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Für unsere Kleinsten
Pater Werenfried von Straaten feiert 90. Geburtstag

"Wie der barmherzige Samariter ..."

Zeitzeugen erinnern sich an Begegnungen mit Pater Werenfried van Straaten, der am 17. Januar neunzig Jahre alt wird.

Wie aus dem Speckpater der Apfelsinenpater wurde

Nach der Flucht aus Sachsen fanden meine Eltern und ich 1946 liebevolle Aufnahme bei meinem Patenonkel Hermann Freiherr von Fürstenberg in Körtlinghausen bei Kallenhardt. Wir wohnten mit meinem Onkel im "Vorgebäude", das Schloss hatte er schlesischen Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. Erst war dort ein Waisenhaus, dann ein Altersheim, aus jedem zweiten Fenster schaute ein Ofenrohr heraus, ein Wunder, dass die Anlage nicht abbrannte. Immer wieder kamen in jener Zeit Lastwagen vorgefahren mit Hilfsgütern für das Altersheim. Sie kamen vom "Speckpater", wurde mir gesagt. Das klang mir sympathisch, denn Speck war auch für mich damals kaum erreichbar. So erfuhr ich von Pater Werenfried van Straaten und seinem Hilfswerk.

Bei einer Andacht am Sonntag Abend musste ich einmal alleine mit Weihrauch, Schiffchen und Velum fertig werden und half hinterher "aufräumen". Danach gab mir die für die Sakristei zuständige Schwester Editha mir etwas Rundes, Goldfarbenes, interessant Riechendes, mir Unbekanntes aus einer Sendung des Speckpaters, die am Vortag angekommen war. Ich bedankte mich und verließ mit einer etwas hastigen Kniebeuge die Kapelle. Es war anscheinend etwas zum Essen, diese merkwürdige Kugel, eine Art Apfel, aber doch so ganz anders - und so wagte ich nicht hinein zu beißen. Ich lief zu meinen Eltern und meinem Onkel, die auf dem Hof standen und zeigte ihnen das Geschenk der Schwester. "Das ist eine Apfelsine", wurde ich belehrt, und dann setzte man sich um den Tisch, die Apfelsine wurde feierlich geschält und ähnelte einer geöffneten Rosenblüte. Alle bewunderten die seltene Frucht, die Scheiben wurden "geteilt", wobei mir fast alles zugeschoben wurde, was ich innerlich dankbar zur Kenntnis nahm, äußerlich aber diplomatisch übersah.

So wurde mir der Speckpater zum "Apfelsinenpater", und ich dachte oft an ihn und an Schwester Editha, wenn ich später genügend Apfelsinen bekam oder sie sogar selbst pflücken konnte.

Msgr. Dr. Michael Freiherr von Fürstenberg, Rom

Wir waren nicht vergessen

Es war wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Heimatlos geworden ... wurde ich mit anderen Flüchtlingen nach Hessen gebracht, wo wir in ländlichen Gemeinden Zuflucht fanden. Wir waren dort die ersten Katholiken seit der Reformation. Die anfängliche Distanz der Einheimischen milderte die Notgemeinschaft, denn auch die ansässige Bevölkerung hatte viel unter dem Krieg und seinen Begleiterscheinungen gelitten. Man lernte sich durch die Arbeit kennen und half sich gegenseitig - bei zum Teil engsten Wohnverhältnissen.

Wir Katholiken hatten mit der Heimat auch das eigene Gotteshaus verloren. Der evangelische Gemeindepfarrer stellte das hiesige für unsere Feier der heiligen Messe zur Verfügung. Eines Tages wurden wir zu einer ... Veranstaltung der "Ostpriesterhilfe" eingeladen.

Wir saßen zu angekündigter Zeit rundum auf dem Dorfplatz, eine Gemeinschaft mit vielen Schicksalen. Die Kapellenwagen der "Ostpriesterhilfe" kamen in das Dorf ... Geöffnete Türen an einer Breitseite ließen einen Altar erkennen, an dem Weiße Väter aus Holland Gottesdienst und Predigt hielten. Es wurde gebetet und gesungen. Außerdem enthielt ein Kapellenwagen Spenden verschiedener Art, die an die Bedürftigen verteilt wurden. Es war bewegend und beglückend zugleich, dass sich jemand in dieser Art unserer annahm.

