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Interview mit dem RIAL-Koordinator, P. Lucio Ruiz
Rom (Fidesdienst) - Vom 2. bis 5. April 2003 wird in Monterrey
(Mexiko) der erste Kontinentalkongress zum Thema Kirche und Informatik
stattfinden, der vom Päpstlichen Rat für die Sozialen
Kommunikationsmittel in Zusammenarbeit mit dem Rat der lateinamerikanischen
Bischöfe (CELAM), der Mexikanischen Bischofskonferenz und
der Erzdiözese Monterrey (Mexiko) veranstaltet wird. Fides
sprach mit dem Koordinator der Arbeitsgruppen des Informationsnetzes
der Lateinamerikanischen Kirche (RIAL).
"Für ein menschliches Netz der Antworten und der
Hilfe" lautet das Motto des ersten Kontinentalkongresses
zum Thema Kirche und Informatik: Welche Ziele verfolgt der Kongress?
Der Kongress möchte katholischen Organisationen, die
Informationstechnologie (IT) zur Evangelisierung und für
kulturelle Ziele nutzen, eine Möglichkeit zur Begegnung und
zur gemeinsamen Reflexion über die neuen Kommunikationsmittel
und den kulturellen Wandel, den sich mit sich bringen bieten.
Außerdem soll über Strategien nachgedacht werden, die
der Kirche bei der Verkündigung des Evangeliums in diesem
Umfeld anwenden kann, wobei vor allem die Entstehung einer "digitalen
Kultur" auf solidarischer Basis im Mittelpunkt stehen soll.
Bei dem Kongress werden entsprechend der Richtlinien des nachsynodalen
Schreibens Ecclesia in America alle amerikanischen Länder
Vertreten sein. Ganz konkret soll das gegenseitige Kennenlernen
zwischen Menschen und katholischen Organisationen stattfinden,
die sich der IT bei der Evangelisierungstätigkeit bedienen.
Es soll ein gemeinsamer Geist und eine eventuelle zukünftige
Zusammenarbeit entstehen; wir wollen den soziokulturellen Hintergrund,
vor dem die Ankunft der neuen Technologien auf dem amerikanischen
Kontinent stattfindet analysieren und damit potentielle Möglichkeiten
fördern; außerdem sollen die Auswirkungen der interaktiven
Medien erörtert werden, die als solches Phänomen erstmals
den ganzen Planeten umfassen; vor allem wollen wir jedoch auch
die Möglichkeiten der "digitalen Integration" in
Erwägung ziehen, womit der Abstand zwischen "Info-Reichen"
und "Info-Armen" verkürzt werden soll; nicht zuletzt
sollen auch die Auswirkungen der IT auf die Lebens- und Denkweise
in den verschiedenen Kulturkreisen des katholischen Amerika erörtert
werden; dabei sollen auch die neuen Formen der Religiosität
berücksichtigt werden, die im neuen kulturellen Umfeld der
Postmoderne entstehen; unser RIAL-Netzwerk soll als Modell einer
Begegnungsmöglichkeit vorgestellt werden, das die Ortskirchen
des Kontinents zugunsten der Bedürftigeren bereichert.
Wer wird an der Konferenz teilnehmen und an welche Zielgruppe
wendet sie sich?
Bei der Konferenz wird es zwar Redner geben, doch auch die anwesenden
oder auf andere Art mit uns verbundenen Kongressteilnehmer sind
sehr wichtig, denn mit ihren Beiträgen und mit der Teilnahme
an Diskussionsrunden werden sie Kriterien, Studiengrundlagen und
Ideen für die Zukunft liefern können. Zielgruppe sind
hingegen alle, die Evangelisierungstätigkeit über die
IT anbieten (dabei geht es nicht nur um das Internet sondern um
alle Informationsmittel im Allgemeinen) und die am Thema und am
Geist unseres Kongresses interessiert sind. ES handelt sich um
eine öffentliche Veranstaltung, doch wir wenden uns insbesondere
an Bischöfe, Priester, Pastoralarbeiter, Kommunikationswissenschaftler,
Dozenten und Studenten der Informatik, Philosophen, Theologen
und alle, die sich für den Prozess des kulturellen Wandels,
in dem wir uns befinden, interessieren.
