
The
Church proclaims the Good News of Christ not only by the proclamation
of the Word which she has received from the Lord, but also
by the witness of life, thanks to which Christ's disciples
bear witness to the faith, hope and love which dwell in them.This
testimony which the Christian bears to Christ and the Gospel
can lead even to the supreme sacrifice: martyrdom .

(POST-SYNODAL APOSTOLIC EXHORTATION
ECCLESIA IN AFRICA, n. 55) |
|
 |
| „Das
Blut der ermordeten Missionare, Hoffnung auf Frieden für
die Welt“ - Interview mit Crescenzio Cardinal Sepe, Präfekt
der Kongregation für die Evangelisierung der Völker
|
Vatikanstadt (Fidesdienst) - Anlässlich des XII. Tags des Gebets
und des Fastens für Missionare, die den Märtyrertod starben,
der auf Initiative der Missionarischen Jugendbewegung der Päpstlichen
Missionswerke am 24. März, dem Jahrestag des Mordes an Erzbischof
Oscar Armulfo Romero von Sao Salvador, begangen wird, sprach der Fidesdienst
mit Crescenzio Cardinal Sepe, Präfekt der Kongregation für
die Evangelisierung der Völker.
Eminenz, auch im vergangenen Jahr starben wieder zahlreiche
Missionare, Ordensleute und Laien für das Evangelium. Zu Beginn
des neuen Jahrtausends ziehen bedrohliche Wolken am Horizont auf,
sagte der Papst. Auf der ganzen Welt werden unzählige Menschen
Opfer blutiger Kriege oder Stammeskonflikte, die durch Hass oder
Intoleranz im Allgemeinen hervorgerufen werden. Kann das Blut der
Märtyrer Hoffnung auf Frieden für die Welt bringen …
Das Blut der Missionare und der christlichen Märtyrer kommt
direkt vom Kreuz auf dem Berg Golgota, es fließt aus dem Leib
Christi, der vor zweitausend Jahren an das Kreuz genagelt wurde.
Es ist das Blut derjenigen, die auf dieser Erde keinen anderen Schutz
hatten, als die Liebe, derjenigen, für die das eigene Interesse
und das eigenen Überleben nicht wichtiger waren als das Evangelium.
Denn sie haben ihr eigenes Leben ganz bewusst hingegeben, wie der
Gute Hirte, der nicht zögert, wenn es darum geht, die eigene
Herde zu verteidigen und der die Schafe, die ihm anvertraut wurden,
nicht im Stich lässt. Sie wurden ermordet, weil sie ihrem Engagement
für den Glauben und für die Liebe treu geblieben sind:
sie wussten genau, dass sie ihr Leben hätten retten können,
wenn sie die Orte verlassen hätten, an denen sie lebten. Doch
dann hätten sie ihr Zeugnis aufgeben müssen und damit
die Möglichkeit, anderen Menschen das Evangelium zu verkünden.
Warum werden Missionare ermordet? Inwieweit sind diese
sich der möglichen Hingabe des Lebens bis zum Tod bewusst?
Der Sohn Gottes ist für das Heil der Menschen am Kreuz gestorben
und auch Missionare kommen nicht selten ums Leben, weil sie so leben,
wie Er gelebt hat: sie Leben ihre Nächsten, wie Er es getan
hat, und engagieren sich für ihre Mitmenschen, wie Er es getan
hat, sie widmen das eigne Leben vollkommen Gott und den Mitmenschen.
Sie haben den Tod nicht aus Fanatismus oder persönlichem Heldentum
gesucht, denn dies verlangt Gott nicht, doch sie haben ihn als Möglichkeit
in Betracht gezogen als sie sich für das Leben als Missionare
entschieden haben. Doch Missionare sind Zeugen der Nächstenliebe
und des Evangeliums, deshalb ist ihr Entschluss immer eine Entscheidung
Entschluss für das Leben nicht für den Tod. Missionare
wissen, dass ihre Nächstenliebe, die sie in einem besonderen
Umfeld leben, wie zum Beispiel in Regionen, in der die Erstevangelisierung
stattfindet oder in Gebieten, in denen die Lage besonders angespannt
ist oder wo große Armut und sozialer Verfall herrschen, auch
gefährlich werden und vielleicht auch zum Tod führen kann.
In einer solchen Perspektive ziehen sie den Tod aus Liebe in Betracht
als eine Art Ausdrucksform der Liebe zu Christus und zu den Armen,
Unterdrückten, Diskriminierten und Ausgeschlossenen, die trotz
dem vom Vater nicht verlassen sind.
Das Martyrologium der Kirche kennt keine Grenzen. Gibt
es Elemente, die sich von Kontinent zu Kontinent unterscheiden?