Die Spenden kamen von der holländischen Bevölkerung. Ein Pater berichtete uns, dass sie sich in einem Ort (Anm.: Vinkt) zunächst geängstigt hatten um Spenden zu bitten. In diesem Ort hatten deutsche SS-Männer während des Krieges mehrere wehrlose Zivilisten erschossen. Doch es sei ein Wunder geschehen. Die Predigt von Pater Werenfried van Straaten über die Not der vertriebenen Deutschen hätte die Herzen der Angehörigen der bei dem Massaker umgekommenen Holländer gerührt ... . - Uns Zuhörer erschütterte das sehr und wurde zur Brücke zu den uns im Glauben verbundenen Holländern ...

Es war das Gefühl, nicht vergessen worden zu sein, das wir in den ersten Jahren nach dem Krieg dankbar wahrnahmen, und so denke ich - und auch viele andere - mit Dankbarkeit an den Gründer der "Ostpriesterhilfe", Pater Werenfried van Straaten, zurück. Ich halte ihn und seine Helfer für die Heiligen dieser Zeit.

Marie G. Goletz, 36280 Oberaula

Die Einsamkeit Christi

Vor Jahren saßen wir Beichtväter anlässlich eines Fatimatages in Schardenberg/Oberösterreich, den Pater Werenfried anführte, spät abends mit ihm beisammen und besprachen verschiedenartige Probleme der Priester. Unvergesslich war dabei sein weises Wort: "Wir haben oft den Mut nicht, Christi Einsamkeit zu teilen."

Prof. Mag. et Dr. theol. Alfred Kolaska, Wien

Werk der wahren Nächstenliebe

1945 trat ich bei den Barmherzigen Schwestern ein. Von den Anfängen der "Ostpriesterhilfe" erfuhr ich jedoch erst später. Bei einem Besuch meiner Eltern erzählte mir mein Vater ganz begeistert von Pater Werenfried und seinen Taten und wie sehr er sich freue, diesem helfen zu können. Es war nur wenig, was er ihm geben konnte, denn mein Vater war wegen der schwachen Gesundheit meiner Mutter Alleinverdiener und arbeitete in einer Webereifabrik. Ich erinnere mich, wie mir mein Vater sagte, er nehme an, dass ich gerne in Armut lebe und keine großen Geschenke erwarte. Ich habe das freudig bejaht. So konnten meine Eltern trotz ihrer bescheidenen Verhältnisse die "Ostpriesterhilfe" Pater Werenfrieds unterstützen.

Für mich war es ein ehrendes Erbe, dem Werk, das meinen Eltern so wichtig war, nach deren Tod treu zu bleiben; sei es durch die Zahlung kleiner Beträge von meinem Taschengeld oder durch Werben von Adressen. "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe" war für mich immer ein Werk der wahren Nächstenliebe.

Schwester M. Terzina Müller, Unterhaching

Ein armes Volk hilft einem reichen

Wie kam es dazu, das die Dominikaner in Braunschweig ein Kloster gründeten? Nach der Vertreibung aus dem Osten kamen 1945 etwa vierzigtausend schlesische Katholiken nach Braunschweig. Da diese vierzigtausend jedoch nur zwei Priester mitbrachten, wandte sich der damalige Domdechant Stuke an den Provinzial des Dominikanerordens, Pater Dr. Wunibald Brachthäuser, mit der Bitte um seelsorgliche Unterstützung. Der Provinzial beschloss deshalb 1951 die Wiedererrichtung einer Ordensniederlassung in Braunschweig. Der Bau der ordenseigenen Kirche wurde durch die finanzielle Unterstützung von Pater Werenfried van Straaten und von irischen Katholiken ermöglicht. So kam es, dass der irische Bischof Staunton unter Assistenz des "Speckpaters" Werenfried am 23. Mai 1956 den ersten Spatenstich vornahm. Der Bischof sagte damals: "Ein kleines Volk hilft einem großen - ein armes einem reichen."

