ganz begeistert von Pater
Werenfried und seinen Taten und wie sehr er sich freue, diesem
helfen zu können. Es war nur wenig, was er ihm geben
konnte, denn mein Vater war wegen der schwachen Gesundheit
meiner Mutter Alleinverdiener und arbeitete in einer Webereifabrik.
Ich erinnere mich, wie mir mein Vater sagte, er nehme an,
dass ich gerne in Armut lebe und keine großen Geschenke
erwarte. Ich habe das freudig bejaht. So konnten meine Eltern
trotz ihrer bescheidenen Verhältnisse die "Ostpriesterhilfe"
Pater Werenfrieds unterstützen. |
Für mich war es ein ehrendes Erbe, dem Werk,
das meinen Eltern so wichtig war, nach deren Tod treu zu bleiben;
sei es durch die Zahlung kleiner Beträge von meinem Taschengeld
oder durch Werben von Adressen. "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe"
war für mich immer ein Werk der wahren Nächstenliebe.
Schwester M. Terzina Müller, Unterhaching
Ein armes Volk hilft einem reichen
Wie kam es dazu, das die Dominikaner in Braunschweig ein Kloster
gründeten? Nach der Vertreibung aus dem Osten kamen 1945
etwa vierzigtausend schlesische Katholiken nach Braunschweig.
Da diese vierzigtausend jedoch nur zwei Priester mitbrachten,
wandte sich der damalige Domdechant Stuke an den Provinzial des
Dominikanerordens, Pater Dr. Wunibald Brachthäuser, mit der
Bitte um seelsorgliche Unterstützung. Der Provinzial beschloss
deshalb 1951 die Wiedererrichtung einer Ordensniederlassung in
Braunschweig. Der Bau der ordenseigenen Kirche wurde durch die
finanzielle Unterstützung von Pater Werenfried van Straaten
und von irischen Katholiken ermöglicht. So kam es, dass der
irische Bischof Staunton unter Assistenz des "Speckpaters"
Werenfried am 23. Mai 1956 den ersten Spatenstich vornahm. Der
Bischof sagte damals: "Ein kleines Volk hilft einem großen
- ein armes einem reichen."
Leonhard Scheja, 38108 Braunschweig
Willkommene Abwechslung im Schulalltag
In meiner Schulzeit bin ich Pater Werenfried vor fast einem halben
Jahrhundert begegnet. Damals ging ich in Offenburg in die Knabenvolksschule
bei der Dreifaltigkeitskirche. In den Schulalltag hinein bescherte
uns Pater Werenfried eine willkommene Abwechslung. Alle Klassen
durften auf den Kirchplatz, wohin auch wir von unserem Lehrer
geführt wurden. Wie staunten wir über den merkwürdigen
Omnibus, der dort stand - einer jener legendären Kapellenwagen,
die der Pater für den Einsatz im Osten auf den "Tag
X" herrichten ließ, wenn einmal der Eiserne Vorhang
fallen sollte. Pater Werenfried stellte sich uns vor und nannte
in humorvollen Worten seinen Spitznamen "der Speckpater".
Woher er seinen Namen habe? Er machte eine lustige Anspielung
auf seinen Leibesumfang und belehrte uns, dass der Name damit
aber nichts zu tun habe. Wir erfuhren von ihm, dass er in den
Nachkriegsjahren bei seinen Landsleuten in Holland und in Belgien
Speck für die hungernde Bevölkerung in Deutschland zusammen
gebettelt hatte.
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Als "Speckpater"
blieb mir Pater Werenfried seither in angenehmster Erinnerung.
Seit vielen Jahrzehnten lese ich seine Rundbriefe "Echo
der Liebe", in denen er sich immer wieder der geistigen
Not unseres einst christlichen Abendlandes annimmt. Wie der
barmherzige Samariter gießt er "Öl und Wein"
auf unsere Wunden . |
Werner Scheurer, Offenburg
Spende mit Anlauf
Gehört hatte ich schon von ihm, als ich Student der Theologie
in Münster war und mich im Jahr 1957 im fünften Semester
befand, um mir das Rüstzeug anzueignen für meinen Priesterberuf.
