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Jakarta (Fidesdienst) - Die Situation der Religionen in Indonesien
ist äußerst komplex, denn in dem bevölkerungsreichsten
Land der Welt (mit über 210 Millionen Einwohnern) leben über
250 ethnische Gruppen und eine Mischung aus verschiedenen anerkennten
und nicht anerkannten Religionen zusammen. Auf den ersten Blick
scheint neben dem Islam nicht mehr viel Raum für andere Religionen
zu sein, denn rund 87% der Bevölkerung, die sich zum Islam
bekennen machen aus Indonesien, das Land, in dem die meisten Muslime
leben, und in dem anderen Religionen deshalb nur wenig bedeutend
sind (Christen 10%, davon 6,5 Millionen Katholiken, Hindus 2%,
Buddhisten 1%).
Doch in Indonesien gibt es eine Besonderheit, was die Religionen
anbelangt: es besteht die in der Verfassung des Landes verankerte
Pflicht zur Zugehörigkeit zu einer der fünf staatlich
anerkannten Religionen (Islam, Katholizismus, Protestantismus,
Hinduismus und Buddhismus) So kommt es, dass sich zahlreichen
Anhänger von Naturreligionen oder Synkretiker zum Islam oder
zum Christentum bekennen, was zu einer gewissen Unzuverlässigkeit
bei den offiziellen Daten zur Religionszugehörigkeit führt,
denn diese Daten unterscheiden sich oft von den Angaben der Glaubensgemeinschaften.
In der 1945 verabschiedete indonesische Verfassung wurde jedoch
ein natürlicher Wesenszug der Einwohner Indonesiens berücksichtigt:
Indonesier sind sehr religiös und der Glaube ist ein wichtiger
Bestandteil des persönlichen, familiären und gesellschaftlichen
Lebens. Deshalb wird Indonesien in der Verfassung auch als ein
Staat definiert, der auf dem Glauben an Gott gründet und
die Religionsfreiheit gewährt. Dieser Definition liegt eine
besondere Staatsphilosophie, die Pancasila, d.h. die "Philosophie
der fünf Prinzipien" zugrunde: der Glaube an einen einzigen
Gott, gerechte und zivile Menschlichkeit, Einheit des Landes,
eine auf Weisheit gründende Demokratie und soziale Gerechtigkeit.
Seit 1965 muss im Personalausweis indonesischer Staatsbürge
die Konfessionszugehörigkeit eingetragen sein: ein erklärte
Atheist hat keinen Anspruch auf indonesische Staatsbürgerschaft.
Die Mehrheit der Einwohner des Landes bekennen sich zum Islam,
doch wie der italienische PIME Missionar, Pater Piero Gheddo bei
seiner Rückkehr aus Indonesien in einem Gespräch mit
dem Fidesdienst betonte, könnte der Anteil, der offiziell
mit 87% angegeben wird, in Wirklichkeit auch nur 55% betragen
(da viele bei Erreichen der Volljährigkeit angeben, Muslime
zu sein, wenn es darum geht die Religionszugehörigkeit auf
offiziellen Dokumenten eintragen zu lassen). Der indonesische
Islam zeichnet sich unter spirituellen und sozialen Gesichtspunkten
durch besondere Toleranz aus und ist im Allgemeinen gemäßigt,
so dass stets ein friedliches Zusammenleben mit den Minderheiten
möglich war.
Aus diesem Grund war man über die fundamentalistischen Protestkundgebungen
der Jahre 2001 und 2002 nach den Bombenangriffen auf Afghanistan
überrascht. Doch neben kleinen fundamentalistischen Gruppierungen
- die nach Ansicht von Beobachtern zu politischen Zwecken instrumentalisiert
werden - gibt es zwei große gemäßigte muslimische
Verbände: Nahdlatul Ulama (NU) und Muihamadiya (denen insgesamt
70 Millionen Mitglieder angehören), die stets zur Bewahrung
der Ruhe aufrufen und fruchtbare Beziehungen der Zusammenarbeit
mit den führenden Vertretern anderer Religionen aufgebaut
haben. Aus dieser Zusammenarbeit entstand auch das National Moral
Movement, eine Forum der Religionsführer, das sich für
eine gemeinsame Ethik im Land engagiert und Zeichen der Harmonie
zwischen den Gläubigen verschiedener Religionen setzen. Außerdem
soll die Rolle der Religionsvertreter, bei der Förderung
von Frieden und Versöhnung besonders hervorgehoben werden.
Ende Februar war eine Delegation des Forums unter Leitung des
Erzbischofs von Jakarta, Kardinal Julius Darmaatmadja, von Papst
Johannes Paul II. im Vatikan empfangen worden. Bei dieser Gelegenheit
wurde dem Papst eine Botschaft überreicht, in der Bemühen
um Toleranz und Frieden auf der ganzen Welt zum Ausdruck gebracht
wurde. (PA) (Fidesdienst 20/3/2003 - Zeilen, Worte)
ASIEN/INDONESIEN - DATEN ZUR KATHOLISCHEN KIRCHE AUS DEM STATISTISCHEN
JAHRBUCH DER KIRCHE
Vatikanstadt (Fidesdienst) - Ausdehnung: 1.904.569 qkm; Einwohner:
210,490 Millionen; Katholiken: 6,284 Millionen; Diözesen:
35; Pastoralzentren: 7.983 (davon 1.044 Pfarreien, 24 Missionsstationen
mit Priester, 6.827 Missionsstationen ohne Priester; 88 andere);
Bischöfe: 41; Diözesanpriester 1.114; Ordenspriester:
1.769; Schwestern: 6.889.
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