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SARS - Von Prof. Antonio Aceti, Dr. Massimo
Marangi, Dr. Giorgio Quaranta
Klinik für Infektionskrankheiten
Università di Roma La Sapienza, Zweite Fakultät
für Medizin, Krankenhaus S. Andrea - Via Grottarossa
1035-1039, 00189 Roma |
Bei dem schweren akuten Atemwegssyndrom (Severe acute Respiratory
Syndrome, SARS) handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die
durch den Kontakt mit kranken Personen oder Gegenständen, die
kurz zuvor mit Atemwegsausscheidungen infizierter Menschen oder
mit Urin oder Exkrementen infizierter Patienten beschmutzt wurden.
Eine Übertragung durch Tiere scheint nicht stattzufinden, während
eine Übertragung durch Lebensmittel, die mit Urin oder Exkrementen
von SARS-Patienten in Kontakt gelangt sind, noch untersucht werden
muss.
Diese neue Krankheit ist erstmals im November 2002 in der chinesischen
Provinz Guangdong aufgetreten, wo bis heute die meisten Krankheitsfäller
verzeichnet wurden; die anfänglich als Infektion mit Chlamydia
pneumoniae bezeichnete Krankheit wurde erst im Februar dieses Jahres
als neue Pathologie identifiziert, nachdem es auch zu einer Ausbreitung
in Vietnam, Hongkong, Singapur und durch Passagiere der Luftfahrtgesellschaften
auch in anderen Länder der Welt, wie zum Beispiel Kanada, gekommen
war.
Krankheitsauslöser ist ein neues Coronavirus, aus einer Virusfamilie,
die bisher als Verursacher von Erkältungskrankheiten und harmlosen
Darminfekten galt.
Die Krankheit wird durch direkten Kontakt mit infizierten Menschen
übertragen, wenn diese durch Husten Tröpfchen ausscheiden,
die das Virus enthalten. Erste Symptome treten nach einer Inkubationszeit
von 2 bis 7 Tagen oder in einzelnen Fällen auch nach 10 Tagen
auf: es handelt sich dabei um hohes Fieber (über 38°C)
und trockenen Husten, manchmal treten auch Grippesymptome wie Kopf-
und Muskelschmerzen auf. In 80-90% der Fälle gehen die Symptome
ohne besondere Behandlung zurück, doch bei 5-10% der Infizierten
kann es zu schweren Krankheitsformen bis zur Atemwegsinsuffizenz
kommen, die angemessene Geräte zur Wiederbelebung erforderlich
machen. Der Anteil der Todesfälle liegt aufgrund der in Kanada,
China, Hongkong, Singapur und Vietnam gemeldeten Fälle nach
Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation durchschnittlich
bei etwa 15%, wobei die Raten je nach Altersgruppe schwanken: 1%
bei Patienten im Alter unter 24 Jahren, 6% bei Patienten im Alter
zwischen 25 und 44 Jahren, 15% bei Patienten im Alter zwischen 45
und 64 Jahren und 50% oder mehr bei Patienten im Alter über
65 Jahren. Die Sterblichkeitsrate bei SARS hängt außerdem
von verschiedenen Faktoren ab: die Ansteckungsweise, die Menge des
Virus und das Auftreten anderer Krankheiten, ebenfalls ausschlaggebend
ist das Umfeld, von dem zum Beispiel der Zugang zu funktionierenden
Gesundheitseinrichtungen abhängt.
Die Diagnose basiert gegenwärtig im wesentlichen auf klinischen
Kriterien und der Analyse von Röntgenaufnahmen, wobei auch
kürzliche Reisen in Epidemiegebiete und der Ausschluss von
anderen Pathologien, die dieselben Symptome verursachen, berücksichtigt
werden; in Kürze sollen jedoch Systeme zur Labordiagnose zur
Verfügung stehen.
Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden über 7000 Fälle
in 30 verschiedenen Ländern und Orten registriert. Die meisten
Krankheitsfälle sind in China (Provinz Guangdong, Hongkong),
Taiwan, Singapur, Vietnam und Kanada aufgetreten. Gegenwärtig
werden China (Peking, Guangdong, Hongkong, Innere Mongolei, Shanxi
und Tianjin), die Mongolei (Ulanbator), Singapur und Taiwan als
gefährdete Gebiete betrachtet, während Kanada als einziges
Land außerhalb Südostasiens als Epidemiegebiet gilt;
Vietnam wurde als einziges Land von der Liste der Epidemiegebiete
gestrichen, nachdem es in einem Zeitraum von 20 Tagen, also der
doppelten Inkubationszeit, zu keinen Neuinfizierungen gekommen war.
In anderen Ländern, traten nur einzelne Krankheitsfälle
auf, wobei es nicht zu einer Verbreitung der Krankheit kam; alle
Patienten kamen aus Risikoländern. Insbesondere in Italien
wurden bis zum 7. Mai 9 Krankheitsfälle gemeldet, die umgehend
isoliert wurden, wobei es bis heute keinen Todesfall gab. Zu Todesfällen
kam es bisher ausschließlich in Südostasien und in Kanada.