Ich wusste, dass der "Speckpater" nun nicht mehr Speck
sammelte, sondern Geld, um Menschen in Not helfen zu können.
Umso gespannter war ich, als in der St. Erpho-Kirche zu Münster,
in deren Nähe ich wohnte, in den Sonntagsmessen bekannt gemacht
wurde, dass Pater Werenfried van Straaten ... zu einem Gottesdienst
kommen und die Predigt halten würde. Ich habe an diesem Gottesdienst
teilgenommen, aber da ich als Student nicht viel Geld zur Verfügung
hatte, erst gar kein Opfer mitgenommen in die Kirche. Die Predigt
von Pater Werenfried aber war so interessant, dass ich sofort
nach dem Gottesdienst schnell nach Hause gegangen bin, um mein
Opfer zu holen. Als ich wieder an der Kirche eintraf, stand Pater
Werenfried noch an der Kirchentür, hatte seinen "Millionenhut"
in beiden Händen und sammelte noch immer ein. Ganz bescheiden
habe ich meine Gabe hineingelegt und war froh, dass ich doch noch
etwas zu der Kollekte beitragen konnte. Seit dieser Zeit bin ich
ein Freund von Kirche in Not/Ostpriesterhilfe, setze mich beharrlich
dafür ein und gebe ebenso beharrlich mein Opfer mit der Begründung,
die Pater Werenfried van Straaten uns in seiner Predigt in St.
Erpho, Münster, gegeben hat.
Pfarrer Friedrich Steffan, 49577 Ankum
"Was ich bei mir hatte, war zu wenig"
Ich kann mich noch sehr gut an eine seiner lebendigen und mitreißenden
Predigten in unserer Pfarre erinnern. Wir fanden uns an jenem
Tag mit vielen Gläubigen zu seiner Predigt ein. Die Kirche
war mehr als gut besucht. In seiner aufrüttelnden und mitreißenden
Predigt lief nun alles auf die entscheidende Bitte hinaus, ihn
nach besten Kräften zu unterstützen mit einem nicht
zu klein bemessenen Geldopfer. Da er aus Erfahrung wusste, dass
mancher wohl nicht genügend vorgesorgt hatte, verstand er
es blendend, darauf hinzuweisen, dass er allen noch reichlich
Gelegenheit lasse, nach der Predigt nach Hause zu gehen, um "nachzuladen".
Er würde gerne warten auf unser Wiederkommen. Sein Charisma
und die mit so viel Überzeugungskraft geschilderte Not der
Kirchen im Osten brachen die Herzen und die Hände auf. Da
wollte und konnte keiner abseits stehen.
Unsere Familie wohnte sehr nahe bei der Kirche, so dass wir uns
schon bald alle gemeinsam wieder einfanden. Als mein Vater die
Wohnung betrat, lachte er uns an und meinte: "Der Pater konnte
predigen! Ich kann nicht anders, ich muss noch unbedingt Geld
holen und zurück gehen. Was ich bei mir hatte, das war zu
wenig!"
Vor der Kirche stand Pater Werenfried noch lange am Abend und
erwartete mit seinem Hut die freudigen Spender. Und mit Sicherheit
hatte sich seine Ausdauer gelohnt. Ich bin inzwischen 80 Jahre
alt und kann mich nicht entsinnen, einen so exzellenten Bittsteller
im Anliegen der Kirche erlebt zu haben."
Maria Vink, 40589 Düsseldorf
Benzingutscheine in der Kirche
Ich stamme aus Kleve an der holländischen Grenze. Unsere
Stadt war nach dem Krieg zu neunzig Prozent zerstört, die
Not entsprechend. Wir Jugendlichen nahmen das alles nicht so ernst,
wenn wir natürlich auch gerne mal etwas Gutes gegessen hätten.