Leonhard Scheja, 38108 Braunschweig

Willkommene Abwechslung im Schulalltag

In meiner Schulzeit bin ich Pater Werenfried vor fast einem halben Jahrhundert begegnet. Damals ging ich in Offenburg in die Knabenvolksschule bei der Dreifaltigkeitskirche. In den Schulalltag hinein bescherte uns Pater Werenfried eine willkommene Abwechslung. Alle Klassen durften auf den Kirchplatz, wohin auch wir von unserem Lehrer geführt wurden. Wie staunten wir über den merkwürdigen Omnibus, der dort stand - einer jener legendären Kapellenwagen, die der Pater für den Einsatz im Osten auf den "Tag X" herrichten ließ, wenn einmal der Eiserne Vorhang fallen sollte. Pater Werenfried stellte sich uns vor und nannte in humorvollen Worten seinen Spitznamen "der Speckpater". Woher er seinen Namen habe? Er machte eine lustige Anspielung auf seinen Leibesumfang und belehrte uns, dass der Name damit aber nichts zu tun habe. Wir erfuhren von ihm, dass er in den Nachkriegsjahren bei seinen Landsleuten in Holland und in Belgien Speck für die hungernde Bevölkerung in Deutschland zusammen gebettelt hatte.

Als "Speckpater" blieb mir Pater Werenfried seither in angenehmster Erinnerung. Seit vielen Jahrzehnten lese ich seine Rundbriefe "Echo der Liebe", in denen er sich immer wieder der geistigen Not unseres einst christlichen Abendlandes annimmt. Wie der barmherzige Samariter gießt er "Öl und Wein" auf unsere Wunden .

Werner Scheurer, Offenburg

Spende mit Anlauf

Gehört hatte ich schon von ihm, als ich Student der Theologie in Münster war und mich im Jahr 1957 im fünften Semester befand, um mir das Rüstzeug anzueignen für meinen Priesterberuf. Ich wusste, dass der "Speckpater" nun nicht mehr Speck sammelte, sondern Geld, um Menschen in Not helfen zu können. Umso gespannter war ich, als in der St. Erpho-Kirche zu Münster, in deren Nähe ich wohnte, in den Sonntagsmessen bekannt gemacht wurde, dass Pater Werenfried van Straaten ... zu einem Gottesdienst kommen und die Predigt halten würde. Ich habe an diesem Gottesdienst teilgenommen, aber da ich als Student nicht viel Geld zur Verfügung hatte, erst gar kein Opfer mitgenommen in die Kirche. Die Predigt von Pater Werenfried aber war so interessant, dass ich sofort nach dem Gottesdienst schnell nach Hause gegangen bin, um mein Opfer zu holen. Als ich wieder an der Kirche eintraf, stand Pater Werenfried noch an der Kirchentür, hatte seinen "Millionenhut" in beiden Händen und sammelte noch immer ein. Ganz bescheiden habe ich meine Gabe hineingelegt und war froh, dass ich doch noch etwas zu der Kollekte beitragen konnte. Seit dieser Zeit bin ich ein Freund von Kirche in Not/Ostpriesterhilfe, setze mich beharrlich dafür ein und gebe ebenso beharrlich mein Opfer mit der Begründung, die Pater Werenfried van Straaten uns in seiner Predigt in St. Erpho, Münster, gegeben hat.

Pfarrer Friedrich Steffan, 49577 Ankum

"Was ich bei mir hatte, war zu wenig"

Ich kann mich noch sehr gut an eine seiner lebendigen und mitreißenden Predigten in unserer Pfarre erinnern. Wir fanden uns an jenem Tag mit vielen Gläubigen zu seiner Predigt ein. Die Kirche war mehr als gut besucht. In seiner aufrüttelnden und mitreißenden Predigt lief nun alles auf die entscheidende Bitte hinaus, ihn nach besten Kräften zu unterstützen mit einem nicht zu klein bemessenen Geldopfer. Da er aus Erfahrung wusste, dass mancher wohl nicht genügend vorgesorgt hatte, verstand er es blendend, darauf hinzuweisen, dass er allen noch reichlich Gelegenheit lasse, nach der Predigt nach Hause zu gehen, um "nachzuladen". Er würde gerne warten auf unser Wiederkommen. Sein Charisma und die mit so viel Überzeugungskraft geschilderte Not der Kirchen im Osten brachen die Herzen und die Hände auf. Da wollte und konnte keiner abseits stehen.

