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Lissabon (Fidesdienst) - "Wir versuchen die Voraussetzungen
für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Europa
und Afrika auf den Grundlagen einer tätigen, reellen und
wirksamen Solidarität zu schaffen", so Erzbischof Laurent
Monsengwo Pasinya von Kisangani (D.R. Kongo) in einem Interview
mit dem Fidesdienst zum Treffen der katholischen Bischöfe
aus Afrika und Europa, die am 27. und 28. Februar in Lissabon
(Portugal) tagten. Das Internationale Kolloquium zum Thema "Afrika
und Europäische Union - Partner in der Solidarität:
Der Beitrag der Kirche" wurde von der Kommission der Bischofskonferenzen
der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) in Zusammenarbeit
mit dem Symposium der Bischofskonferenzen Afrikas und Madagaskars
(SECAM) und der Portugiesischen Bischofskonferenz veranstaltet.
Erzbischof Pasinya nahm an den Kongressarbeiten als Mitglied des
Präsidiums teil. Im Gespräch mit dem Fidesdienst erläutert
er die Hauptanliegen des Kolloquiums.
Fidesdienst: Welche Ziele verfolgt das Kolloquium?
Erzbischof Pasinya: Diese Konferenz sollte parallel zu einer Versammlung
der politischen Vertreter afrikanischer und europäischer
Länder stattfinden, die für April in Lissabon vorgesehen
war, jedoch verschoben werden musste. Unsere Hauptanliegen sind
geistlicher und kulturelle Natur, vor allem angesichts der Tatsache,
dass heute zunehmend ausschließlich in wirtschaftlichen
Größten gedacht wird. Wir sind fest davon überzeugt,
dass die Prozesse der Globalisierung nicht ausreichen, um den
Menschen eine bessere Zukunft zu sichern, denn es bedarf auch
- und ganz besonders würde ich sagen - des Dialogs und des
gegenseitigen Respekts für die verschiedenen Kulturen. Unter
diesen Gesichtspunkten hat die katholische Kirche viel zu sagen,
denn sie hat bei ihrer Evangelisierungstätigkeit stets die
verschiedenen Kulturen mit einbezogen ohne sie umzuwälzen,
im Gegenteil man war vielmehr bemüht diese zu erhalten. Das
größte Risiko, das die gegenwärtigen Tendenzen
der Integration mit sich bringen, besteht darin, das die verschiedenen
Kulturen Gefahr laufen, von der westlichen Kultur erdrückt
zu werden.
Fidesdienst: Wirtschaftliche Entwicklung ist jedoch vor allem
für einen Kontinent wie den afrikanischen wichtig, dem es
immer noch Mühe bereitet, die Unterentwicklung hinter sich
zu lassen. Wie stehen die Bischöfe zu diesem Argument?
Erzbischof Pasinya: Man darf gewiss die Probleme der Entwicklung
nicht vernachlässigen und aus unseren Arbeiten sind auch
diesbezüglich einige Vorschläge hervorgegangen. An erster
Stelle sollte der Weg weiter beschritten werden, der während
des Heiligen Jahres zur Streichung der Auslandsverschuldung eingeschlagen
wurde. An zweiter Stelle sollten die Ressourcen, die daraus entstehen
in eine effektive Entwicklung investiert werden, insbesondere
was das Gesundheits- und Bildungswesen anbelangt. Daraus folgt,
und somit gelangen wir zum dritten Punkt, dass die Bürger
zur Teilnahme am öffentlichen Leben angeregt werden und zwar
durch kritische Stellungnahme und Vorschläge sowie Mechanismen
der Kontrolle über die Tätigkeit der Regierenden. Europa
tut viel, damit es den afrikanischen Ländern gelingt, Organismen
der Teilnahme für die Bürger und Verbände ins Leben
zu rufen, die für eine moderne Demokratie unverzichtbar sind.
Wir haben auch die Papiere der Neuen Partnerschaft für die
Entwicklung Afrikas (NEPAD) analysiert, die im Oktober 2001 von
den Staats- und Regierungschefs von Südafrika, Nigeria, Senegal,
Algerien und Ägypten geschaffen wurde, und deren Ziel ein
"afrikanischer Weg" der Entwicklung ist. Zwei Wirtschaftsexperten
haben die positiven Aspekte erläutert aber auch auf eventuell
notwendige Korrekturen hingewiesen. Im Allgemeinen war die Beurteilung
positiv, obschon vor allem darauf geachtet werden sollte, dass
man sich nicht zu weit von den eigentlichen Zielsetzungen entfernt,
d.h. der Integration des afrikanischen Kontinents in die Prozesse
der Globalisierung ohne eine daraus folgende Umwälzung der
Kulturen sowie die Schaffung von Voraussetzungen für eine
reelle Entwicklung. Wir Bischöfe unterstützen deshalb
die NEPAD in dem Maß, in dem die Regierenden in Afrika sich
der Fehler der Vergangenheit bewusst sind und tatsächlich
den Weg der Entwicklung einschlagen. Die NEPAD liefert die Grundlagen
für die Schaffung eines einheitlichen afrikanischen Marktes,
dem 700 Millionen Menschen angehören. Dies ist der einzige
Weg, der uns davor bewahren kann, dass wir von stärkeren
Wirtschaftssystemen erdrückt werden.
Fidesdienst: Zu den größten Problemen Afrikas
gehört Aids. Nach letzten Hochrechnungen sind in den Ländern
südlich der Sahara 25,3 Millionen, d.h. 8,5% der Gesamtbevölkerung,
mit dem Aidsvirus infiziert. Bis zum Jahr 2010 wird diese Zahl
voraussichtlich auf 43 Millionen Infizierte ansteigen. Haben sich
die Versammlungsteilnehmer damit befasst?
Erzbischof Pasinya: Wir sind der Ansicht, dass das Aidsproblem
nicht auf sexuelle Aspekte beschränkt werden darf. Diese
Krankheit sollte auch durch den Respekt des religiösen Glaubens
der einzelnen Menschen bekämpft werden. Außerdem darf
man nicht vergessen, sich mit den Preisen der Medikamente zu befassen,
die Leben retten können. In diesem Zusammenhang bitten wir
um zugängliche Preise für Medikamente zur Bekämpfung
von Armut und Malaria, damit Millionen von Menschen wieder Hoffnung
auf Leben haben.
Fidesdienst: Die Perspektive eines möglichen Krieges
gegen den Irak bereitet der internationalen Staatengemeinschaft
Sorge. Wie stehen die afrikanischen und europäischen Bischöfe
dazu?
Erzbischof Pasinya: Wir haben an den Irak mit der Bitte um
Entwaffnung appelliert. Gleichsam appellieren wir an die internationale
Staatengemeinschaft mit der Bitte um die Nutzung von friedlichen
Mitteln zur Lösung von internationalen Konflikten. Der Krieg
würde nicht nur Opfer und Zerstörung mit sich bringen,
sondern auch wertvolle Ressourcen verschwenden, die für die
Entwicklung der armen Völker unseres Planeten genutzt werden
könnten.
(LM) (Fidesdienst, 3/3/2003 - 80 Zeilen, 828 Worte)
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