|
P .Gonzalo Miranda von der Päpstlichen Universität
"Regina Apostolrum" zum Tag für das Leben
Rom (Fidesdienst) - Pater Gonzalo Miranda ist Präsident des
Institutes für Bioethik an der Päpstlichen Universität
"Regina Apostolorum" in Rom und einer der bedeutendsten
Experten auf diesem Gebiet. Pater Miranda erläutert gegenüber
dem Fidesdienst den Sinn des bevorstehenden Tags für das
Leben:
"Bezugnehmend auf die gemeinsame Botschaft der italienischen
Bischöfe zum Tag für das Leben am 2. Februar zum Thema
"Mit dem Menschenleben dürfen keine Geschäfte gemacht
werden" möchte ich an erster Stelle hervorheben, dass
es nicht so sehr um das Leben als Phänomen geht, das geschützt
werden muss als viel mehr das menschliche Leben oder vielmehr
die Person. Denn es existiert kein Leben an sich, sondern es geht
dabei stets um ein lebendiges Wesen und hier geht es vor allem
um eine lebendige Person. Der Mensch als Person, als lebende Person,
als Person mit einer unveräußerlichen Würde, die
weder ausgebeutet noch als Handelsware betrachtet werden darf.
In ihrer Botschaft befassen sich die Bischöfe auch mit der
wachsenden Tendenz zur Nutzung von menschlichen Wesen oder von
Personen, wobei die Zielsetzung an sich nicht immer schlecht sein
muss, wie zum Beispiel die Erforschung von Stammzellen, die aus
Embryonen entnommen werden, zu therapeutischen Zwecken. Das Problem
liegt jedoch darin, dass die menschliche Person, als welche Embryonen
zu betrachten sind, bei denen es sich tatsächlich um menschliche
Wesen handelt, obschon sie sich noch im embryonalen Zustand befinden,
wie wir das alle einmal waren, zum Wohl anderer benutzt werden.
Meiner Ansicht nach liegt das Hauptproblem in der Tendenz dazu,
Missbrauch, Nutzung und Ausbeutung von menschlichen Wesen zugunsten
von anderen zu rechtfertigen. Grund für diese wachsende Tendenz
ist meines Erachtens unter anderem eine eingeschränkte Vision
von der menschlichen Person. Von vielen wird sie als Lebewesen
betrachtet, das sich zwar dem Status nach von anderen Lebewesen
unterscheidet, jedoch nur das letzte Glied der Evolutionskette
darstellt, d.h. es handelt sich um ein höheres Lebewesen
aber trotzdem nur um ein Lebewesen. Man glaubt nicht mehr an jene
geheimnisvolle Dimension, die der menschlichen Person innewohnt,
an den Geist, den der Menschen in sich trägt und der das
menschliche Wesen ausmacht, sondern man betrachtet den Menschen
nur als Materie, eben als Lebewesen. Die Säkularisierung
der heutigen Zeit hat auch diese negativen Früchte mit sich
gebracht, denn wie der Papst in seiner Enzyklika Evangelium Vitae
aus dem Jahr 1995 betont, bringt das Verleugnen Gottes auch eine
eingeschränkte Vision vom Menschen mit sich. Heute scheint
wieder das Gesetz zu gelten, nachdem der Stärkere gewinnt.
Dieses Gesetz könnte man heute vielleicht auch ganz einfach
als Marktgesetz bezeichnen
wer bereit ist mehr zu zahlen,
wer mehr zahlen kann, wird das bekommen, was er will, auch wenn
es zu Lasten anderer menschlicher Wesen geht. Dies ist das Hauptproblem:
man rechtfertigt die Nutzung anderer Lebewesen. Im letzten Studienjahr
wurde an der Fakultät für Bioethik der Päpstlichen
Universität "Regina Apostolorum, eine Vorlesungsreihe
zum Thema "Der Embryo als letzte Grenze der Menschenwürde"
veranstaltet. Dabei sollte besonders hervorgehoben werden, dass
die Menschheit auf verschiedenen Gebieten Fortschritte bei der
Anerkennung der Menschenwürde gemacht hat. Von der Abschaffung
des Sklaventums über das Stimmrecht für Frauen bis zur
Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung, usw. und nur
noch ein letzter Schritt fehlt, nämlich die Anerkennung der
Würde des ungeborenen Lebens. Dafür müssen wir
uns als Gesellschaft und als Kirche einsetzen." (AP) (31/1/2003)
|