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VATIKAN/SELIGSPRECHUNGEN VOM 23. MÄRZ - MARIA CHARITAS BRADER (1860-1943): VON DER KLAUSUR ZUR MISSION UNTER DEN INDIOS IN LATEINAMERIKA

Vatikanstadt (Fidesdienst) - Charitas Brader, Tochter des Ehepaares Sebastian Brader und Maria Karolina Zahner, erblickte das Licht der Welt am 14. August 1860 in Kaltbrunn, Sankt Gallen, Schweiz. Am folgenden Tag wurde sie auf den Namen Maria Josefa Karolina getauft.
Sie war mit einer außerordentlichen Begabung gesegnet. Unter der Obhut ihrer frommen Mutter wuchs im Herzen der kleinen Karolina eine tiefe Liebe zu Jesus und eine zärtliche Andacht zur Mutter Gottes heran.
Die Mutter bemühte sich, ihrer talentierten Tochter eine ausgezeichnete Ausbildung zu geben. In Kaltbrunn besuchte die aufgeweckte Karolina die Primarschule, die Sekundärschule im Institut Maria Hilf, Altstätten, geführt von Schwestern des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus. Weitere Studien absolvierte sie bei den Benediktinerinnen in Sarnen und in der französisch-sprachigen Schweiz, im Internat der Schwestern von der Heimsuchung in Fribourg.
Als sich ihr die Welt mit ihren Verlockungen auftat, vernahm sie in ihrem Herzen den Ruf Christi, und sie entschied sich für das geweihte Leben. Diese Wahl stiess, wie zu erwarten war, anfänglich auf Widerstand von Seiten der Mutter, die Witwe und deren einzige Tochter Karolina war.
Am 1. Oktober 1880 trat Karolina in Altstätten ins geschlossene Franziskanerinnen-Kloster Maria Hilf ein. Die Schwestern führten dort ein Institut, als notwendigen Beitrag für die Kirche in der Schweiz.
Am 1. März 1881 erhielt sie bei der Einkleidung den Namen Maria Charitas von der Liebe des Heiligen Geistes. Am 22. August des folgenden Jahres legte sie die Ewigen Gelübde ab. Dank ihrer pädagogischen Fähigkeiten wurde sie im klostereigenen Institut als geschätzte Erzieherin eingesetzt, nachdem sie das staatliche Lehrerinnendiplom erlangt hatte.
Als die Kirche den beschaulichen Ordensfrauen erlaubte, die Klausur zu verlassen, um sich für die Verbreitung des Reiches Gottes einzusetzen, begannen die Bischöfe Ende des XIX. Jahrhunderts, sich an die geschlossenen Klöster zu wenden, um für Schwestern zu werben, die bereit waren, in den Missionen zu wirken.
Monsignore Peter Schumacher, eifriger Missionar vom Hl. Vinzenz von Paul und Bischof von Portoviejo in Ecuador, bat in einem Schreiben an das Kloster Maria Hilf in Altstätten um freiwillige Schwestern für die Missionsarbeit in seiner Diözese. Die Schwestern reagierten freudig auf diese Einladung. Eine der begeistertsten für das Leben in den Missionen war Schwester Charitas Brader.
Am 19. Juni 1888 traten Schwester Charitas und ihre Begleiterinnen ihre Reise nach Chone, Ecuador, an. Nach harter Arbeit und unermüdlichen Religionsunterrichtstunden wurde Schwester Charitas 1893 ausgewählt, in Tüquerres, Kolumbien, eine Niederlassung zu gründen. Dort entfaltete sie ihren brennenden Missionsgeist. Sie liebte die Eingeborenen und scheute keine Mühe, um zu ihnen zu gelangen. Sie trotzte den gefährlichen Stürmen des Ozeans, den Tücken des Urwalds und der extremen Kälte der Andenbergwelt. Ihr Eifer kannte keine Ruhepause. Am meisten war sie um die Ärmsten besorgt, um die Ausgegrenzten der Gesellschaft, um diejenigen, die das Evangelium noch nicht kannten.
Angesichts der dringenden Notwendigkeit, mehr Missionarinnen zu bekommen für das weitläufige Apostolat, und ermuntert durch den deutschen Priester Reinald Herbrand, gründete sie 1894 die Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Maria Immaculata. Die Kongregation setzte sich in ihren Anfängen aus Schwestern aus der Schweiz, Deutschland und Österreich zusammen, die sich den Idealen von Mutter Charitas anschlossen. Ihnen folgten bald einheimische Berufe aus allen Teilen Kolumbiens, die sich in die Reihen der jungen Kongregation eingliederten, welche sich rasch in verschiedenen Ländern ausbreitete.
Mutter Charitas verstand vortrefflich, ihre apostolische Tätigkeit mit der Kontemplation zu vereinbaren. Sie spornte ihre geistlichen Töchter zu einer effizienten pädagogischen Ausbildung an, jedoch "ohne den Geist des Gebetes und der Andacht auszulöschen." Sie orientierte ihr Apostolat in erster Linie auf die Erziehungsarbeit hin, besonders in armen und abgelegenen Regionen. Die Gründungen vermehrten sich, wo immer eine Notwendigkeit herrschte. Wenn es galt, eine Notlage zu beheben oder den Samen der Guten Nachricht auszustreuen, gab es für sie weder Grenzen noch Hindernisse. Im Jahre 1933 erlebte sie die Freude der päpstlichen Approbation ihrer Kongregation. Am 27. Februar 1943, als niemand ahnte, dass ihr letzter Tag angebrochen war, sagte sie zur Krankenschwester: "Jesus... Ich sterbe". Es waren die letzten Worte, mit denen sie ihre Seele dem Schöpfer zurückgab. Kaum hatte sich die Nachricht ihres Todes verbreitet, begann eine endlose Prozession von Gläubigen an ihren Sarg zu pilgern, die um eine Reliquie baten und sich ihrer Fürbitte anvertrauten. An den Begräbnisfeierlichkeiten in der Kathedrale von Pasto beteiligten sich Bischöfe, Priester und eine enorme Menge von Gläubigen, die sagten: "Es ist eine Heilige gestorben".
Mutter Charitas pflegte die Armut nach dem Vorbild des heiligen Franziskus und übte die Selbstlosigkeit ihr ganzes Leben lang. Als Missionarin in Chone hatte sie die Genugtuung, im wahren Sinne des Wortes arm zu sein, gemeinsam mit den Menschen, für die sie gekommen war, um sie zu unterrichten und zu evangelisieren. Unter den evangelischen Werten, die sie als Gründerin in der Kongregation pflegen wollte, besaß die Armut einen bevorzugten Platz. (Quelle: Ufficio Liturgico della Santa Sede, Vatikan) (SL) (Fidesdienst 21/3/2003 - 70 Zeilen, 810 Worte)

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