Die Eröffnungsrede wird Dr. Derrik de Kerckhove zum Thema
"Interaktivität: eine neue weltweiter Realität
der Kommunikationsmittel" halten. Darauf folgen Vorträge
zum Thema "Globalisierung der Kommunikation" (Manuel
Castells), "Digitale Kultur: Ethik der Kommunikation"
(Eulalio Ferrer), "Evangelisierung im Zeitalter der Kommunikation"
(Kardinal Dario Castrillion Hoyos), "Neuer Sprachgebrauch
bei der digitalen Evangelisierung" (Paul Soukoup SJ) und
"Digitale Kultur für die großen Massen" (Rafael
Rangel) folgen.
Die neuen Technologien des digitalen Zeitalters stehen im
Mittelpunkt eines Prozesses, der verschiedene Sektoren betrifft.
Wie wird man hier humanitäre Werte fördern können?
Die Kommunikation steht im Mittelpunkt des Informationsnetzes
der Kirche in Lateinamerika (RIAL), von dem die Idee zu diesem
Kongress ausging. Wir möchten damit beweisen, dass IT in
kirchlichen Organisationen nur wenig nützlich sind, wenn
der Computer nicht dafür benutzt wird, die Menschen einander
näher zu bringen und eine Zusammenarbeit zum gemeinsamen
Dienst und mit dem Ziel der Kosteneinsparung zu fördern.
Einzelne Computer sind nur ausgezeichnete Schreibmaschinen, wenn
sie jedoch miteinander vernetzt werden, dann sind sie ein Instrument,
das miteinander verbindet und für alle Vorteile mit sich
bringt. Dafür bedarf es jedoch auch angemessener Kenntnisse.
Hierauf konzentriert sich unser Engagement.
Wie wird man die neuen Technologien in den ärmeren Regionen
des Kontinents einführen können?
Es gibt viele Organisationen, die sich bereits für die
so genannten "digitale Integration" einsetzen, wobei
es jedoch eines größeren Engagements seitens der Regierung
und anderer Institutionen bedürfte. Beim Kongress werden
wir die Initiative des Technologischen Instituts Monterry vorstellen,
das versuchen will, durch die neue Technologie den großen
Massen Bildung und Kultur zugänglich zu machen. Im kirchlichen
Kontext möchte ich das Motto des RIAL-Netzwerks anführen,
das lautet: "Bis zu den Letzten gelangen", womit wir
ausgegrenzte und Bedürftige meinen. Es reicht nicht aus,
wenn in kirchlichen Büros mehr oder wenig funktionierende
IT-Systeme stehen, wenn dabei nicht die konkreten Bedürfnisse
der Ortskirche als Ganzes berücksichtigt werden. Es nützt
nicht viel, wenn man diejenigen mit Computer und Dienstleistungen
versorgt, die bereits über Material, Bücher, Dokumentationen
und Kommunikationsmittel verfügen. Die Systeme sollten vor
allem diejenigen berücksichtigen, die über solche Mittel
noch nicht verfügen und ihnen die gesamte Kreativität
zur Verfügung stellen, wenn es darum geht, diesen Menschen
technologische Lösungen anzubieten, die den Zugang zu dieser
neuen Realität und ihren Dienstleistungen ermöglicht.
