|
Ho Chi Minh City (Fidesdienst) - Blinde werden in Vietnam bald
das Evangelium in der Blindenschrift lesen können. Dies ist
dem Engagement des 45jährigen blinden Katholiken Antoine
Nguyen Quoc Phong zu verdanken, der selbst mehrere Jahre lang
verschiedene Teile der Bibel übersetzt hat. Antoine Nguyen
Quoc Phong erblindete nach einem Unfall im Jahr 1991. Mit Unterstützung
mehrerer Priester aus der Diözese Ho Chi Minh begann er mit
der Übersetzung der Evangelien und der Psalmen in die Blindenschrift,
die er schließlich im Jahr 2001 fertig stellen konnte.
Das Evangelium in der Blindenschrift umfasst insgesamt 700 Seiten.
Bisher wurden insgesamt 160 Exemplare gedruckt. Finanzielle Mittel
für den kostspieligen Druck (der Druck von jeweils 8 Exemplaren
kostet 1000 Euro) wurden unter anderem von der Internationalen
Bibelgesellschaft und einheimischen Wohltätern zur Verfügung
gestellt. Eine Gruppe von Informatikstudenten entwickelte ein
Computerprogramm zur Übertragung vom Vietnamesischen in die
Blindenschrift. Bei der Korrektur wurde Phong von den Bewohnern
des Blindenheims unterstützt, in dem auch er selbst wohnt.
Anna Tran Thu Thuy, die ebenfalls in einem Blindenheim in Ho Chi
Minh City wohnt, freut sich: "Ich bin froh, dass ich nun
das Evangelium lesen kann: bisher konnte ich es nur über
die Programme von Radio Veritas hören oder ich musste es
mir vorlesen lassen." Mit ihr freuen sich viele andere Blinde
in Vietnam, die die Evangelien nun selbst lesen können. "Er
hat eine wirklich wertvolle Arbeit geleistet", bekräftigte
eine Schwester aus der Kongregation der "Lovers of the Holy
Cross", die in ihren Schulen Blinde unterrichten, gegenüber
der asiatischen Nachrichtenagentur UCAN.
Die Blindenschrift wurde im 19. Jahrhundert von dem im Alter von
zwei Jahren erblindeten Franzosen Louis Braille erfunden und 1898
auch in Vietnam eingeführt. 1903 wurde die Blindenschrift
erstmals in einer vietnamesischen Blindenschule unterrichtet.
Die auch als Brailleschrift bekannte Blindenschrift ist ein aus
sechs Punkten bestehendes international gebräuchliches Punktschriftsystem.
(PA) (Fidesdienst 31/1/2003)
|