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Vatikanstadt (Fidesdienst) - Charitas Brader, Tochter des Ehepaares
Sebastian Brader und Maria Karolina Zahner, erblickte das Licht
der Welt am 14. August 1860 in Kaltbrunn, Sankt Gallen, Schweiz.
Am folgenden Tag wurde sie auf den Namen Maria Josefa Karolina
getauft.
Sie war mit einer außerordentlichen Begabung gesegnet. Unter
der Obhut ihrer frommen Mutter wuchs im Herzen der kleinen Karolina
eine tiefe Liebe zu Jesus und eine zärtliche Andacht zur
Mutter Gottes heran.
Die Mutter bemühte sich, ihrer talentierten Tochter eine
ausgezeichnete Ausbildung zu geben. In Kaltbrunn besuchte die
aufgeweckte Karolina die Primarschule, die Sekundärschule
im Institut Maria Hilf, Altstätten, geführt von Schwestern
des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus. Weitere Studien absolvierte
sie bei den Benediktinerinnen in Sarnen und in der französisch-sprachigen
Schweiz, im Internat der Schwestern von der Heimsuchung in Fribourg.
Als sich ihr die Welt mit ihren Verlockungen auftat, vernahm sie
in ihrem Herzen den Ruf Christi, und sie entschied sich für
das geweihte Leben. Diese Wahl stiess, wie zu erwarten war, anfänglich
auf Widerstand von Seiten der Mutter, die Witwe und deren einzige
Tochter Karolina war.
Am 1. Oktober 1880 trat Karolina in Altstätten ins geschlossene
Franziskanerinnen-Kloster Maria Hilf ein. Die Schwestern führten
dort ein Institut, als notwendigen Beitrag für die Kirche
in der Schweiz.
Am 1. März 1881 erhielt sie bei der Einkleidung den Namen
Maria Charitas von der Liebe des Heiligen Geistes. Am 22. August
des folgenden Jahres legte sie die Ewigen Gelübde ab. Dank
ihrer pädagogischen Fähigkeiten wurde sie im klostereigenen
Institut als geschätzte Erzieherin eingesetzt, nachdem sie
das staatliche Lehrerinnendiplom erlangt hatte.
Als die Kirche den beschaulichen Ordensfrauen erlaubte, die Klausur
zu verlassen, um sich für die Verbreitung des Reiches Gottes
einzusetzen, begannen die Bischöfe Ende des XIX. Jahrhunderts,
sich an die geschlossenen Klöster zu wenden, um für
Schwestern zu werben, die bereit waren, in den Missionen zu wirken.
Monsignore Peter Schumacher, eifriger Missionar vom Hl. Vinzenz
von Paul und Bischof von Portoviejo in Ecuador, bat in einem Schreiben
an das Kloster Maria Hilf in Altstätten um freiwillige Schwestern
für die Missionsarbeit in seiner Diözese. Die Schwestern
reagierten freudig auf diese Einladung. Eine der begeistertsten
für das Leben in den Missionen war Schwester Charitas Brader.
Am 19. Juni 1888 traten Schwester Charitas und ihre Begleiterinnen
ihre Reise nach Chone, Ecuador, an. Nach harter Arbeit und unermüdlichen
Religionsunterrichtstunden wurde Schwester Charitas 1893 ausgewählt,
in Tüquerres, Kolumbien, eine Niederlassung zu gründen.
Dort entfaltete sie ihren brennenden Missionsgeist. Sie liebte
die Eingeborenen und scheute keine Mühe, um zu ihnen zu gelangen.
Sie trotzte den gefährlichen Stürmen des Ozeans, den
Tücken des Urwalds und der extremen Kälte der Andenbergwelt.
Ihr Eifer kannte keine Ruhepause. Am meisten war sie um die Ärmsten
besorgt, um die Ausgegrenzten der Gesellschaft, um diejenigen,
die das Evangelium noch nicht kannten.
Angesichts der dringenden Notwendigkeit, mehr Missionarinnen zu
bekommen für das weitläufige Apostolat, und ermuntert
durch den deutschen Priester Reinald Herbrand, gründete sie
1894 die Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Maria Immaculata.
Die Kongregation setzte sich in ihren Anfängen aus Schwestern
aus der Schweiz, Deutschland und Österreich zusammen, die
sich den Idealen von Mutter Charitas anschlossen. Ihnen folgten
bald einheimische Berufe aus allen Teilen Kolumbiens, die sich
in die Reihen der jungen Kongregation eingliederten, welche sich
rasch in verschiedenen Ländern ausbreitete.
Mutter Charitas verstand vortrefflich, ihre apostolische Tätigkeit
mit der Kontemplation zu vereinbaren. Sie spornte ihre geistlichen
Töchter zu einer effizienten pädagogischen Ausbildung
an, jedoch "ohne den Geist des Gebetes und der Andacht auszulöschen."
Sie orientierte ihr Apostolat in erster Linie auf die Erziehungsarbeit
hin, besonders in armen und abgelegenen Regionen. Die Gründungen
vermehrten sich, wo immer eine Notwendigkeit herrschte. Wenn es
galt, eine Notlage zu beheben oder den Samen der Guten Nachricht
auszustreuen, gab es für sie weder Grenzen noch Hindernisse.
Im Jahre 1933 erlebte sie die Freude der päpstlichen Approbation
ihrer Kongregation. Am 27. Februar 1943, als niemand ahnte, dass
ihr letzter Tag angebrochen war, sagte sie zur Krankenschwester:
"Jesus... Ich sterbe". Es waren die letzten Worte, mit
denen sie ihre Seele dem Schöpfer zurückgab. Kaum hatte
sich die Nachricht ihres Todes verbreitet, begann eine endlose
Prozession von Gläubigen an ihren Sarg zu pilgern, die um
eine Reliquie baten und sich ihrer Fürbitte anvertrauten.
An den Begräbnisfeierlichkeiten in der Kathedrale von Pasto
beteiligten sich Bischöfe, Priester und eine enorme Menge
von Gläubigen, die sagten: "Es ist eine Heilige gestorben".
Mutter Charitas pflegte die Armut nach dem Vorbild des heiligen
Franziskus und übte die Selbstlosigkeit ihr ganzes Leben
lang. Als Missionarin in Chone hatte sie die Genugtuung, im wahren
Sinne des Wortes arm zu sein, gemeinsam mit den Menschen, für
die sie gekommen war, um sie zu unterrichten und zu evangelisieren.
Unter den evangelischen Werten, die sie als Gründerin in
der Kongregation pflegen wollte, besaß die Armut einen bevorzugten
Platz. (Quelle: Ufficio Liturgico della Santa Sede, Vatikan) (SL)
(Fidesdienst 21/3/2003 - 70 Zeilen, 810 Worte)
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