Unsere Familie wohnte sehr nahe bei der Kirche, so dass wir uns schon bald alle gemeinsam wieder einfanden. Als mein Vater die Wohnung betrat, lachte er uns an und meinte: "Der Pater konnte predigen! Ich kann nicht anders, ich muss noch unbedingt Geld holen und zurück gehen. Was ich bei mir hatte, das war zu wenig!"
Vor der Kirche stand Pater Werenfried noch lange am Abend und erwartete mit seinem Hut die freudigen Spender. Und mit Sicherheit hatte sich seine Ausdauer gelohnt. Ich bin inzwischen 80 Jahre alt und kann mich nicht entsinnen, einen so exzellenten Bittsteller im Anliegen der Kirche erlebt zu haben."

Maria Vink, 40589 Düsseldorf

Benzingutscheine in der Kirche

Ich stamme aus Kleve an der holländischen Grenze. Unsere Stadt war nach dem Krieg zu neunzig Prozent zerstört, die Not entsprechend. Wir Jugendlichen nahmen das alles nicht so ernst, wenn wir natürlich auch gerne mal etwas Gutes gegessen hätten. Irgendwann, ich meine auf dem Höhepunkt der Hungersnot 1947, hörten wir über Radio und Zeitung etwas ganz Unglaubliches. Ein flämischer Pater erregte sich über die Not der Deutschen, vor allen Dingen über die entsetzlichen Entbehrungen der Kinder. In Belgien war man natürlich empört darüber, aber Werenfried ließ sich nicht entmutigen. Erstaunt las ich, dass er gerufen hatte: "Ich brauche kein Geld von euch, denn mit Geld kann man in Deutschland nichts kaufen. Ich verlange Speck!" Und schon hatte er seinen Spitznamen weg. Irgendwann tauchten dann die ersten Hilfslieferung auf ...

Später kam ich wieder in Verbindung mit der Ostpriesterhilfe, als Pater Werenfried die Aktion ‚Fahrzeuge für Gott' ins Leben rief. Er kaufte die einfachen VW-Käfer Standard, um damit die Diasporapriester mobil zu machen. Auch in unserer Kirche lagen damals die Überweisungsformulare für "einen Kanister Benzin".

Edmund A. Zabel, 77704 Oberkirch/Schwarzwald

Die Liebe breitete sich aus

Als damals Fünfzehn- oder Sechzehnjähriger erlebte ich den Speckpater Anfang 1950 oder 1951 in meiner damaligen Heimatpfarrei "Maria Himmelfahrt" in Jülich, das ebenso wie die Nachbarstadt Düren bei den Angriffen der anglo-amerikanischen Bomberverbände zu 97 Prozent in Schutt und Asche gelegt worden war.

Nicht zuletzt aus diesem Grund besuchte wenige Jahre später der Speckpater in der neu aufgebauten Propstei-Pfarrkirche die aus den Trümmern auflebende Stadt und deren Pfarrkinder. Als deutschliebender Flame schilderte er seinen Oberen die Idee seines Vorhabens einer Hilfsaktion und erhielt die benötigte Zustimmung, um die Bauern in den verschiedensten Gegenden Flanderns um Specklieferungen zu bitten, damit dem im Grenzgebiet des Aachener Landes geprüften Volk auf die Beine geholfen werde. Die meisten der hier lebenden Menschen mussten Haus und Hof verlassen, um nicht selbst noch Opfer der letzten Schlachten des Zweiten Weltkriegs zu werden ...

Die Bauern Flanderns füllten Lastwagen für Lastwagen mit Speck, um zunächst das Land zwischen Rhein und Maas hochzupäppeln. So stieg der Speckpater auch auf die Kanzel unserer Pfarrkirche ... Sein damals schon üblicher Millionenhut - allerdings noch ohne Löcher - füllte sich später aus Dank für die Jahre zuvor gelieferten Specksendungen für die hungernde Bevölkerung.
Dass in den folgenden Jahrzehnten sein Werk eine derartige Ausbreitung erlangte, konnte damals freilich kaum jemand voraussehen. Das ist nicht zuletzt der Gnade Gottes und einem heiligmäßigen Mann zuzuschreiben.

