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Tirana (Fidesdienst) - "Er ist ein Erzbischof, der seine
Gläubigen liebt und von ihnen geliebt wird", so beschreibt
man in der Ezrdiözese Durazzo-Tirana Erzbischof Rrok Mirdita,
der am 26. April das zehnjährige Jubiläum seiner Bischofsweihe
feiern konnte. Erzbischof Mirdita gehört zu den vier Bischöfen,
die von Papst Johannes Paul II. bei dessen historischem Besuch
in Albanien im April 1993 geweiht wurde. Dieser Besuch leitete
für die Kirche in Albanien eine Wende ein.
50 Jahre lang waren die Katholiken vom kommunistischen Regime,
im Bestreben den Glauben an Jesus Christus gänzlich auszurotten,
unterdrückt worden. Katholische Priester und Laien wurden
festgenommen, gefoltert und ermordet, Kirchen und Ikonen wurden
zerstört, kirchliche Texte vernichtet und jede Art von öffentlicher
Ausübung des Kults war verboten. Die Unterdrückung der
katholischen Kirche war so umfassend, dass auch ihre Verdienste
im Bereich der Sprache, der Literatur, der Erziehung und der Kultur
verleugnet wurden. Die Generation, während der Zeit des Regimes
lebte, hat jedoch das "Erbe des Glaubens" bewahrt: die
Gebete wurden mündlich weitergegeben, doch die Praxis des
Glaubens war unter liturgischen und katechetischen Gesichtspunkten
bei der Zeit vor dem Konzil stehen geblieben. Heute erlebt die
Kirche deshalb eine Zeit der Neuevangelisierung im Licht des Zweiten
Vatikanischen Konzils.
Der Fidesdienst sprach mit Erzbischor Mirdita anlässlich
der Feiern zum zehnjährigen Jubiläum des Papstbesuchs.
Wie beurteilen Sie im Rückblick auf die vergangenen zehn
Jahre die Bedeutung des Papstbesuchs für Albanien?
Der Besuch des Papstes vor zehn Jahren war für die katholische
Kirche eine Wiedergeburt, nachdem sie unter dem kommunistischen
Regime fast vollständig ausgelöscht worden war. Mit
dem Papstbesuich begann für die Kirche in Albanien eine neue
Ära: Kirchen konnten wieder eingeweiht werden, Bischöfe
konnten die Weihe empfangen und es entstand eine neue Hierarchie,
womit die Kirche langsam wieder zu Leben erwachte. Doch der Besuch
von Papst Johannes Paul II. war nicht nur dies: seine Anwesenheit,
seine Ansprachen, sein Charisma haben der albanischen Kirche einen
neuen Geist gegeben, der es ihr ermöglichte in einer wirklich
kurzen Zeit große Fortschritte zu machen. In der Tat hat
die Reise des Papstes, die von ihm ausgehende Inspiration und
sein Aufruf an die Missionare in aller Welt ein wahres "Wunder"
herbeigeführt, das wir heute alle vor Augen haben: eine lebendige
und eifrige Glaubensgemeinschaft, eine Kirche die in nur zehn
Jahren viel gewachsen ist.
Welche wichtigen Veränderungen hat es in den vergangenen
zehn Jahren in der Kirche und in der albanischen Gesellschaft
gegeben?
Missionare aus verschiedenen Ländern und insbesondere aus
Italien, Priester, Schwestern und Laien aus verschiedenen Instituten
und Bewegungen haben durch den Aufbau von grundlegenden Einrichtungen,
wie Kirchen, Seminare, Bildungseinrichtungen, Schulen, Krankenhäusern
und Sozialstationen einen beachtlichen Beitrag geleistet, der
in entscheidendem Maß zum Wachstum der katholischen Kirche
geführt hat. Wir sind wirklich all jenen dankbar, die dazu
beigetragen haben und uns immer noch helfen. Wenn die Kirche in
Albanien heute gefestigt ist - und dies nicht nur in streng religiösem
Sinn, sondern auch, was die Gesellschaft anbelangt, in der wir
sehr hohes Ansehen genießen - dann ist dies auch diesem
pastoralen und sozialen Engagement zu verdanken.
Welchen Herausforderungen steht die Kirche in Albanien heute gegenüber?
Es gibt verschiedenen Herausforderungen, denn wir befinden uns
in einer Ziet des Übergangs, dier zu einer endgültigen
Stabilität der Kirche führen wird. Es müssen noch
zahlreiche Gotteshäuser gebaut werden, damit die Kirche zunehmend
zur "Kirche des Volkes" werden kann; die Katechese und
die Liturgie muss zunehmend in albanische Sprache stattfinden,
doch es fehlt noch an den notwendigen Texten, da es nur wenige
Experten mit ausreichender theologischer Bildung gibt, die angemessene
Übersetzungen anfertigen können. Wir brauchen vor allem
bessere Ausbildungsmöglichkeiten für junge Priester
und Schwestern und eine verstärkte Berufungspastoral, damit
die Grundlagen für das Apostolat der Evangelisierung entstehen
können.
Außerdem ist es auch wichtig, dass dem Bereich der Erziehung
ein besonderes Augenmerk gewidmet wird. Hier ist die Kirche zwar
bereits engagiert, doch auch hier sollte geeignetes Personal ausgebildet
werden, damit ein Beitrag zum globalen kulturellen Wachstum der
albanischen Gesellschaft geleistet werden kann, die lange Jahre
isoliert war und darunter gelitten hat.
Auf welche Weise trägt die Kirche zur Entwicklung des Landes
bei?
Die Kirche leistet durch die Vermittlung von christlichen Werten
an junge Menschen und Intellektuelle, die die Grundlagen der zukünftigen
Gesellschaft sind, einen beachtlichen Beitrag zum moralischen
und zivilen Wachstum des Landes. Vielleicht ist es noch zu früh,
um von sichtbaren Ergebnissen zu sprechen, doch die Kirche genießt
bei der Regierung, bei den Orthodoxen und bei weiten Teilen der
Gesellschaft hohes Ansehen. Die Missionare engagieren sich sehr
ohne sich dabei Gegenleistungen zu erwarten: sie geben alles was
sie haben, für das moralische Wachstum und die Entwicklung
der Menschen in Albanien, die so viel Leid ertragen mussten und
in ihrem Denken und Handeln so sehr eingeschränkt worden
waren.
Welche Perspektiven und Hoffnungen gibt es für Kirche und
Gesellschaft in Albanien?
Wir freuen uns alle über das, was wir haben und es gibt verschiedene
Gründe, die uns optimistisch sein lassen, vor allem die jungen
Menschen, die sehr großes Interesse für die Religion
zeigen und den Aufrufen der Kirche und der christlichen Religionsführer
begeistert Folge leisten. Sie versuchen den Glauben ernsthaft
zu leben. Dies ist für uns Anlass zu Mut und Hoffnung. Diese
Generation kann der Gesellschaft neue Aspekte und einen neuen
Geist vermitteln. (PA) (Fidesdienst, 23/4/2003 - 80 Zeilen, 887
Worte)
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