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Fastenzeit! Dies ist nicht nur eine wichtige Zeit in unserem
liturgischen Jahr, sondern auch in unserem Leben. Die Liturgie
sollte Ausdruck und Sauerteig unseres Lebens sein.
Die Versuchungen, denen Christus gegenübersteht, sind der
Ausgangspunkt für diese Zeit, weshalb uns diese Worte leiten
sollten. Versuchungen! Unser ganzes Leben ist eine Versuchung,
eine Prüfung, ein Weg durch die Wüste; am Ende erfahren
wir, dass Gott allein uns leitet und stützt, während
alle anderen Idole zunichte werden. Während der Fastenzeit
sollen wir dies auf konkrete Weise in unserem Leben erfahren.
Schöne Worte und gute Absichten reichen nicht aus. Das Fasten
ist eine sehr physische Art und Weise so etwas wie Hunger zu erfahren,
unsere Grenzen, die Unfähigkeit Dinge und Personen zu akzeptieren,
die uns widersprechen, erniedrigen, usw. Erst als es seine Schuhe
in der Wüste abgelaufen hatte, wusste das Volk Israel, was
es wirklich im Herzen hatte! Die christliche Askese ist sehr konkret
und materiell
das menschliche Wesen ist nicht ohne Leib,
es ist vielmehr sehr leiblich. Die (vom Heiligen Geist geleitete)
Kirche weiß bestens, dass die Voraussetzung für den
Wandel des Geistes auch ein Wandel unseres physischen und materiellen
Lebens notwendig ist. Wir müssen deshalb konkrete Buße
leisten.
Jesus steht den Versuchungen nicht aus dem Himmel gegenüber;
er nimmt unseren schwachen Körper an. Er hat Hunger und Durst,
er ist müde und wütend, er weint
Wir dürfen
die Menschlichkeit Christi nicht auf ein Gespenst reduzieren,
das sich von nichts berühren lässt. Jesus wird dreimal
in Versuchung geführt und verzichtet auf die drei großen
Garantien, nach denen wir in unserem Leben immer streben: materielle
Sicherheit, Anerkennung durch die anderen und Macht über
die anderen.
Wir leben in einer Zeit, in der ein Großteil des menschlichen
Bemühens auf das Streben nach diesen Dingen verwendet wird:
Sicherheit, Anerkennung, Macht. Auch innerhalb der Kirche fehlt
es nicht an Versuchungen dieser Art: Streben nach Macht und einflussreichen
Positionen,
Es reicht nicht, dass wir die Asche auf dem
Haupt empfangen, wir müssen uns zur Ehrlichkeit bekehren!
Fastenzeit! Zeit der Ehrlichkeit! Dies ist die erste Art des Fastens:
wir müssen die Lügen aus unserem Leben entfernen, nackt
und machtlos zusammen mit Christus in der Wüste stehen, den
Versuchungen widerstehen, indem wir an seinem Wort festhalten.
Schließlich werden wir erfahren, dass wir gerade, wenn wir
alles hinter uns lassen und von allem verlassen sind, erkennen,
dass Gott der Vater ist, dass seine Liebe bei uns ist und uns
umhüllt
auch nackt und machtlos unter der Last des
Kreuzes .. dann werden wir auch die Auferstehung erfahren können.
P. Giuseppe Scattolin (Fidesdienst 11/3/2003 - 35 Zeilen, 436
Worte)
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