Die Informationen zur Verbreitung der Krankheit und zu den notwendigen
Schutzmaßnahmen war oft widersprüchlich, nicht nur seitens
der Massenmedien sondern auch durch die offiziellen Organismen;
man braucht nur daran zu denken, dass die chinesischen Behörden
noch in den letzten zehn Apriltagen von 37 SARS-Fällen in Peking
sprachen. Diese Zahl stieg auf 741 an als man bemerkt hatte, dass
704 vorherige Krankheitsfälle nie berücksichtig worden
waren. Erst zu diesem Zeitpunkt begannen die chinesischen Behörden
damit, drastische Schutzmaßnahmen zur Vorbeugung gegen die
Ausbreitung der Krankheit unter der Bevölkerung zu treffen;
in der Tat waren an anderen Orten klinische Fälle eingeschränkter
und sporadischer aufgetreten, während China das einzige Land
zu sein scheint, wo die Verbreitung der Krankheit die Kennzeichen
einer Epidemie angenommen hat. Für eine korrekte Bewertung
des epidemischen Charakters muss auch berücksichtigt werden,
dass die Informationen, die wir erhalten, vorwiegend aus den südostasiatischen
Großstädten stammen, während über die Situation
in den ländlichen Gebieten, in denen es oft keine Systeme zur
Erhebung von Daten zu Infektionskrankheiten gibt und in denen das
Gesundheitswesen noch auf der traditionellen Medizin basiert, nur
wenig bekannt ist.
Wie aus den jüngsten von der Weltgesundheitsorganisation bekannt
gegebenen Daten hervorgeht ist die Zahl der neuen Krankheitsfälle
pro Tag in jüngster Zeit merklich zurückgegangen, was
die Wirksamkeit der von der chinesischen Regierung ergriffenen Schutzmaßnahmen
unter Beweis stellt. Auch die Massenmedien haben Informationen bezüglich
der Ansteckungsweise und der Vorbeugungsmethoden veröffentlicht,
die oft lückenhaft und widersprüchlich waren. Oft entstand
dabei der Eindruck, dass allein die Begegnung mit einer infizierten
Person eine Ansteckung verursachen kann, wobei auf der anderen Seite
mitgeteilt wurde dass "für die Angehörigen, die mit
einem SARS-Kranken zusammenleben, keine Ansteckungsgefahr besteht".
In den offiziellen Richtlinien wird hingegen von Ansteckungsgefahr
bei engem Kontakt ("close contact") gesprochen; diese
Bezeichnung umfasst das Zusammenleben mit einer infizierten Person
und die Pflege eines SARS-Kranken; es geht auch aus den vorliegenden
Daten hervor, dass Ärzte und Pflegepersonal am meisten gefährdet
sind, wo nicht angemessene Schutzmaßnahmen ergriffen werden:
mit einem Wort, diejenigen, die in direkten Kontakt mit den durch
Husten verbreiteten Bronchialausscheidungen eines SARS-Patienten
kommen. Unter "engem Kontakt" wird zum Beispiel auch eine
Umarmung, ein Kuss, die Unterhaltung auf geringe Distanz, die Untersuchung
und die Pflege eines Kranken, d.h. jeder direkte körperliche
Kontakt mit einem Kranken bezeichnet. Dazu gehört also auch
das Zusammenleben mit einem Kranken. Das gemeinsame Gehen auf der
Straße oder kurzzeitiges Warten in einem Wartesaal werden
hingegen nicht als "close contact" betrachtet.
In jüngster Zeit wurde auch mit großen Lettern auch auf
die Widerstandsfähigkeit des Virus in der äußeren
Umgebung hingewiesen, weshalb das Virus auch als "Supervirus"
bezeichnet wurde, wobei sich nach wenigen Tagen herausstellte, dass
das "Supervirus" mit normalen Desinfektionsmitteln abgetötet
werden konnte. Zieht man jedoch die offiziellen Daten der WHO unter
Betracht, dann geht daraus hervor, dass das neue Coronavirus widerstandsfähiger
ist als andere Komponenten dieser Virus-Familie. Unter optimalen
Bedingungen kann es bis zu vier Tage überleben. Verschwiegen
wird hingegen eine weitere Erkenntnis, die bei der Beurteilung des
epidemischen Charakters relevant wäre, nämlich die Tatsache,
dass das Virus auch von als geheilt betrachteten und deshalb aus
den Kliniken entlassenen Kranken, ausgeschieden werden kann.
Ärzte und Krankenpfleger sind also am meisten gefährdet:
nicht umsonst handelte es sich auch bei den in Kanada festgestellten
epidemischen Krankheitsfällen um Patienten, bei denen dir Krankhai
bei der Rückkehr aus infizierten Gebieten festgestellt wurde
und um Ärzte oder Pflegepersonal, die Kranke behandelt hatten,
sowie um deren Angehörige.
Die Vorbeugung besteht im Wesentlichen in geeigneten Schutzmaßnahmen,
die verhindern sollen, das Tröpfchen, die von Kranken durch
Husten oder Niesen ausgeschieden werden, von anderen eingeatmet
werden. Deshalb sollte das Personal bei einer Untersuchung eines
eventuellen SARS-Patienten, der auf jeden Fall isoliert werden muss,
nicht nur die üblichen Hygienemaßnahmen berücksichtigen,
wie zum Beispiel das häufige Händewachen mit Wasser und
Seife vor und nach jedem Kontakt mit dem Patienten und nach Tätigkeiten,
die eine Übertragungsgefahr mit sich bringen sowie jedes Mal,
wenn die Schutzhandschuhe ausgezogen werden, auf jeden Fall auch
Mundmasken mit hoher Filterkapazität sowie Einweg-Kleidung
und -Schuhe tragen. In diesem Zusammenhang sollte darauf hingewiesen
werden, dass einfache in der Chirurgie übliche Mundmasken,
die oft auf Bildern zu sehen sind, die uns in jüngster Zeit
aus asiatischen Ländern erreichten, nur beschränkt wirksam
sind, wenn sie von einer gesunden Person getragen werden, während
sie bei kranken Personen die Verbreitung der Tröpfchen, die
über die Atemwege durch Husten, Sprechen oder niesen ausgeschieden
werden, und die vielleicht der größte Krankheitsüberträger
sind, mindern kann. (Fidesdienst 20/5/2003) |
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