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Afrika/Kenia - Das Ferienland westlicher Touristen, die die wahren Hintergründe des Landes oft nicht kennen
Nairobi (Fidesdienst) - Es folgt ein Bericht der Kamillianer Missionare zur Geschichte und zur heutigen Situation des Staates und der Kirche in Kenia:
Das Land - "Wo machen Sie Urlaub?" - "In Kenia."
Der Name des Landes ist in aller Munde. Ein ruhiges Land mit Parks, die ein ideales Gelände für eine Safari bieten, und mit beneidenswerten Stränden … Doch ist es wirklich so? Licht- und Schattenseiten sind heute so stark miteinander vermischt, dass es schwierig ist, sie wirklich zu erkennen. Deshalb muss man das Land von innen heraus betrachten, wenn man die verschiedenen Situationen tatsächlich kennen und verstehen will.
Bei jüngsten Ausgrabungen (in den 80iger Jahren) wurden im Nordosten des Landes Knochen und Überreste von Menschen gefunden, die wahrscheinlich vor über 2 Millionen Jahren gelebt haben, weshalb Kenia auch als "Wiege des Menschengeschlechts" definiert wurde. Abgesehen von der Frage des Ursprungs ist die Geschichte Kenias ziemlich jung (19. Jahrhundert) und von dem Durchzug von europäischen und arabischen Händlern auf der Suche nach Elfenbein und Sklaven gekennzeichnet. Einige dieser Händler ließen sich endgültig im Land nieder, was zur Entstehung verschiedener Volksgruppen führte, die heute noch existieren. Jede dieser Volksgruppen ist eigenständig und unabhängig organisiert. 1895 wurde Kenia englisches Protektorat und 1920 britische Kolonie. Während dieser Zeit bauten die Engländer mit Hilfe einheimischer Arbeitskräfte die Eisenbahnstrecke Mombasa-Kisumu. Dies sollte einer besseren Nutzung der Ressourcen des Landes, ganz im Interesse der Kolonialmacht dienen. Dies weckte Wut und Hassgefühle gegen die Weißen, was schließlich in Unruhen und Gewalt mündete.
1952 brach der Aufstand der Mau Mau (einer geheimen Terroristenorganisation aus dem Stamm der Kikuyu) aus, der 1963 zur Unabhängigkeit Kenias führte. Jomo Kenyatta wurde zum ersten Präsidenten des unabhängigen Staates gewählt. In diesem Amt folgte ihm 1978 Arap Moi nach, der dieses Amt noch heute innehat.
Doch die von Kenyatta gewünschte schrittweise Besserung der internen Situation des Landes fand nicht statt. Vielmehr verschlechterte sich die Situation durch die Verbreitung von Korruption und die Zunahme von Verbrechen und Diebstählen.
Auch der Fremdenverkehr, eine wichtige Einnahmequelle des Landes, ist infolge der unsicheren Lage des Landes zurückgegangen. Dabei hatte alles hatte so viel versprechend begonnen. Immer weniger Fluggesellschaften bieten Flüge nach Kenia an; die blühenden Landwirtschaft (Bananen, Tee, Kaffee, Ananas) liegt infolge des ständigen Rückgangs der Marktpreise im Sterben.
Die unvermeidbaren folgen wirken sich auf das leben der ganzen Landes ebenso aus, wie auf das Leben der einzelnen Familien. Wenn man bedenkt, dass das Bevölkerungswachstum in Kenia bei 4% liegt (das Land hat heute rund 25.000.000 Einwohner), sind die Zukunftsaussichten leider eher finster, sollte es nicht ein entschiedenes Gegenlenken geben.
Die Lage im sozialen Bereich ist im heutigen Kenia äußerst explosiv. 1982 hatte eine solche Situation zu einem Putschversuch geführt, für dessen Unterdrückung ein hoher Preis bezahlt werden musste. Trotz allem wurde Moi 1993 erneut in das Amt des Präsidenten gewählt.
Den Oppositionsparteien -die in der Zwischenzeit anerkannt worden waren, während es vorher nur die Einheitspartei KANU gegeben hatte - war eine Koalition nicht gelungen, weshalb sie bei der Wahl unterlagen. Im Vorfeld der nun für das Jahresende bevorstehenden Wahlen ist das politische Klima erneut sehr angespannt. Die verschiedenen Fraktionen sind bereits erkennbar; Moi versucht dem von ihm vorgeschlagenen Kandidaten zu einem Sieg zu verhelfen (da er selbst nach 22jähriger Amtszeit nicht mehr kandidieren kann) und versucht dabei die Beschlüssen der Partei zu ignorieren. Dies alles geht wie immer und überall vor allem zu Lasten der Bevölkerung.

