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FASTENZEIT, MISSION IM ALLTAG - Von Msgr. Francesco Ceriotti, verantworlticher Direktor von "Popoli e Missione"

Im Mitteilungsblatt einer Pfarrgemeinde habe ich den Titel "Fastenzeit, Frühling des Lebens" gelesen. Dieser originelle und inhaltsreiche Titel hat mich besonders beeindruckt. Die Fastenzeit, die normalerweise als eine Zeit der Busse und des Verzichts erlebt wird, als Frühling zu betrachten war bisher (und ich glaube, das gilt heute noch) eher ungewöhnlich. Doch nach genauerem Hinsehen schien mir dieser Titel das eigentliche Wesen der Fastenzeit richtig zu erfassen, die mit der Feier jenes Ereignisses zu Ende geht, das die Vollendung des Göttlichen Heilsplans darstellt: der Sohn Gottes bringt durch sein Sterben und Auferstehen den Menschen neues Leben.
Auch der Frühling bringt neues Leben, eine neue Art des Seins, indem man das Alte hinter sich lässt, um für Neues offen zu sein. Dabei fragt man sich spontan, was ist das Alte und was das Neue.
Die Antwort darauf liegt für mich im Evangelium, wo es darum geht, sich selbst zu verleugnen oder zu vergessen, um Gott nachzufolgen. Auch dies bringt eine Umwälzung der bisherigen Lebensweise mit sich. Denn im Mittelpunkt steht nicht mehr das "Ich", die ausschließliche Sorge um das eigene Befinden, sondern der Sohn Gottes, der sich aus Liebe zum Menschen hingibt. Es gibt kein Sich-in sich-selbst-Zurückziehen mehr, sondern die Öffnung gegenüber den anderen die Solidarität der bedingungslosen Nächstenliebe.
Was wir hinter uns lassen sollten ist also die Egozentrik; das Neue liegt im Leben, das Jesus uns schenkt, das im Alltag die Liebe bedeutet, die uns zum Dienst am Nächsten antreibt, es bedeutet, dass wir "einander so gesinnt sind, wie dies dem Leben in Christus entspricht" (vgl. Phil 2,5). Auf dieses Weise wächst der Keim des Schönen und des Guten des neuen Lebens, der sich in unseren Herzen befindet, an der Freude, dies weiterzugeben.
Es handelt sich um einen radikalen Wandel, um den Übergang von der Kälte des Winters und der Isolierung zur freudigen frühlingshaften Öffnung gegenüber den anderen. Um einen Wandel der, vor allem durch das Erleben der Fastenzeit, Bestandteil jedes einzelnen Tages unseres irdischen Daseins sein sollte und der das alltägliche Handeln damit zu einer ständigen Mission macht. Lebt man diese Dimension, so erlebt man einen ständigen Frühling oder die ständige Neuheit des Göttlichen, das Jesus durch sein Sterben und Auferstehen uns geschenkt hat. Dabei sollten wir uns vor Augen halten, dass wir dieses Geschenk nicht erhalten haben, damit wir es "wie einen Schatz hüten", sondern damit wir es an alle Menschen weitergeben. Msgr. Francesco Ceriotti
(Fidesdienst, 6/3/2003 - 31 Zeilen, 411 Worte, Quelle: Popoli e Missione)

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