Br. Helmut A. Dieken, 51545 Waldbröl

Pater Werenfried als Ehe-Retter

Einmal besuchten wir in Italien ein Lokal, das Pater Werenfried gut kannte, um zu Abend zu essen. Wir hatten beide mittags nicht gegessen und waren daher hungrig. Der Inhaber kam an unseren Tisch und begrüßte Pater Werenfried warmherzig, schien aber anders als sonst zu sein. Während des Gesprächs stellte sich heraus, dass er sich mit seiner Frau zerstritten habe und die beiden sich scheiden lassen wollten. Pater Werenfried ging mit dem Inhaber des Lokals in die Küche, und ich saß für eine lange Zeit allein, bis es dunkel und das Restaurant geschlossen wurde. Endlich kam Pater Werenfried mit dem Restaurantbesitzer und dessen Frau zurück, und es war klar, dass er eine Versöhnung herbeigeführt hatte. Dann mussten wir fahren, weil es schon sehr spät geworden war. Ich glaube nicht, dass er an jenem Abend überhaupt noch an das Essen gedacht hat.

José Correa, 61452 Königstein im Taunus

Werenfrieds Spätlese

Es muss im Jahr 1969 oder 1970 gewesen sein, als in Augsburg eine Predigtaktion der Ostpriesterhilfe stattfand. Damals wohnten meine Frau Gerda und ich in Landsberg am Lech, und ich studierte Nachrichtentechnik in Augsburg. Nebenher arbeiteten wir in unregelmäßigen Abständen für die Ostpriesterhilfe und verteilten das "Echo der Liebe" in den Pfarreien des gesamten Bundesgebiets.

Die Kirche St. Ulrich war bis auf den letzten Stehplatz gefüllt, und wir hörten eine Predigt, die auch die härtesten Gemüter tief ergriff. Wir hörten dramatische, bewegende und erstaunliche Geschichten aus allen möglichen Gebieten jenseits des Eisernen Vorhangs. Wir hörten, mit welch gefahrvollen und risikoreichen Aktionen, aber auch mit welch weltlich professioneller Schlitzohrigkeit der Kirche und den Menschen im Osten geholfen wurde. Als Student verfügt man bekanntermaßen über keine nennenswerten finanziellen Mittel. Dennoch löste die Predigt in mir den spontanen Entschluss aus, was ich im Moment besaß, in den Klingelbeutel zu geben. Es war der einzige Schein in meinem Portemonnaie - fünfzig Mark - abgesehen von ein wenig Kleingeld, und er hätte eigentlich bis zum Ende des Monats reichen sollen. Ich fühlte mich allerdings irgendwie reich und unglaublich gut dabei.

Am Ende seiner Predigt verwies Pater Werenfried noch auf den Kapellenwagen, der auf dem Kirchplatz stand. Es war ein Hinweis für alle Gläubigen, die möglicherweise mehr spenden wollten, als sie im Moment bei sich hatten. Sie könnten dies noch problemlos bis 15 Uhr tun. Er nannte diese Sammlung "Werenfrieds Spätlese". Als wir später nach dem gemeinsamen Mittagessen die Einnahmen aus den Kollekten aller Augsburger Kirchen gezählt hatten - an die Summe kann ich mich nicht mehr erinnern, ich weiß nur , dass sie beachtlich war - kam gegen 15.30 Uhr das Geld aus dem Kapellenwagen hinzu. "Werenfrieds Spätlese" erbrachte über 10.000 Mark.

Selbst heute sind 10.000 Mark beziehungsweise 5.000 Euro eine stattliche Summe. Doch dies geschah zu einer Zeit, als der Liter Benzin um die 50 Pfennige kostete, man 100 Gramm Edamer für 39 Pfennig bekam und unsere monatliche Miete 90 D-Mark betrug. Wenn man dies berücksichtigt, so kann man guten Gewissens behaupten, dass "Werenfrieds Spätlese" ein besonders guter Tropfen war.