Irgendwann, ich meine auf dem Höhepunkt der Hungersnot 1947,
hörten wir über Radio und Zeitung etwas ganz Unglaubliches.
Ein flämischer Pater erregte sich über die Not der Deutschen,
vor allen Dingen über die entsetzlichen Entbehrungen der
Kinder. In Belgien war man natürlich empört darüber,
aber Werenfried ließ sich nicht entmutigen. Erstaunt las
ich, dass er gerufen hatte: "Ich brauche kein Geld von euch,
denn mit Geld kann man in Deutschland nichts kaufen. Ich verlange
Speck!" Und schon hatte er seinen Spitznamen weg. Irgendwann
tauchten dann die ersten Hilfslieferung auf ...
Später kam ich wieder in Verbindung mit der Ostpriesterhilfe,
als Pater Werenfried die Aktion Fahrzeuge für Gott'
ins Leben rief. Er kaufte die einfachen VW-Käfer Standard,
um damit die Diasporapriester mobil zu machen. Auch in unserer
Kirche lagen damals die Überweisungsformulare für "einen
Kanister Benzin".
Edmund A. Zabel, 77704 Oberkirch/Schwarzwald
Die Liebe breitete sich aus
Als damals Fünfzehn- oder Sechzehnjähriger erlebte
ich den Speckpater Anfang 1950 oder 1951 in meiner damaligen Heimatpfarrei
"Maria Himmelfahrt" in Jülich, das ebenso wie die
Nachbarstadt Düren bei den Angriffen der anglo-amerikanischen
Bomberverbände zu 97 Prozent in Schutt und Asche gelegt worden
war.
Nicht zuletzt aus diesem Grund besuchte wenige Jahre später
der Speckpater in der neu aufgebauten Propstei-Pfarrkirche die
aus den Trümmern auflebende Stadt und deren Pfarrkinder.
Als deutschliebender Flame schilderte er seinen Oberen die Idee
seines Vorhabens einer Hilfsaktion und erhielt die benötigte
Zustimmung, um die Bauern in den verschiedensten Gegenden Flanderns
um Specklieferungen zu bitten, damit dem im Grenzgebiet des Aachener
Landes geprüften Volk auf die Beine geholfen werde. Die meisten
der hier lebenden Menschen mussten Haus und Hof verlassen, um
nicht selbst noch Opfer der letzten Schlachten des Zweiten Weltkriegs
zu werden ...
Die Bauern Flanderns füllten Lastwagen für Lastwagen
mit Speck, um zunächst das Land zwischen Rhein und Maas hochzupäppeln.
So stieg der Speckpater auch auf die Kanzel unserer Pfarrkirche
... Sein damals schon üblicher Millionenhut - allerdings
noch ohne Löcher - füllte sich später aus Dank
für die Jahre zuvor gelieferten Specksendungen für die
hungernde Bevölkerung.
Dass in den folgenden Jahrzehnten sein Werk eine derartige Ausbreitung
erlangte, konnte damals freilich kaum jemand voraussehen. Das
ist nicht zuletzt der Gnade Gottes und einem heiligmäßigen
Mann zuzuschreiben.
Br. Helmut A. Dieken, 51545 Waldbröl
Pater Werenfried als Ehe-Retter
Einmal besuchten wir in Italien ein Lokal, das Pater Werenfried
gut kannte, um zu Abend zu essen. Wir hatten beide mittags nicht
gegessen und waren daher hungrig. Der Inhaber kam an unseren Tisch
und begrüßte Pater Werenfried warmherzig, schien aber
anders als sonst zu sein. Während des Gesprächs stellte
sich heraus, dass er sich mit seiner Frau zerstritten habe und
die beiden sich scheiden lassen wollten. Pater Werenfried ging
mit dem Inhaber des Lokals in die Küche, und ich saß
für eine lange Zeit allein, bis es dunkel und das Restaurant
geschlossen wurde. Endlich kam Pater Werenfried mit dem Restaurantbesitzer
und dessen Frau zurück, und es war klar, dass er eine Versöhnung
herbeigeführt hatte. Dann mussten wir fahren, weil es schon
sehr spät geworden war. Ich glaube nicht, dass er an jenem
Abend überhaupt noch an das Essen gedacht hat.
