|
Im Gespräch mit dem Apost. Administrator von Bacau, Bischof
Basilio do Nascimento
Baucau (Fidesdienst) - Zu den jüngsten Bombenattentaten in
Indonesien und auf den Philippinen und der zunehmenden Spannungen
im asiatischen Südosten bat der Fidesdienst den Apostolischen
Administrator von Baucau (Osttimor), Bischof Basilio do Nascimiento,
um einen Kommentar.
An erster Stelle erwähnte der Bischof den wachsenden muslimischen
Fundamentalismus im Orient: von Zentralasien (Afghanistan, Usbekistan,
Tadschikistan, Turkmenistan
) über Indien bis nach
Thailand, Malaysia, Philippinen, Indonesien und die Region Südostasien.
"Der Fundamentalismus ist eine reelle Gefahr. Wir wissen
nicht genau welche Ziele er verfolgt: einige Gruppen wollen den
Islam - der in diesem Teil der Welt bereits die Mehrheit darstellt
- in staatliche Strukturen integrieren. Doch für Gewalt gibt
es keine Rechtfertigung. Der Terrorismus kann heute auf der ganzen
Welt agieren, doch es ist dort einfacher, wo es wenig stabile
Regierungen gibt und Korruption vorherrscht. Wie auch bereits
der Heilige Vater mehrmals betont hat, muss man zur Bekämpfung
des Terrorismus den Wohlstand der Bevölkerung fördern,
Armut beseitigen und Infrastrukturen verbessern: unter diesen
Umständen ist die Bevölkerung weniger bereit, sich instrumentalisieren
zu lassen. Hiezu sollte jedoch auch erwähnt werden, dass
in diesem Teil der Welt das soziale Umfeld äußerst
schwierig ist. Es gibt Schwächen in der politischen Organisation,
im demokratischen System und die Bevölkerung beteiligt sich
sehr wenig an der öffentlichen Verwaltung der Macht. Sicherheitskräfte
und Infrastrukturen sind nicht gut organisiert und die Armut ist
weit verbreitet. Unter solchen Bedingungen kann jeder Fuß
fassen, der materielles und spirituelles Wohlergehen verspricht.
Südostasien ist deshalb eine Region, die sehr anfällig
ist für die Manipulation durch religiöse und politische
Gruppen, die ein besseres Leben versprechen."
Im weiteren Verlauf des Gesprächs erläuterte die Situation
in Osttimor: dieses kleine und noch sehr junge Land zeugt von
der Existenz einer katholischen Hoffnung, die verkündet und
verbreitet werden muss: "Es ist nicht auszuschließen,
dass Terroristen auch in Osttimor einen demonstrativen Anschlag
durchführen werden, da dieses Land eine symbolische Rolle
hat: Bali als eine Wiege des Hinduismus, Osttimor als eine Wiege
des Katholizismus. Doch die Menschen in Osttimor haben vor allem
Hunger, sie kämpfen jeden Tag um das eigene Überleben,
doch sie sind sich der Gefahr des Terrorismus bewusst, nicht zuletzt,
weil die Organisation der Polizeieinheiten noch zu Wünschen
übrig lässt. Was den katholischen Glauben anbelangt,
so ist Osttimor im Vergleich in Asien das Land mit dem größten
Anteil an Katholiken. Alle Missionare, die in Osttimor tätig
waren, haben den Samen ausgesät und er hat reiche Früchte
getragen. Heute spielt Osttimor mit seiner starken Präsenz
der katholischen Kirche eine wichtige Rolle in der Region und
kann deshalb einen wertvollen Beitrag zum Dialog, zum Zusammenleben
und zur Solidarität leisten. Unter politischen und sozialen
Gesichtspunkten ist Osttimor noch ein schwaches Land: nach der
Trennung von Indonesien fehlt es an menschlichen Ressourcen zur
Stärkung der Infrastrukturen, der Regierung und der Verwaltung:
wir sind noch von der Unterstützung durch internationale
Organisationen abhängig".
Zur der Kirche in Osttimor in ihrer Dimension als Märtyrerkirche
erklärte Bischof Basilio do Nascimiento: "Für Osttimor
gilt in ganze besonderer Weise Das Blut der Märtyrer
ist der Samen der Christen': man sieht dies an der Blüte
der Kirche, am Wachstum der religiösen Berufe und am hohen
Anteil der praktizierenden Gläubigen, die rund 97% ausmachen.
Was den Glauben der Menschen anbelangt, so herrscht hier eine
sehr glückliche Atmosphäre. Wir sind sehr stolz darauf,
dass Priester, Seminaristen, Ordensleute und Väter und Mütter
ihr Leben für den Glauben hingegeben haben. Dies ist ein
Geschenk der Kirche Osttimors an die Weltkirche. Auch heute bezeugen
noch viele durch Heldenmut ihren Glauben an Christus. Wir hoffen,
dass es eines Tages viele timoresische Heilige geben wird".
(P.A.) (Fidesdienst 6/11/2002)
|