Hans-Peter Merker, 53343 Wachtberg

Hundert Eheringe im Millionenhut

Es war im Herbst 1952, als der "Speckpater" Werenfried van Staaten in unserer im Jahr 1951 wieder aufgebauten Herz-Jesu Kirche in München-Neuhausen/Nymphenburg an einem Abend die ganze Kirche füllte. Es waren etwa achttausend Leute da. Er begeisterte die Gläubigen und motivierte den Zusammenhalt zwischen den mittlerweile "satten" Deutschen und den "armen Tröpfen" im Osten. Es kamen ungefähr zehntausend Mark zusammen, die von etwa fünfzig Männern in zusammengefalteten Hüten eingesammelt wurden. Man muss bedenken, dass in den frühen Fünfzigerjahren ein Lehrling im ersten Lehrjahr etwa 25 Mark verdiente, eine ausgebildete Krankenschwester etwa 300 Mark brutto. Van Straaten vermochte die Menschen derart zu begeistern, dass auch die Leute, die kein Geld bei sich hatten, spendeten. Etwa einhundert Eheringe wurden in die Hüte geworfen.

Der Speckpater ist aus meinem Leben nicht wegzudenken. Er hatte ein Charisma wie wenige. Er war mutig und verkörperte die katholische Kirche einzigartig. Diese katholischen Vorbilder gibt es heute nicht mehr.

Leopold Kaiser, 72135 Dettenhausen

Gewaltigste Kundgebung des Jahres

Ich habe Pater Werenfried auf der Jahrestagung der Ackermann-Gemeinde 1951 in Königstein erlebt. Der "Volksbote" schrieb damals, es sei "die geistig gewaltigste Kundgebung der Vertriebenen und wohl die imposanteste Manifestation dieses Jahres in Westdeutschland, ja in Westeuropa überhaupt" gewesen. Zum ersten Mal sprach ein tschechischer Exil-Politiker, General Prchala, vor den von den Tschechen vertriebenen Sudetendeutschen. Pater Werenfried war der zweite Hauptredner der Veranstaltung.

Alois Schubert, 73430 Aalen

Als wir mit Pater Werenfried beteten

Ich hatte während des Katholikentages 1948 in Mainz eine Begegnung mit Pater Werenfried. Ich war damals in der Katholischen Jugend und noch Studentin in den jungen Semestern. Der Leiter des Katholikentages bat uns katholische Jugendliche um Hilfe. Wir arbeiteten von früh bis spät und waren abends meist total erschöpft.

Eines Abends beschlossen wir, noch in eine kleine Kirche zu gehen, die für die Zeit des Katholikentages nur als Anbetungsraum gedacht war. Als wir die Kirche betraten, sahen wir einen Priester, der ganz versunken vor dem ausgestellten Speisekelch kniete. In der Kirche konnte man spüren, dass dieser Priester eine ganz schwere Last vor Gott trug. Wir beteten lange, auch weil die Not zu jener Zeit noch groß war. Als der Priester seine Gebete beendet hatte, den Kopf hob und zur Seite wandte, sagte ein Kommilitone auf einmal: "Du, das ist doch der Speckpater." Und dann sahen wir auch seinen berühmten Millionenhut neben ihm liegen.

Diese Geschichte hat mich immer mit Pater Werenfried und seinem Werk Kirche in Not/Ostpriesterhilfe verbunden. Seit jener Zeit weiß ich, dass Pater Werenfried ein Mann ist, der nicht nur gepredigt und Geld gesammelt hat, sondern auch von einer tiefen Frömmigkeit erfüllt ist, ohne die alle geleistete Hilfe wertlos ist. Ich glaube, dass sein Werk nur wegen seines unendlichen Gottvertrauens so groß werden konnte, wie es heute ist.

Verfasserin ist der Redaktion bekannt

"Kirche in Not" sucht weitere Zeitzeugen, die sich an besondere Erlebnisse mit Pater Werenfried erinnern können. Diese Erinnerungen werden gesammelt und in einer Festschrift veröffentlicht. Wer etwas von Pater Werenfried van Straaten zu erzählen hat, wird gebeten, seine Schilderung an folgende Anschrift zu schicken: Kirche in Not/Ostpriesterhilfe, Albert-Roßhaupter-Straße 16, 81369 München, Telefon: 0 89 / 7 60 70 55, Fax: 0 89 / 7 69 62 62, E-Mail: kinophde@t-online.de.

 
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