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Vatikan - Kardinal Sepe zu seinem Besuch in Angola: "Ich bin einer lebendigen, im Volk verwurzelte Kirche begegnet, die den Friedensprozess konkret unterstützt"

Vatikanstadt (Fidesdienst) - Im Rückblick auf seinen Pastoralbesuch in Angola (25. bis 29. Oktober) schildert Crescenzio Kardinal Sepe, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, dem Fidesdienst in einem kurzen Interview seine Eindrücke zur Kirche, zur gesellschaftlichen Situation und zur im Land herrschenden Hungersnot.

Eminenz, welche Eindrücke bringen Sie von Ihrer Reise mit? Wie steht es um die Kirche in Angola?
Die Begegnung mit der Kirche in Angola hat alle meine Erwartungen übertroffen: ich bin einer Kirche begegnet, die gut ausgebildet, tief verwurzelt und trotz der langen Zeit des Krieges lebhaft und lebendig ist und nicht nur auf religiösem Gebiet sondern auch in der Gesellschaft ihre Wurzeln hat. Die Kirche unterstützt den Friedensprozess mit all ihren Kräften und verschafft ihm eine Stimme, in dem sie ihn durch eine Reihe von praktischen Gesten konkret umsetzt. Die Kirche in Angola widmet ihr Augenmerk den verschiedensten Aspekten, auch solchen die unwichtig erscheinen, des täglichen Lebens und versteht es den eigenen Komponenten und Einrichtungen den richtigen Wert zu geben: vom Oratorium bis zum Krankenhaus, vom Katechisten bis zum einzelnen Gläubigen.

Kann Angola Vorbild für andere von Bürgerkriegen erschütterte Länder sein?
Zweifelsohne kann Angola als Laboratorium für andere afrikanische Länder, in denen es heute immer noch scheinbar nicht enden wollende blutige Konflikte gibt, eine Vorbildfunktion übernehmen. Der Friedensprozess, der nach Jahrzehnten des Krieges in die Wege geleitet wurde, kann und muss für alle Afrikaner Ansporn und Beispiel sein. "Nie wieder Krieg!" habe ich am 27. Oktober beim Festgottesdienst in der Kathedrale in Luanda, den ich gemeinsam mit den Bischöfen des Landes und dem Apostolischen Nuntius zelebriert habe, gefordert und dieser Appell wurde von den Anwesenden mit einem spontanen und überzeugten Applaus aller Anwesenden gewürdigt. "Nie wieder Krieg" lautet der Imperativ für die afrikanischen Völker und alle Individuen. Die Kirche ist stets bereit alle ihre besten Kräfte für die Sache des Friedens einzusetzen und dies auf allen Breitengraden und in jedem Kontext: in Angola hat sie in der Vergangenheit und in der Gegenwart eine bedeutende Rolle gespielt, die auch von den weltlichen Behörden, denen ich im Verlauf meines Besuchs begegnet, gewürdigt wird.

In Angola leben Hunderttausende in extremer Armut, die Kirche engagiert sich auch in diesem Bereich…
Zwischen zwei und vier Millionen Menschen leben in einer unvorstellbaren Armut: die einzige Präsenz, die einzige Hilfe, auf die sie zählen können, sind die Missionare. Drei von fünf Kindern sterben an Hunger, weil sie nichts zu essen haben: auch hier kann man sich nur von der Kirche Hilfe erhoffen. Ich habe ein Flüchtlingslager in der Nähe der Hauptstadt besucht und konnte mit eigen Augen sehen, unter welch dramatischen Bedingungen diese Menschen leben und die extreme Not von Menschen, die weder eine Wohnung noch Kleider oder ein Stück Brot haben. Diese Menschen sind auch anfälliger für Krankheiten, die in der so genannten entwickelten Welt leicht zu heilen sind, aber unter solchen Umständen oft schnell zum Tod führen. Ein Zeichen der Hoffnung ist es, wenn diese Menschen, die in solch großer Armut und unter großen Mühen leben trotzdem lachen und tanzen und damit eine große Würde unter Beweis stellen: dies ist die Hoffnung, die die Kirche weiterhin mit all ihren Kräften zu fördern versucht und die umgehend internationale Unterstützung braucht, wenn man nicht will, dass sie erlischt. Es bedarf einer allgemeinen Mobilisierung, eines Appells an das Gewissen der internationalen Staatengemeinschaft, damit diese Hoffnung der Armen nicht verraten wird und die Hungersnot in Angola nicht in Vergessenheit gerät. Es muss vermieden werden, dass eine Tragödie eine andere nach sich zieht. Es inakzeptabel, dass internationale Medien systematisch Millionen von Menschen ignorieren, die jeden Tag um das Überleben kämpfen. (Fidesdienst 7/11/2002)

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