Im vergangenen Jahr wurden nach den vom Fidesdienst gesammelten
Daten, die meisten Missionare in Afrika ermordet, insbesondere im
Sudan und in Uganda, wo Rebellen weiterhin gegen eine verfassungsmäßige
Regierung kämpfen, in der Demokratischen Republik Kongo, die
seit Jahren Schauplatz eines Krieges zwischen verschiedenen Volksgruppen
ist und wo auch die Kirche in diesem Konflikt, der kein Ende zu
finden scheint, einen hohen Preis zahlen muss. Erschütternd
war vor allem auch der gewaltsame Tod des Apostolischen Nuntius
in Burundi, Erzbischof Michael Courtney, der sich in diesem Land,
das nach Frieden und Versöhnung sucht, zusammen mit den einheimischen
Bischöfen aktiv für den Friedensprozess eingesetzt hat.
Doch ganz Afrika ist bereits seit den Anfängen des Christentums
in jenen Ländern ein „Kontinent der Märtyrer“:
man braucht nur an die Adelsfrau Perpetua und ihre Zofe Felicitas,
oder an den Bischof von Kartago, Zyprianus, zu denken oder in jüngerer
Zeit an Clementine Anuarite und Isidoro Bakanja im ehemaligen Zaire,
die alle für ihren Glauben sterben mussten. Die Reihe der Märtyrer
in Afrika ist lang und oft bleiben ihre Namen unbekannt. Dieser
Kontinent wird wahrscheinlich auch wegen der reichen Bodenschätze
gemartert, die Gott diesen Ländern geschenkt hat, und derer
sich viele ganz offenkundig oder unter dem Deckmantel lokaler Konflikte
bemächtigen wollten. Das selbstlose Engagement der Kirche für
den Frieden, störte oft diejenigen, die vom Andauern der Konflikte
profitierten. Deshalb ist auch die Liste der Märtyrer in Afrika
so lang und auch dies ist ein Zeichen dafür, dass dieser reiche
Kontinent weiterhin gemartert ist.
Gleich nach Afrika folgt, was die Zahl der Märtyrer anbelangt,
Lateinamerika und dort insbesondere Kolumbien, wo die Kirche als
wahre „Märtyrerkirche“ bezeichnet werden kann.
Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien, die nicht unbedingt
immer zu den Missionaren „ad gentes“ im engeren Sinn
gehören, da es sich bei den meisten um Einheimische handelt,
zahlen seit langem einen blutigen Tribut. Sie werden Opfer der Gewalt
und der Intoleranz, unter denen dieses Volk so sehr leidet. Die
Kirche muss dort. Obschon sie durch den Mord an vielen ihrer Mitarbeitern
selbst schwer geprüft ist, weiterhin zu Versöhnung und
Vergebung aufrufen, denn dies sind die Voraussetzungen für
einen echten und dauerhaften Frieden. Christen, die versuchen das
Evangelium Jesu Christi umzusetzen fordern die Achtung der Rechte
der Armen und Ausgegrenzten und werden deshalb entführt, gefoltert
ermordet oder verschleppt. Im November letzten Jahres nahm ich als
Sondergesandter des Papstes am Zweiten Amerikanischen Missionskongress
in Guatemala City teil. Bei dieser wunderbaren Begegnung des Glaubens
und der Freude konnte ich mit eigenen Augen sehen, wie sehr der
Weg der Kirche vom Zeugnis der Märtyrer gekennzeichnet ist,
und wie sehr dieses Zeugnis nicht Grund zu Trauer oder Mutlosigkeit
ist sondern vielmehr Quelle der Kraft und der Hoffnung, Ansporn
zum Fortschreiten auf diesem Weg allein mit dem Schutz des Evangeliums
Jesu Christi. Die Märtyrer waren und sind dies auch noch heute
das Korn, das sterben muss, damit es Frucht tragen kann, damit andere
Christen aus ihnen hervorgehen, die denselben Weg beschreiten.
Abschließend möchte ich auch einen Blick auf das immense
Asien werfen, wo die Zahl der Märtyrer geringer ist, da die
Gemeinschaft der katholischen Gläubigen dort sehr viel kleiner
ist. Asien ist die Wiege großer Religionen, doch viele Menschen
leiden dort weiterhin unter sozialer Ungerechtigkeit, Diskriminierung,
Bedrängnis und Kriegen. Auch die Kirche in Asien hat in der
noch nicht sehr weit zurückliegenden Vergangenheit die Treue
zu Christus und das Engagement für die Rechte des Menschen
unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit mit dem
Preis des Blutes bezahlt. Noch heute werden viele Christen in asiatischen
Ländern verfolgt. In diesen Ländern mussten ganze Kirchen
und Gruppen von Gläubigen für ihre Treue zu Christus,
zum Evangelium und zur Kirche leiden und oft wird dabei versucht,
noch vor dem Körper die Seele zu vernichten.
Seit wann werden in der Kirche die Märtyrer ganz besonderes
verehrt?
