|
"Kehrt um , und glaubt an das Evangelium" (Mk 1,15),
diese Aufforderung Christi begleitet uns durch die ganze Fastenzeit.
Wenn wir sie mit der Einfachheit und Spröde der Wüste
hören, wo sie zum ersten Mal ausgesprochen wurde, dann können
wir tief in uns selbst eindringen. So gelangen wir zur waren "Reue".
Der biblische Begriff der "Reue" oder "Kontrition"
bedeutet im eigentlichen Sinn das Zertreten oder Zu-Staub-Machen:
das "Herz von Stein" (Ez 11,19) zerbricht wenn es seine
Fehler erkennt und sich den rechten Regeln Gottes hingibt, jener
Gott, der uns mit seiner strafenden und gleichsam barmherzigen
Liebe begleitet.
Aus diesem zerbrochenen Herzen steigt das zärtliche und wahre
Gebet auf, das Gott selbst in seinem Inneren berührt.
Die Reue ist nicht allen zugänglich; sie ist nicht einmal
den größten Heiligen zugänglich, denn es ist stets
Gott, der das erste und das letzte Wort hat, Gott schaut auf unser
Herz und erst wenn es erniedrigt, zur Umkehr breit und geschmeidig
geworden ist, setzt Gott es mit seiner Gnade wieder vollkommen
zusammen.
Dem verlorenen Sohn gibt er das Gewand, den Ring und die liebevolle
Umarmung zurück (Lk 15, 20-22). Er, der weiß "was
im Menschen ist" (Joh 2,25), behandelt jeden aufgrund höchster
Erkenntnis. Als Petrus ihn verleugnet, blickt Jesus ihn nur an,
ohne ein Wort zu sagen, und dies reicht aus, um ihn in Tränen
ausbrechen zu lassen. Zur Sünderin, die seine Füsse
mit Tränen nässt, sagt er "Deine Sünden sind
dir vergeben". Zur Ehebrecherin sagt er nur "versündige
dich nicht mehr".
Doch Reue bedeutet nicht nur Weinen. Zweifelsohne sind Tränen
nicht übertrieben, wenn man bedenkt, welch verheerende Auswirkungen
die Sünde haben kann, und viele Heilige haben sich die Gabe
der Tränen gewünscht, diese "Blut der erkennenden
Seele", wie der heilige Augustinus sie nennt.
Im wesentlichen handelt es sich um einen Akt der Wahrheit und
der Gerechtigkeit gegenüber Gott. Der Reumütige bedauert
nicht nur, dass er Gott beleidigt hat, sondern er will alles tun,
um dies verantwortungsbewusst wieder gut zu machen: "Ich
habe gesündigt". Dies heißt gewiss nicht, dass
die Vergangenheit ausgelöscht werden soll - "Wer kann
mir die Tänze nehmen, die ich bereits getanzt habe?",
lautet ein spanisches Sprichwort -, doch es soll mit entschiedenem
Vorsatz und nach eingehendem Nachdenken, vermieden werden, dass
so etwas noch einmal geschieht.
Es gibt keine Jahreszeit für die Umkehr, wie der Frühling
der auf die wunderbare Zeit des Sommers vorbereitet. Sein ganzes
Leben lang soll der Christ, auch wenn er Vergebung erfahren hat,
Gott sein "zerbrochenes und reumütiges" Herz anbieten.
Roger Kard. Etchegaray
(Fidesdienst 1/3/2003 Zeilen, Worte)
|