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Afrika/D.R. Kongo - Bischof Sikuli Paluku von Butembo-Beni: "Kannibalismus ist eine grausame Tat, die in jedem Menschen Schrecken hervorruft"

Kinshasa (Fidesdienst) - "Hier im Kongo verurteilen alle jeden Akt des Kannibalismus", so Bischof Melchisedech Sikuli Paluku von Butembo Beni, der als erste auf Gewalt und Akte des Kannibalismus hingewiesen hatte, die von den Rebellen der Bewegung für die Befreiung des Kongo (MLC) unter Jean-Pierre Bemba gegen die Pygmäen durchgeführt worden waren. "Wir lehnen diese die von diesen Verbrechern verübten Gräueltaten entschieden ab. Wir sind entsetzt, denn Episoden dieser Art hatte es in der Geschichte unseres Landes nie gegeben, deshalb handelt es sich nicht um rituelle Bräuche. Am schlimmsten daran ist, dass diese Episoden die rassistische Denkweise untermauert, die Afrika und die Bewohner dieses Kontinents als primitive Wesen abstempelt. Ich möchte aber daran erinnern, dass das Böse sich in den Herzen aller Menschen einnistet: man braucht nur an das Holocaust oder die Gulags, an wissenschaftlich geplante Verbrechen denken, die ebenso grausam, niederträchtig und schrecklich sind; nur dass in diesem Fall grobe Mittel benutzt werden. Die Vereinten Nationen betreiben derzeit Ermittlungen und jeden Tag gibt es neue schreckliche Beweise: die Guerrillakämpfer der MLC haben Menschen gezwungen, ihre eigenen Angehörigen zu verzehren; eine Frau erklärte, sie habe ihren eigenen Mann essen müssen. Voraussichtlich wird der Bericht der Vereinten Nationen über bald vorliegen und ich hoffe, dass die Welt sich dessen bewusst wird, was hier geschieht, wo man jeden Tag neue Verbrechen entdeckt, wie zum Beispiel die Massengräber in der Nähe von Mambasa, das ebenfalls von den Guerillakämpfern unter Bemba angegriffen worden war."
"Der Kannibalismus gehört nicht zum Brauchtum des Kongo und dies muss ganz deutlich gesagt werden", so der seit langem im Kongo tätige Xaverianer-Missionar P. Silvio im Gespräch mit dem Fidesdienst. "Ich komme gerade aus dieser Gegend", so Pater Silvio, "und alle, mit denen ich dort gesprochen habe, stimmen überein, dass es sich dabei um unmenschliche Taten handelt. Ältere Menschen erinnern sich zwar an einen Stammesbrauch, der besagt, dass man indem man ein Stück der Leber des Feindes isst, über dessen Kräfte verfügt. Hier geht es jedoch darum, den Feind zu zerstören und ihn vom Erdboden verschwinden zu lassen. In den westlichen Ländern hält man Afrika oft für barbarisch. Ich möchte darauf hinweisen, dass in der Demokratischen Republik Kongo seit Jahren ein Bürgerkrieg herrscht, bei dem über 2 Millionen Menschen ums Leben gekommen sind. Die Akte des Kannibalismus müssen in einen Kontext eingeordnet werden, der den Menschen die Vernunft und jegliches Gefühl für Moral abhanden kommen lässt. Meiner Ansicht nach sollten solche Nachrichten zum Nachdenken über die Grausamkeit des Krieges anregen, der den Menschen dazu führt, solche Gräueltaten zu verüben."
"Akte des Kannibalismus, die gewiss von einigen Afrikanern verübt werden, müssen mit Nachdruck und ohne Einschränkung verurteilt werden", so Teresina Caffi von der Xaverianer Brüderschaft in Parma, die seit vielen Jahren an Hilfsprojekten für den Kongo mitarbeitet, "doch nur wenige sprechen über den Kannibalismus des Westens der den Krieg schürt, um die Reichtümer des Landes auszubeuten. Seit 2001 haben die Vereinten Nationen diese Situation in verschiedenen Berichten auf diese Situation hingewiesen und dabei auch Namen von Einzelpersonen und Unternehmen genannt, die für die Ausbeutung des Kongo verantwortlich sind. Doch die Mitgliedsländer des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen greifen nicht ein und verlangen detaillierte Informationen."
Doch der Krieg nimmt kein Ende und P. Silvio bestätigt: "Erst vor kurzem berichteten Augenzeugen von neuen Waffenlieferungen. Es bestehen immer noch zu große Interessen an der Fortsetzung dieses Krieges: oft fragt man sich, mit welchem Geld diese Waffen bezahlt werden". Und der Fidesdienst geht noch weiter und fragt sich: Wem bringt es Nutzen, wenn die Gemüter so sehr zur Verzweiflung gebracht werden, dass sie zu extremer Gewalt fähig sind? Wem bringt es Nutzen, wenn die Menschenwürde vernichtet wird, um dann die Ausgrenzung und die Ausbeutung ganzer Völker damit zu rechtfertigen? Würde man den Ursprüngen der afrikanischen Über so viel Aufmerksamkeit widmen, wie anderen internationalen Fragen, hätte es dann zu solchen Taten kommen können? (L.M.) (Fidesdienst 30/1/2003)

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