Dabei wirt vorausgesetzt, dass wenn einmal ein Computer zur Verfügung
steht, vor allem eine "Kultur der Nutzung" gefördert
werden muss, die umfangreiche Kenntnisse voraussetzt. Dieses Ziel
setzt sich das RIAL-Netzwerk bei ihrem Studium der Möglichkeiten,
die die neuen Technologien bieten. Dabei berücksichtigen
wir nicht nur die modernsten und fortschrittlichsten Mittel, sondern
auch jene, mit Hilfe derer es gelingt jede Art von Nutzer zu erreichen,
auch diejenigen, die über ein geringeres Maß an Infrastrukturen
und Mitteln verfügen. Eines unserer Hauptziele ist es die
Möglichkeit zum Empfang von E-mails zu vervielfältigen
und zwar dort, wo es weder Bibliotheken noch Arbeitsmaterial zur
Evangelisierung gibt und dabei denken wir nicht nur an Internetanschlüsse,
sondern auch ein einfachere Techniken, damit auch weniger Wohlhabende
Arbeitsmittel für die Seelsorge erhalten und Zugang zu denselben
Quellen erhalten, wie diese denjenigen zur Verfügung stehen,
die fortschrittlichere Technologien besitzen.
Kann die Informatik Ihrer Meinung nach zur menschlichen Entwicklung
beitragen?
Ein Informationsmittel an sich bedeutet allein weder Förderung
noch Behinderung der menschlichen Entwicklung, denn dies hängt
immer davon ab, wie man es benutzt. Im besonderen Fall der IT
kann ein wesentlicher Aspekt der Person gefördert werden:
nämlich der Aufbau von Netzwerken und damit der kollektive
Aufbau der Kultur. Nach Ansicht des kanadischen Wissenschaftlers
Derrik De Kerckhove, der als Redner an unserem Kongress teilnimmt
und ein Schüler Mac Luhans ist, entsteht gegenwärtig
ein neues Weltverständnis, nämlich eine "verbindende
Intelligenz", die Entfernungen überwindet. Wir hoffen
und dafür engagieren wir uns, dass die Technologie eine ihr
angemessene Rolle spielen wird, die dem Menschen entspricht und
gleichzeitig auch die Menschlichkeit selbst in allen Formen der
Bescheidenheit und der Solidarität zu stärken vermag.
Dabei denke ich vor allem auch an die Ursprünge kirchlicher
Projekte im Bereich der Informatik. Wo und wie entstehen sie?
An erster Stelle sollten wir vom Sendungsauftrag: "Geht zu
allen Völkern" ausgehen. Denn es gibt diesen ausdrücklichen
Auftrag des Herrn, zu allen Völkern bis an die äußersten
Grenzen der Erde zu gehen und die IT ist ein vorzügliches
Instrument, wenn man diesen Auftrag erfüllen will. Außerdem
fordert uns der Papst zur Neuevangelisierung auf: "Neuer
Eifer und neue Methoden", d.h. wenn wir in einer Kultur des
"digitalen Zeitalters" leben, dann können wir bei
der Evangelisierung nicht auf die IT verzichten. Dies ist die
Antwort auf Ihre Frage: Gott offenbart dem Menschen den Menschen,
Evangelisieren heißt auch den Menschen fördern.
Welche besonderen Aspekte der Lateinamerikanischen Kirche
sollen hervorgehoben werden?
Wir wollen vor allem die Gemeinschaft fördern und dabei bis
zu den Ausgegrenzten und Entfernten gelangen. Dies soll auch ein
weiterer Schritt der Inkulturation sein. Wenn alle zusammenarbeiten,
die für dasselbe Ziel arbeiten und denken und die den Herrn
verkünden und allen Menschen helfen wollen, dann können
nur mehr Gemeinschaft in der Kirche und neue Impulse für
die Mission entstehen. Diese Gelegenheit wollen wir nutzen, damit
wir durch das Kennenlernen und den Erfahrungsaustausch, die gemeinsame
Reflexion und das Erarbeiten von Projekten, in der Kirche neue
und fruchtbare Dienste entstehen können, damit die Menschen
Jesus kennen und lieben lernen und sein Evangelium "bis an
die Grenzen der Erde" gelangen möge. (AP) (Fidesdienst,
29/1/2003)
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