|
Assisi (Fidesdienst) - Der 17. Januar ist der "Tag des Dialogs
zwischen Katholiken und Juden". Der Fidesdienst sprach mit
Bischof Sergio Goretti von Assisi, der einige Jahr lang als Präsident
das Sekretariat für Ökumene und Dialog der Italienischen
Bischofskonferenz geleitet hat.
Der "Tag des Dialogs zwischen Katholiken und Juden"
soll den Aufbau der gegenseitigen Wertschätzung und Freundschaft
zwischen den Mitgliedern der beiden Religionen fördern. Wie
wichtig ist dieser Tag in diesem Sinn?
Der Tag des Dialogs zwischen Katholiken und Juden ist sehr wichtig
und soll jede Form der der Ablehnung gegen das jüdische Volk
abbauen. Die Initiative entstand nach dem Zweiten Vatikanischen
Konzil bei dem auch die Beziehungen zum Judentum eingehend erläutert
wurden. Unser Herr wurde von einigen zum Tode verurteilt, nicht
vom ganzen jüdischen Volk; außerdem kann man Menschen,
die heute leben nicht das vorwerfen, was Menschen in der Vergangenheit
getan haben. Die Ablehnung gegen die jüdische Welt, die schließlich
auf Gegenseitigkeit beruhte - wie dies of geschieht, wo es keinen
Dialog gibt - stellte ein großes Problem dar. Dieser Tag
des Dialogs soll dazu beitragen gegenseitige Wertschätzung,
Verständnis und Freundschaft zu fördern. Wir müssen
lernen, das jüdische Volk als ein von Gott auserwähltes
Volk zu betrachten, dem ein Auftrag für die ganze Menschheit
erteilt wurde: es ist das Volk, dem Christus, die Apostel und
die ersten Christen angehörten und dass uns deshalb teuer
und nah ist.
Heute scheint der Dialog zwischen Christen und Juden besonders
wichtig zu sein: dabei muss zwischen der Politik des Staates Israel
gegenüber den Palästinensern und dem Dialog zwischen
den Religionen unterschieden werden. Was die Politik des israelischen
Staates anbelangt, kann man Vorbehalten haben: Frieden kann es
weder durch Terrorismus noch durch Unterdrückung geben. Der
Dialog betrifft jedoch diejenigen, die an den einen Gott glauben,
Menschen, die Anerkennung und Respekt verdienen und besonders
geliebt werden müssen.
Das Thema dieses Jahres lautet: "Moses sprach mit Gott
und das ganze Volk war Zeuge"
Moses war eine große Leitfigur der Befreiung des jüdischen
Volkes aus dem Sklaventum. Er ist das Bild Christi, der allen
Menschen das Heil gebracht hat. Moses sprach mit Gott und das
Volk hörte zu: dies ist ein Zeichen der Sendung der Kirche
auf der Welt, doch es ist auch ein Zeichen der Geschwisterlichkeit,
zu der Christen und Juden wieder finden müssen.
Was steht im Mittelpunkt des Dialogs zwischen Juden und Christen?
Gibt es noch Schwierigkeiten?
Die Grundlagen des Dialogs sind sehr klar: im Mittelpunkt des
Christentums steht das Gebot der Nächstenliebe, nach dem
Vorbild der uneingeschränkten Liebe Christi. Die Schwierigkeiten
sind vielmehr politischer Art und stehen in Verbindung mit der
gegenwärtigen Situation im Heiligen Land und den schwierigen
Beziehungen zwischen dem israelischen und dem palästinensischen
Volk. Mancherorts gibt es heute wieder Antisemitismus, was sehr
besorgniserregend ist. Das Christentum sollte dies kategorisch
ablehnen.
Am 18. Januar beginnt die Ökumenische Gebetswoche für
die Einheit der Christen. Das Thema zitiert den Brief an die Korinther
"Ein Schatz in zerbrechlichen Gefäßen" (2Kor
4,5-18). Können sie uns dies erläutern?
Der Unterschied zwischen Christus, dem Heiligen und Retter und
der Kirche ist groß. Die Kirche besitzt war die Instrumente
des Heils (Heiliger Geist, Sakramente, Wort Gottes) doch sie besteht
trotzdem nur aus Menschen. Zu den Spaltungen konnte es nur durch
die Fehler der Menschen kommen. Wir sind wirklich alle "zerbrechliche
Gefäße" auch wenn wir reiche Schätze besitzen.
Auch ein wertvolles Gefäß kann zerbrechen: die Menschen
haben die Einheit, die Christus uns geschenkt hatte, mit ihren
Sünden zerstört. Deshalb ist der wichtigste Weg, der
zur Einheit der Christen führen kann nicht nur die Reflexion
über das Wort Gottes, die Erleuchtung durch den Heiligen
Geist oder das Erleben des eigenen Taufsakraments. Man muss auch
nach Heiligkeit und Läuterung streben und versuchen jene
Gründe zu beseitigen, die unser Gefäß zerbrechen
lassen, das heißt unser Dasein als Menschen mit vielen Fehlern.
Wir brauche das geistliche Leben, denn nach einer Zeit der Begeisterung
und der großen Hoffnungen leben wir heute in einer Zeit
der "stillen Gewässer", was den Ökumenismus
anbelangt. Es muss etwas geschehen: wir müssen uns durch
die geschwisterliche Begegnung für die Einheit engagieren
und uns dabei auch gegenseitig auf dem Weg zur Heiligkeit Beistand
leisten.
Sie sind Bischof der Diözese Assisi. Von dieser Stadt
aus hat der Heilige Vater an die Religionen appelliert, damit
diese sich gemeinsam um den Frieden bemühen? Wie aktuell
ist diese Botschaft?
Heute gibt es einen dramatischen Krieg im Heiligen Land und des
besteht die Gefahr eines möglichen Krieges im Irak. Auch
in vielen anderen Ländern auf der ganzen Welt werden Kriege
geführt, bei denen Menschen sterben. Assisi ist nicht zuletzt
auch dank der wichtigen Initiativen, für die der Papst es
als Veranstaltungsort gewählt hat, zu einem Ort geworden,
von wo aus alle Gottesgläubigen für den Frieden beten.
Der Frieden ist ein Geschenk Gottes, aber wir dürfen nicht
nur dafür beten, sondern wir müssen alle die Voraussetzungen
dafür schaffen, dass wir selbst zu Urhebern von Gerechtigkeit,
Solidarität, Geschwisterlichkeit und Versöhnung werden.
Dies gilt für die Kleinen und für die Großen der
Erde. Wir als Christen verspüren das Bedürfnis uns im
Namen des hl. Franz von Assisi, der mit Gott und mit der Schöpfung
im Einklang war, für den Frieden einzusetzen. Assisi spielt
dabei eine Rolle: in den kommenden Tagen werden wir uns an der
Weltgebetstag der Religionen für den Frieden erinnern, zu
dem Papst Johannes am 24. Januar 2002 die Vertreter aller Religionen
nach Assisi eingeladen hat. Aus diesem Anlass wird es verschiedene
Veranstaltungen geben. (P.A.) (Fidesdienst, 17/1/2003)
|