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von Bruder Gianfrancesco Sisto Ofm, Missionar in Tansania und
Uganda
"Fasten: von Kopf bis Fuß". Mit diesen Worten
beschrieb der Präsident von Pax Christi, Bischof Antonio
Bello, den Weg der Fastenzeit, der am Aschermittwoch mit der Asche
auf dem Kopf beginnt und am Kardonnerstag mit der Fußwaschung
zu Ende geht.
Kopf und Füße, die äußersten Enden des menschlichen
Körpers, stellen auch die Veränderung der Denkweise
und das Abweichen von falschen Wegen dar, die oft unser Leben
auf der Suche nach dem Absoluten mit geringstem Aufwand darstellt.
Als Missionar in Tansania und Uganda erinnern mich Kopf, Füße,
Wege und Staub vor allem an die beliebteste und am meisten besuchten
Feiern des liturgischen Jahres in den Pfarren, die ich als Missionar
betreut habe, nämlich in der Pfarrei des hl. Franziskus (Tansania)
und in der Pfarrei Rushooka (Uganda): ich denke dabei an den Aschermittwoch
und den Karfreitag.
Beides Feiern des Gebets, die von eine starken Symbolik gekennzeichnet
sind, nämlich Asche und Kreuz, die der Spiritualität
der Menschen an diesen Orten besonders entsprechen. Zu diesen
beiden Feiern kommen in die übervollen Kirchen nicht nur
christliche Gläubige sondern auch Muslime.
In der Tat finden am Aschermittwoch in Tansania und Uganda, aber
meines Erachtens auch in den anderen Ländern südlich
der Sahara, interreligiöse Feiern statt: die Katholiken lassen
sich vom konkreten Wort zum Gebet, zum Fasten und zu Werken der
Nächstenliebe anregen und die Muslime inspirieren sich am
Zeichen der Asche.
Während wir zu den in der Kirche versammelten Christen sagen
"ongoka na uamini Injili (Bekehre dich zum Evangelium), wenden
wir uns an die vor der Kirche im ihren Kindern wartenden Muslimen
mit den Worten "ni vumbi na utarudi vumbi" ("Staub
bist du und zu Staub wirst zu werden").
Ja, der Staub! Aus diesem Element sind wir alle, Christen und
Muslime, entstanden, aus dem Staub dem Gott den Geist des Lebens
einhauchte. In der Gemeinschaft dieser Zerbrechlichkeit, die Afrika
täglich erfährt, beginnen die Christen die Fastenzeit
in Begleitung ihrer muslimischen Nachbarn.
Die Karfreitagsgottesdienste sind noch besser besucht: zusammen
mit den Katholiken kommen Gläubige anderer christlicher Konfessionen,
so dass daraus eine wahre ökumenische Feier wird. Das große
Symbol ist dabei das Kreuz, das so groß ist wie ein Mensch.
Es wird abwechselnd auf den Schultern von Männern und Frauen
entlang der Straßen der Pfarrei getragen, während alle
gemeinsam die Stationen des Leidens des Dieners Jahwes erleben.
Keine Feier bringt die Lebensbedingungen afrikanischer Männer
und Frauen, die das Kreuz von Armut, Aids, frühem Tod, Hunger
Krieg und Ungerechtigkeit in den eigenen Ländern aber auch
die Last ungerechter Entscheidungen reicher Länder tragen,
so gut zum Ausdruck.
Die Asche, die wir empfangen haben, soll uns an den Staub erinnern,
den die Armen schlucken. Die Füße, die wir in Schuhe
kleiden, sollen uns an die Füße erinnern, mit denen
die Armen, auf den Wegen der Welt gehen! Das Kreuz, das wir am
Hals tragen, soll uns an die viel größere Last erinnern,
die sie auf unserem Planeten am eigenen Leib erfahren. Bruder
Gianfrancesco Sisto, Ofm (Fidesdienst, 10/3/2003 - 41 Zeilen,
522 Worte)
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