José Correa, 61452 Königstein im Taunus
Werenfrieds Spätlese
Es muss im Jahr 1969 oder 1970 gewesen sein, als in Augsburg
eine Predigtaktion der Ostpriesterhilfe stattfand. Damals wohnten
meine Frau Gerda und ich in Landsberg am Lech, und ich studierte
Nachrichtentechnik in Augsburg. Nebenher arbeiteten wir in unregelmäßigen
Abständen für die Ostpriesterhilfe und verteilten das
"Echo der Liebe" in den Pfarreien des gesamten Bundesgebiets.
Die Kirche St. Ulrich war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt,
und wir hörten eine Predigt, die auch die härtesten
Gemüter tief ergriff. Wir hörten dramatische, bewegende
und erstaunliche Geschichten aus allen möglichen Gebieten
jenseits des Eisernen Vorhangs. Wir hörten, mit welch gefahrvollen
und risikoreichen Aktionen, aber auch mit welch weltlich professioneller
Schlitzohrigkeit der Kirche und den Menschen im Osten geholfen
wurde. Als Student verfügt man bekanntermaßen über
keine nennenswerten finanziellen Mittel. Dennoch löste die
Predigt in mir den spontanen Entschluss aus, was ich im Moment
besaß, in den Klingelbeutel zu geben. Es war der einzige
Schein in meinem Portemonnaie - fünfzig Mark - abgesehen
von ein wenig Kleingeld, und er hätte eigentlich bis zum
Ende des Monats reichen sollen. Ich fühlte mich allerdings
irgendwie reich und unglaublich gut dabei.
Am Ende seiner Predigt verwies Pater Werenfried noch auf den
Kapellenwagen, der auf dem Kirchplatz stand. Es war ein Hinweis
für alle Gläubigen, die möglicherweise mehr spenden
wollten, als sie im Moment bei sich hatten. Sie könnten dies
noch problemlos bis 15 Uhr tun. Er nannte diese Sammlung "Werenfrieds
Spätlese". Als wir später nach dem gemeinsamen
Mittagessen die Einnahmen aus den Kollekten aller Augsburger Kirchen
gezählt hatten - an die Summe kann ich mich nicht mehr erinnern,
ich weiß nur , dass sie beachtlich war - kam gegen 15.30
Uhr das Geld aus dem Kapellenwagen hinzu. "Werenfrieds Spätlese"
erbrachte über 10.000 Mark.
Selbst heute sind 10.000 Mark beziehungsweise 5.000 Euro eine
stattliche Summe. Doch dies geschah zu einer Zeit, als der Liter
Benzin um die 50 Pfennige kostete, man 100 Gramm Edamer für
39 Pfennig bekam und unsere monatliche Miete 90 D-Mark betrug.
Wenn man dies berücksichtigt, so kann man guten Gewissens
behaupten, dass "Werenfrieds Spätlese" ein besonders
guter Tropfen war.
Hans-Peter Merker, 53343 Wachtberg
Hundert Eheringe im Millionenhut
Es war im Herbst 1952, als der "Speckpater" Werenfried
van Staaten in unserer im Jahr 1951 wieder aufgebauten Herz-Jesu
Kirche in München-Neuhausen/Nymphenburg an einem Abend die
ganze Kirche füllte. Es waren etwa achttausend Leute da.