Das Martyrium ist wesentlicher Bestandteil der Kirche seit ihren
Anfängen und sie kennzeichnet die zweitausendjährige Geschichte
bis in unsere heutige Zeit. Christus selbst ist der Märtyrer
„par excellence“ und in ihm sehen wir die lange Reihe
all derjenigen, die ihm auf dem Weg des Kreuzes gefolgt sind. Auf
der anderen Seite hatte der Herr selbst den Aposteln und Jüngern
dieses Schicksal vorausgesagt. Nicht umsonst ist der zweite Weihnachtsfeiertag,
dem ersten Märtyrer, dem heiligen Stephanus gewidmet und zwei
Tage später feiern wir das Fest der unschuldigen Märtyrer:
damit erinnern wir uns an die stetige Aktualität dieser unauflöslichen
Verbindung zwischen dem „menschgewordenen Gott“, der
sein Leben für die Menschheit hingibt und uns damit Vorbild
dafür ist, dass auch wir unser leben für unsere Brüder
und Schwestern hingeben sollen. Gerade im Laufe des vergangenen
Jahres wurde dies bei zwei Anlässen besonderes deutlich: der
Claretinermissionar Anton Probst wurde in Kamerun ermordet, nachdem
er an der Christmette am Heiligen Abend teilgenommen hatte. Am Abend
des 5. Oktober, als die Kirche noch die Heiligsprechung der drei
großen Missionare Daniele Comboni, Arnold Janssen und Josef
Freinademetz feierte, wurde in Somalia die Laienmissionarin Annalena
Tonelli ermordet, die 35 Jahre lang nach den Prinzipien des Evangeliums
in Afrika gelebt hatte und am selben Abend wurde in El Salvador
Don William De Jesus Ortez und sein junger Messner Jaime Noel Quintanilla
getötet.
Die ersten Berichte über die Verehrung von Märtyrern in
christlichen Gemeinschaften gibt es sehr früh, bereits Mitte
des 2. Jahrhundert wurden vor allem Reliquien verehrt und viele
Gläubige versammelten sich alljährlich am Todestag am
Grab des Märtyrers. Die Kirche bezeichnet den Tag des Martyriums
als „dies natalis“, den Tag der Geburt, denn der irdische
Tod des Märtyrers ist der Tag seiner Geburt im Himmel, durch
den Tod und die Auferstehung Christi. Anfangs wurden nur solche
Märtyrer verehrt, die, durch die Hingabe des eigenen Lebens,
eine besondere Einheit mit dem gestorbenen und auferstanden Christus
erlangt hatten. Dabei möchte ich auf zwei Besonderheiten hinweisen:
der Todestag dieser Märtyrer wurde mit Freude und Heiterkeit
gefeiert, denn es war kein Grund zur Trauer sondern vielmehr zu
Hoffnung und Freude; außerdem erinnerten sich die Christen
an die Gesten der Märtyrer, um Kraft zu schöpfen, für
die Prüfungen, die sie selbst erwarteten.
Ein weiteres Zeugnis für die Verehrung der Märtyrer ist
die Feier der so genannten „Fastenstationen“, die bereits
seit den ersten Jahrhunderten zur Fastenzeit in Rom gehören.
Die Christen versammelten sich jeden Tag in einer Kirche, die den
Namen eines Märtyrers trägt und gedenken dort des Kreuzes
Christi, das uns das Heil bringt. Auf diese weise wurde auch die
innere Christusnachfolge erneuert, die diese Glaubenszeugen stark
gemacht hat, bis zu Hingabe des eigenen Lebens.
Auch der Heilige Vater wollte im Heiligen Jahr 2000 dem Gedenken
der Märtyrer eine besondere Feier widmen, damit dieses Gedenken
nicht verloren geht sondern wie ein kostbarer Schatz aufbewahrt
und an die neuen Generationen weitergegeben wird und ihnen Kraft
für den eigenen geistlichen Weg gibt.
Die Welt scheint eingehüllt in ein Klima der Gewalt,
der Unterdrückung und des Todes … Jeden Tag gibt es neue
Opfer. Weshalb sollte man da noch anderer Menschen, der Missionare,
gedenken, die sterben mussten? Laufen wir nicht Gefahr, endgültig
die Hoffnung zu verlieren?
Im Gegenteil, die Märtyrer sind diejenigen, die uns
Kraft zum Weiterleben geben. Dies Männer und Frauen, die Christus
nachfolgten, haben gezeigt, dass Vergebung und Liebe stärker
ist als Hass und Tod; mit ihrem Opfer zeigen sie uns, dass der Herr
auch heute noch das Böse besiegt. Ohne ihr Zeugnis wäre
die Welt um einiges ärmer und kälter und es wäre
noch schwieriger Hoffnung zu schöpfen. In der finsteren Nacht,
die die Welt durchschreitet, leuchten die Märtyrer wie Sterne
und mit ihrem Zeugnis erleuchten sie den Weg der Menschheit hin
zum ewigen Licht, das Christus ist. Durch das Gedenken an das Opfer
der ermordeten Missionare wird das Leiden und der Tod Jesu gegenwärtig
in der Erwartung der herrlichen Auferstehung und der Ankunft seines
ewigen Reiches der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens. (SL)
(Fidesdienst, 20/3/2004 - 145 Zeilen, 1.819 Worte) |