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Im Mitteilungsblatt einer Pfarrgemeinde habe ich den Titel "Fastenzeit,
Frühling des Lebens" gelesen. Dieser originelle und
inhaltsreiche Titel hat mich besonders beeindruckt. Die Fastenzeit,
die normalerweise als eine Zeit der Busse und des Verzichts erlebt
wird, als Frühling zu betrachten war bisher (und ich glaube,
das gilt heute noch) eher ungewöhnlich. Doch nach genauerem
Hinsehen schien mir dieser Titel das eigentliche Wesen der Fastenzeit
richtig zu erfassen, die mit der Feier jenes Ereignisses zu Ende
geht, das die Vollendung des Göttlichen Heilsplans darstellt:
der Sohn Gottes bringt durch sein Sterben und Auferstehen den
Menschen neues Leben.
Auch der Frühling bringt neues Leben, eine neue Art des Seins,
indem man das Alte hinter sich lässt, um für Neues offen
zu sein. Dabei fragt man sich spontan, was ist das Alte und was
das Neue.
Die Antwort darauf liegt für mich im Evangelium, wo es darum
geht, sich selbst zu verleugnen oder zu vergessen, um Gott nachzufolgen.
Auch dies bringt eine Umwälzung der bisherigen Lebensweise
mit sich. Denn im Mittelpunkt steht nicht mehr das "Ich",
die ausschließliche Sorge um das eigene Befinden, sondern
der Sohn Gottes, der sich aus Liebe zum Menschen hingibt. Es gibt
kein Sich-in sich-selbst-Zurückziehen mehr, sondern die Öffnung
gegenüber den anderen die Solidarität der bedingungslosen
Nächstenliebe.
Was wir hinter uns lassen sollten ist also die Egozentrik; das
Neue liegt im Leben, das Jesus uns schenkt, das im Alltag die
Liebe bedeutet, die uns zum Dienst am Nächsten antreibt,
es bedeutet, dass wir "einander so gesinnt sind, wie dies
dem Leben in Christus entspricht" (vgl. Phil 2,5). Auf dieses
Weise wächst der Keim des Schönen und des Guten des
neuen Lebens, der sich in unseren Herzen befindet, an der Freude,
dies weiterzugeben.
Es handelt sich um einen radikalen Wandel, um den Übergang
von der Kälte des Winters und der Isolierung zur freudigen
frühlingshaften Öffnung gegenüber den anderen.
Um einen Wandel der, vor allem durch das Erleben der Fastenzeit,
Bestandteil jedes einzelnen Tages unseres irdischen Daseins sein
sollte und der das alltägliche Handeln damit zu einer ständigen
Mission macht. Lebt man diese Dimension, so erlebt man einen ständigen
Frühling oder die ständige Neuheit des Göttlichen,
das Jesus durch sein Sterben und Auferstehen uns geschenkt hat.
Dabei sollten wir uns vor Augen halten, dass wir dieses Geschenk
nicht erhalten haben, damit wir es "wie einen Schatz hüten",
sondern damit wir es an alle Menschen weitergeben. Msgr. Francesco
Ceriotti
(Fidesdienst, 6/3/2003 - 31 Zeilen, 411 Worte, Quelle: Popoli
e Missione)
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