| Botschaft des Symposiums
Gemeinschaft und Solidarität zwischen Afrika und Europa
Christus ruft uns – Christus sendet uns |
Symposium Europa- Afrika
Rom, 10. - 13. November 2004
Unser Treffen unter Bischöfen: ein historisches Ereignis
Das Symposium der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar
(SECAM) und der Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE)
haben unter der Schirmherrschaft der Kongregation für die Evangelisierung
der Völker und in Zusammenarbeit mit verschiedenen “solidarischen
Organisationen” ein Symposium veranstaltet, das vom 10. bis
13. November 2004 unter dem Motto “ Gemeinschaft und Solidarität
zwischen Afrika und Europa” 50 afrikanische Bischöfe
und 50 europäische Bischöfe in Rom zusammen geführt
hat. Es werden Wege gesucht, um die dort begonnene Arbeit auch in
Zukunft fortzusetzen.
Das Treffen war geprägt von Gebeten, von gegenseitigem Zuhören
und wechselseitiger Ehrlichkeit, von wahrhaftigem Respekt in einer
realen sakramentalen Brüderlichkeit in Christus, der uns ruft
und uns in unsere jeweiligen Kirchen sendet.
Durch respektvolles Teilen, eine vorbehaltlose Standortbestimmung
und eine Reflexion, die durch viele Beiträge bereichert wurde,
kam unsere “Sorge um alle Gemeinden” (2 Kor. 11,28)
zum Tragen. Geteilte Freude, mitgeteilter Glaube, missionarischer
Schwung, unsere Gesellschaften verändern in einer globalisierten
Welt auf der Suche nach dem Sinn, dessen grundlegenste Werte oft
verneint oder zerstört werden: Wir haben einander viel zu geben
und viel von einander zu empfangen.
Als Bischöfe, Diener der Hoffnung, wollen wir gemeinsam über
unsere gemeinsame Verantwortung nachdenken, um gerechtere Beziehungen
zwischen unseren Ländern herzustellen und den Austausch zwischen
den Kirchen unserer beider Kontinente zu stärken.
Am Ende unseres Treffens richten wir diese Botschaft an Euch, Gläubige
der Kirchen Afrikas und Europas, und an Euch, Männer und Frauen
guten Willens. Diese Botschaft fasst unsere Erkenntnisse und Überzeugungen
zusammen und nimmt uns in die Pflicht, in Zukunft unsere Zusammenarbeit
zu verstärken, unsere Kräfte zu bündeln und uns bei
den Aufgaben, die uns erwarten, gegenseitig zu unterstützen.
Die Gemeinschaft und Solidarität zwischen Afrika und
Europa leben…
Während unseres Treffens hatten wir die Möglichkeit,
unsere jeweilige Geschichte und unsere jeweiligen Beziehungen in
einem neuen Licht zu sehen; in einem Licht der Wahrheit und des
Wohlwollens, in dem wir das, was wir an Gaben erhalten haben, erkennen.
Wir teilen ein gemeinsames Erbe und eine Sicht des Menschen, der
das Antlitz von Christus hat.
…in einer Kirche, die in der Welt wahrgenommen wird.
• Die Geschichte hat die Beziehungen zwischen Afrika und
Europa, zwischen unseren unterschiedlichen Völkern, Ländern
und Institutionen, geprägt – manchmal mit gravierenden
Verstößen gegen die Menschenwürde. Die Herausforderungen
von heute heißen Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung, erdrückende
Schuldenlast, Korruption, Ausbeutung des Menschen und Ausbeutung
der natürlichen Rohstoffreserven, Aids, fehlende medizinische
Hilfe und Analphabetismus. Das alles betrifft uns zutiefst und wir
erklären all jenen, die darunter leiden, unsere Solidarität.
• Die oben genannten Herausforderungen erfordern von uns und
von den Regierungen und internationalen Institutionen Aufmerksamkeit
und Lösungen. Unser Appell richtet sich an die Afrikanische
Union und die Europäische Union, damit sie sich für das
kommende Jahrzehnt das Ziel setzen mögen, den Hunger zu besiegen.
Wir erinnern die reichen Länder an ihr Engagement, 0,7% ihres
Bruttoinlandproduktes für Entwicklungshilfe auszugeben. Fünf
Länder haben dies bereits getan; es ist also möglich.
Es geht nicht so sehr um Nächstenliebe sondern vielmehr darum,
ein Versprechen einzulösen und um Gerechtigkeit. Die Nächstenliebe
setzt die Gerechtigkeit voraus.
• Wir finden, dass die Jahrtausendziele für die Entwicklung
eine sehr gute Gelegenheit darstellen, der Armut in Afrika ein Ende
zu setzen. Wir erinnern unsere Regierungen und die Europäische
Union ohne Unterlass an die Notwendigkeit eines Schuldenerlasses,
gerechter Handelsabkommen und einer Globalisierung, die dem Menschen
gerecht wird.
• Angesichts von Gewalt und Ungerechtigkeit haben unsere Kirchen
die Pflicht, sich im Rahmen ihres Engagements in die Situationen
sozialer Ausgrenzung und des Konflikts hineinzubegeben. Wir arbeiten
überall für Gerechtigkeit und Frieden, setzen uns ein
für die Versöhnung und die Verteidigung der Menschenrechte.
Die Menschenwürde und die Bedürfnisse der Völker
stehen mehr denn je im Zentrum unserer gemeinsamen Verantwortung.