Er begeisterte die Gläubigen und motivierte den Zusammenhalt
zwischen den mittlerweile "satten" Deutschen und den
"armen Tröpfen" im Osten. Es kamen ungefähr
zehntausend Mark zusammen, die von etwa fünfzig Männern
in zusammengefalteten Hüten eingesammelt wurden. Man muss
bedenken, dass in den frühen Fünfzigerjahren ein Lehrling
im ersten Lehrjahr etwa 25 Mark verdiente, eine ausgebildete Krankenschwester
etwa 300 Mark brutto. Van Straaten vermochte die Menschen derart
zu begeistern, dass auch die Leute, die kein Geld bei sich hatten,
spendeten. Etwa einhundert Eheringe wurden in die Hüte geworfen.
Der Speckpater ist aus meinem Leben nicht wegzudenken. Er hatte
ein Charisma wie wenige. Er war mutig und verkörperte die
katholische Kirche einzigartig. Diese katholischen Vorbilder gibt
es heute nicht mehr.
Leopold Kaiser, 72135 Dettenhausen
Gewaltigste Kundgebung des Jahres
Ich habe Pater Werenfried auf der Jahrestagung der Ackermann-Gemeinde
1951 in Königstein erlebt. Der "Volksbote" schrieb
damals, es sei "die geistig gewaltigste Kundgebung der Vertriebenen
und wohl die imposanteste Manifestation dieses Jahres in Westdeutschland,
ja in Westeuropa überhaupt" gewesen. Zum ersten Mal
sprach ein tschechischer Exil-Politiker, General Prchala, vor
den von den Tschechen vertriebenen Sudetendeutschen. Pater Werenfried
war der zweite Hauptredner der Veranstaltung.
Alois Schubert, 73430 Aalen
Als wir mit Pater Werenfried beteten
Ich hatte während des Katholikentages 1948 in Mainz eine
Begegnung mit Pater Werenfried. Ich war damals in der Katholischen
Jugend und noch Studentin in den jungen Semestern. Der Leiter
des Katholikentages bat uns katholische Jugendliche um Hilfe.
Wir arbeiteten von früh bis spät und waren abends meist
total erschöpft.
Eines Abends beschlossen wir, noch in eine kleine Kirche zu gehen,
die für die Zeit des Katholikentages nur als Anbetungsraum
gedacht war. Als wir die Kirche betraten, sahen wir einen Priester,
der ganz versunken vor dem ausgestellten Speisekelch kniete. In
der Kirche konnte man spüren, dass dieser Priester eine ganz
schwere Last vor Gott trug. Wir beteten lange, auch weil die Not
zu jener Zeit noch groß war. Als der Priester seine Gebete
beendet hatte, den Kopf hob und zur Seite wandte, sagte ein Kommilitone
auf einmal: "Du, das ist doch der Speckpater." Und dann
sahen wir auch seinen berühmten Millionenhut neben ihm liegen.
Diese Geschichte hat mich immer mit Pater Werenfried und seinem
Werk Kirche in Not/Ostpriesterhilfe verbunden. Seit jener Zeit
weiß ich, dass Pater Werenfried ein Mann ist, der nicht
nur gepredigt und Geld gesammelt hat, sondern auch von einer tiefen
Frömmigkeit erfüllt ist, ohne die alle geleistete Hilfe
wertlos ist. Ich glaube, dass sein Werk nur wegen seines unendlichen
Gottvertrauens so groß werden konnte, wie es heute ist.
Verfasserin ist der Redaktion bekannt
"Kirche in Not" sucht weitere Zeitzeugen, die sich
an besondere Erlebnisse mit Pater Werenfried erinnern können.
Diese Erinnerungen werden gesammelt und in einer Festschrift veröffentlicht.
Wer etwas von Pater Werenfried van Straaten zu erzählen hat,
wird gebeten, seine Schilderung an folgende Anschrift zu schicken:
Kirche in Not/Ostpriesterhilfe, Albert-Roßhaupter-Straße
16, 81369 München, Telefon: 0 89 / 7 60 70 55, Fax: 0 89
/ 7 69 62 62, E-Mail: kinophde@t-online.de.
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