Die Kirche
Die Verfassung des Landes garantiert die Religionsfreiheit. 66% der Einwohner sind Christen. Doch aufgrund der Religionsfreiheit gibt es in Kenia hunderte von angemeldeten und staatlich anerkannten verschiedenen Kirchen.
Die vorwiegend in den Küstenregionen wohnhaften Muslime machen rund 12% der Bevölkerung aus. Sie gehören zu der wichtigsten Zielgruppe des von der Kirche geförderten interreligiösen Dialogs. Es existieren in Kenia auch zahlreiche Sekten, die einen nicht unbedeutenden Störfaktor darstellen.
Der Ursprung Christentums in Kenia liegt weit zurück: bereits im Jahr 1498 kamen die Portugiesen auf der Durchreise nach Indien in das Land, doch sie hinterließen keine tiefen Wurzeln. Die wahre Verbreitung des Christentums fand erst 1889 statt, als die Spiritaner sich mit ihrem Bischof auf der Insel Sansibar niederließen und von dort aus rund 10 Jahre später bis nach Nairobi vordrangen, wo sie die erste katholische Kirche erbauten und eine Mission eröffneten. 1902 kamen schließlich auch die Consolata Missionare in das Land, womit deren Hilfe sich die Kirche im ganzen Land festigen konnte.
Die Ortskirche wuchs in Kenia sehr schnell, so dass 1989 bereits 16 Diözesen des Landes das hundertjährige Jubiläum des Glaubens feiern konnten. Heute gibt es insgesamt 23 Diözesen, ein Militärordinariat und ein Apostolisches Vikariat. Dieses Wachstum der Kirche ist vor allem Verdienst zahlreicher Missionare aus verschiedenen Männer- und Frauenorden. Heute entsendet die Ortskirche selbst Missionare aus Kenia in andere Länder (im Jahr 2000 waren 200 Missionare aus Kenia in anderen Ländern tätig!).
Aufgrund ihrer gut organisierten Strukturen genießt die Katholische Kirche in Kenia hohes Ansehen.
Die Bischöfe veröffentlichen anlässlich besonderer Ereignisse (Soziale Spannungen, bevorstehende Wahlen, etc.) gemeinsame Hirtenbriefe, die im ganzen Land und auch von den Führungskräften des Landes sehr geschätzt werden; die von Missionsinstituten getragenen Schulen und Gesundheitseinrichtungen sind auf dem neuesten Stand und deshalb sehr beliebt. Die es gibt zahlreiche engagierte katholischen Laien, die zum Teil auch auf Regierungsebene tätig sind.
Die Kamillianer betreiben in der Region Süd-Nyanza zwei Krankenhäuser in Tabaka und Karungu. Außerdem decken sie mit mehreren "mobilen Gesundheitsstationen" einen Großteil des Territoriums der Region ab. Aidswaisen oder Kinder von aidskranken Eltern werden in einem weiteren Zentrum der Kamillianer betreut. In den Seminaren der Kamillianer in Nairobi und Karungu wird der Nachwuchs des Ordens auf das Ordensleben vorbereitet.
Dies sind nur Tropfen auf einen heißen Stein, doch sie tragen dazu bei, das humanitäre Wirken der Kirche sichtbar zu machen.

Gehört dies nicht auch zur Mission? "Heilt Kranke und verkündet: das Himmelreich ist nahe" (vgl. Mt 10, 7-8).

Kenia

Ausdehnung: 582.646 qkm
Einwohner: 25.000.000
Hauptstadt: Nairobi
Staatsform: Republik
Sprachen: Suaheli, Englisch
Religionen: Christen (66%)
Stammesreligionen (22 %)
Muslime (12%)

Gehört dies nicht auch zur Mission? "Heilt Kranke und verkündet: das Himmelreich ist nahe" (vgl. Mt 10, 7-8).
(Kamillianer Missionare/Fidesdienst 18/12/2002)

 
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