• An den Entscheidungen in Wirtschaft und Politik sind auch
Christen beteiligt. Als Bischöfe wollen wir ihnen im Licht
der Soziallehre der Kirche zur Seite stehen; wir wollen die Soziallehre
in unseren lokalen Kirchen, unseren Ländern und Kontinenten
besser bekannt machen.
…in einer Kirche, die Hoffnung weitergibt und die
Verkündigung und den Dialog lebt.
• Wir sind dankbar für den Austausch zwischen Menschen,
Priestern, Ordensmännern und
-frauen, Laien, die für die Mission in den beiden Kontinenten
arbeiten. Im Leben unserer Kirchen müssen wir mehr denn je
die Weitergabe des Glaubens begleiten und uns gegenseitig bei der
Ausbildung dieser Protagonisten der Evangelisierung unterstützen.
• Wir ermutigen die Laien in den Kirchen unserer beiden Kontinente,
ihren Glauben zu bezeugen, ihrer Hoffnung Ausdruck zu verleihen
und konkrete Gesten des Teilens und der Solidarität in einer
ausgeglichenen Partnerschaft zu vollziehen, die den pastoralen Anforderungen
im Dienst der Mission der Kirche und den Anforderungen für
eine ganzheitliche Entwicklung des Menschen entspricht.
• Unsere beiden Kontinente sind zum Dialog mit anderen Religionen
– insbesondere mit dem Islam – gerufen, wenn auch in
unterschiedlichen Zusammenhängen. Wir müssen den notwendigen
Respekt, die Ehrfurcht und den Willen zur Zusammenarbeit, zu dem
uns das Zweite Vatikanische Konzil (Nostra Aetate 3) einlädt,
vereinen mit der sanften – aber unmissverständlichen
– Verkündigung unseres Glaubens in Christus und unsere
christliche Tradition. Dieser Dialog sollte in der Gegenseitigkeit
geschehen.
… in einer Kirche, die sich um die Werte sorgt, die
gefördert werden müssen und für den Aufbau einer
gemeinsamen Zukunft benötigt werden.
• Aufgrund der vielfältigen Todesursachen in Afrika
und Europa wollen wir die “Kultur des Lebens” fördern.
In der Tat haben wir gemeinsame Werte: Den Vorrang Gottes, die Transzendenz,
der Sinn des Lebens, die gemeinschaftliche Dimension des Menschen,
die Familie, die Grundlage der Gesellschaft, die heute so sehr in
den Hintergrund geraten ist und besondere pastorale Zuwendung braucht.
• Wir sind überzeugt, dass Europa Afrika braucht, dass
Afrika Europa braucht und dass Europa und Afrika gemeinsam der Welt
einen Dienst zu erweisen haben. Wir laden die Katholikinnen und
Katholiken unserer Länder ein, im Geist der Gemeinschaft in
eine neue Beziehung einzutreten, “um gemeinsam handeln zu
können”, weil die Zukunft der einen von der Zukunft der
anderen abhängt.
“Duc in altum”: Aufbrechen
Als Bischöfe Afrikas und Europas wollen wir mit Euch, liebe
Gläubige in Christus, auf den Aufruf des Heiligen Vaters, den
er zu Anfang dieses Jahrtausends formulierte, antworten und für
eine “einfallsreichere Nächstenliebe” (Novo millennio
ineunte, 50)
• die Solidarität mit der Flamme des christlichen Glauben
entzünden.
• mit Hingabe eine Zivilisation der Liebe aufbauen, damit
eine neue Weltordnung entstehen kann.
Gläubige, Christen Afrikas und Europas, und besonders ihr Jugendliche
unserer Kontinente und der Welt: Seid Euch bewusst, dass Ihr gemeinsam
mit Euren Bischöfe “das verheißene Volk”
seid, Kirche und Familie Gottes, die sich im Laufe der Geschichte
in der Nachfolge ihres Erlösers engagiert hat, beflügelt
vom Heiligen Geist, Diener der Hoffnung, Wächter des Morgens,
bereit, die Herausforderungen “der Zeichen der Zeit”
anzunehmen!
Mit dem Vorschlag des Heiligen Vaters, ein Jahr speziell der Eucharistie
zu widmen, sind wir neu gefordert. Die Eucharistie baut die Kirche
auf und stellt den Gipfel und die Quelle unserer Gemeinschaft und
unserer kirchlichen Einheit dar. Johannes Paul II. lädt uns
auch ein, uns auf dem Weg der Solidarität in den Dienst der
Geringsten zu stellen: “Die Eucharistie ist nicht nur ein
Ausdruck der Lebensgemeinschaft der Kirche sondern auch ein Projekt
der Solidarität für die gesamte Menschheit.” (Mane
nobiscum, Domine, 27)
Unsere Welt im Aufbruch ächzt und wartet. Der treue Gott vertraut
uns. Christus geht mit uns. Der Heilige Geist verleiht uns seine
Stärke. Möge uns Maria, Mutter der Zärtlichkeit,
die in all unseren Sprachen verehrt wird, uns auf unserem Weg der
Gemeinschaft und Solidarität zwischen Afrika und Europa begleiten!
Die Teilnehmer des Symposiums “Gemeinschaft und Solidarität”
Rom, 13.11.2004
1650. Jahrestag der Geburt des Heiligen Augustinus
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