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FASTENZEIT, ZEIT DER EHRLICHKEIT - Von Pater Giuseppe Scattolin, Comboni Missionar in Ägypten

Fastenzeit! Dies ist nicht nur eine wichtige Zeit in unserem liturgischen Jahr, sondern auch in unserem Leben. Die Liturgie sollte Ausdruck und Sauerteig unseres Lebens sein.
Die Versuchungen, denen Christus gegenübersteht, sind der Ausgangspunkt für diese Zeit, weshalb uns diese Worte leiten sollten. Versuchungen! Unser ganzes Leben ist eine Versuchung, eine Prüfung, ein Weg durch die Wüste; am Ende erfahren wir, dass Gott allein uns leitet und stützt, während alle anderen Idole zunichte werden. Während der Fastenzeit sollen wir dies auf konkrete Weise in unserem Leben erfahren. Schöne Worte und gute Absichten reichen nicht aus. Das Fasten ist eine sehr physische Art und Weise so etwas wie Hunger zu erfahren, unsere Grenzen, die Unfähigkeit Dinge und Personen zu akzeptieren, die uns widersprechen, erniedrigen, usw. Erst als es seine Schuhe in der Wüste abgelaufen hatte, wusste das Volk Israel, was es wirklich im Herzen hatte! Die christliche Askese ist sehr konkret und materiell … das menschliche Wesen ist nicht ohne Leib, es ist vielmehr sehr leiblich. Die (vom Heiligen Geist geleitete) Kirche weiß bestens, dass die Voraussetzung für den Wandel des Geistes auch ein Wandel unseres physischen und materiellen Lebens notwendig ist. Wir müssen deshalb konkrete Buße leisten.
Jesus steht den Versuchungen nicht aus dem Himmel gegenüber; er nimmt unseren schwachen Körper an. Er hat Hunger und Durst, er ist müde und wütend, er weint … Wir dürfen die Menschlichkeit Christi nicht auf ein Gespenst reduzieren, das sich von nichts berühren lässt. Jesus wird dreimal in Versuchung geführt und verzichtet auf die drei großen Garantien, nach denen wir in unserem Leben immer streben: materielle Sicherheit, Anerkennung durch die anderen und Macht über die anderen.
Wir leben in einer Zeit, in der ein Großteil des menschlichen Bemühens auf das Streben nach diesen Dingen verwendet wird: Sicherheit, Anerkennung, Macht. Auch innerhalb der Kirche fehlt es nicht an Versuchungen dieser Art: Streben nach Macht und einflussreichen Positionen, … Es reicht nicht, dass wir die Asche auf dem Haupt empfangen, wir müssen uns zur Ehrlichkeit bekehren!
Fastenzeit! Zeit der Ehrlichkeit! Dies ist die erste Art des Fastens: wir müssen die Lügen aus unserem Leben entfernen, nackt und machtlos zusammen mit Christus in der Wüste stehen, den Versuchungen widerstehen, indem wir an seinem Wort festhalten.
Schließlich werden wir erfahren, dass wir gerade, wenn wir alles hinter uns lassen und von allem verlassen sind, erkennen, dass Gott der Vater ist, dass seine Liebe bei uns ist und uns umhüllt … auch nackt und machtlos unter der Last des Kreuzes .. dann werden wir auch die Auferstehung erfahren können. P. Giuseppe Scattolin (Fidesdienst 11/3/2003 - 35 Zeilen, 436 Worte)

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