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Seoul (Fidesdienst) - Welche Position vertreten die südkoreanischen
Katholiken zu den zukunftsweisenden Fragen Koreas? Die Antworten
auf diese Fragen gewinnen zunehmend an Bedeutung, wenn man bedenkt,
dass die kleine katholische Glaubensgememeinschaft (7,4% der Gesamtbevölkerung)
unter sittlichen, gesellschaftlichen und politischen Aspekten
immer mehr Einfluss gewinnt.
Zur Wahl des neuen südkoreanischen Staatspräsidenten
Roh Moo-Hyun im vergangenen Dezember erklärt der Sekretär
der Koreanischen Bischofskonferenz, Bischof John Chang von Chunchon
im Gespräch mit dem Fidesdienst: "Unser Land und unser
Volk befinden sich in einer Zeit des wichtigen Wandels. Außerdem
wächst die politische Reife der Bürger und damit ihre
Beteiligung am politischen Leben. Bei den jüngsten Wahlen
haben der jetzige Präsident und sein Gegenkandidat beide
ungefähr dieselbe Anzahl von Stimmen auf sich vereinigt,
was bedeutet, dass die Anhängerschaft ungefähr gleich
verteilt ist, wie man sich dies von einer demokratischen Gesellschaft
erwartet. Als Bürger einer freien Gesellschaft vertreten
wahrscheinlich auch die Katholiken des Landes verschiedene Ansicht,
doch dies gilt nicht für die Hauptanliegen unserer Nation,
sondern vielmehr für die Art und Weise der Lösungsfindung.
Doch wenn der Präsident einmal gewählt ist, dann sollten
aller ihr Möglichstes tun um mit vereinten Kräften gemeinsame
Ziele zu erreichen. In diesem Sinn erwartet man sich nicht, dass
die Kirche als solche eine einheitliche Position bezieht, wenn
es nicht um Fragen des Glaubens oder der Moral geht. Von einem
neu gewählten Präsidenten erwartet man, dass er alle
Bürger des Landes vertritt."
Im Gespräch mit dem Fidesdienst äußerte sich der
Bischof von Chunchon außerdem über die Beziehungen
seines Landes zu Nordkorea und China. "Was die Beziehungen
zwischen den beiden Teilen Koreas anbelangt, so gibt es auf der
einen Seite politisch-militärische Aspekte und auf der anderen
Seite die unter der Bevölkerung herrschende Meinung. Seit
mehreren Jahren stehen die Katholiken dem Dialog mit Nordkorea
offen gegenüber obschon in Nordkorea die von der Regierung
anerkannte Offizielle Vereinigung der Katholiken der einzige Gesprächspartner
ist. Viele südkoreanische Diözesen und religiöse
Orden unterstützen humanitäre Hilfsprojekte in Nordkorea.
Diese Hilfen sind willkommen, denn sie haben keine politischen
Ziele: es handelt sich um Lebensmittelvorräte für die
Bevölkerung, Saatgut für die Bauern, Arbeitsmaterial
für Schulen und Krankenhäuser.", so Bischof Chang.
"Was uns Sorge bereitet sind die enormen Unterschiede bei
den Lebensbedingungen zwischen Nord- und Südkorea. Wie könnten
solch unterschiedliche Verhältnisse in Falle einer Wiedervereinigung
ausgeglichen werden. Dies wäre nur durch große Opfer
seitens der Menschen in Südkorea möglich. Deshalb handelt
es sich dabei um eine sehr schwierige Frage, die eines langsamen
kulturellen und geistlichen Reifungsprozesses bedarf. Ich glaube
deshalb nicht, dass es sich bei den Beziehungen zwischen Nord-
und Südkorea zukünftig ausschließlich um militärische
und politische Fragen geht. An erster Stelle müssen die Bürger
des Landes zu Solidarität und Teilen bereit sein und dafür,
auf den eigenen Wohlstand zu verzichten, um den ärmeren Mitbürgern
etwas davon abzugeben. Gerade auf dieser Ebene ist das Engagement
der Kirche besonders wichtig, hierin liegt unsere spezifische
Aufgabe für die kommenden Jahre."
Eine weitere wichtige Herausforderung für die südkoreanische
Kirche sind die Beziehungen zu China. "China bietet einen
enormen Markt mit großen Kapazitäten aber auch viel
Konkurrenz. China befindet sich in einer Phase des Wirtschaftswachstums.
Auch koreanische Unternehmen versuchen zu investieren. Insgesamt
betrachten die Koreaner die Chinesen als ein befreundetes Land,
das uns unter kulturellen Gesichtspunkten nahe steht. Außerdem
bewundern wir ihre Fähigkeit zum Wachstum, die sie in den
vergangenen Jahren unter Beweis gestellt haben. Die Beziehungen
unseres Landes zu China sollten jedoch stets auf einem für
alle Seiten nutzbringenden Dialog auf allen Ebenen gründen.",
wünscht sich der Bischof von Chunchon.
"Der Dialog als Königsweg gilt auch für die Kirche",
so Bischof Chang, "Die koreanische katholische Kirche ist
auch in China willkommen. Vor kurzem wurden zwei Seminaristen
aus China bei uns zu Priestern ausgebildet. Sie empfingen die
Priesterweihe in Seoul und kehrten danach in ihre Heimat zurück.
Katholiken aus unserer Gemeinde haben sie dort bereits besucht
und mit chinesischen Katholiken Freundschaft geschlossen. Trotz
der Schwierigkeiten, auf die chinesische Katholiken stoßen,
gibt es also auch Grund zur Hoffnung und darauf wollen wir in
den kommenden Jahren aufbauen. (P.A.) (Fidesdienst, 21/1/2003)
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