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Für unsere Kleinsten

Vatikanstadt (Fidesdienst) - Im Rückblick auf den Kongress der Kommunistischen Partei, er neue Hoffnungen für die Zukunft Chinas geweckt hatte, sprach der Fidesdienst mit dem Bischof der Diözese Kaohsiung, Kardinal Paul Shan Kuo-shi, der sich derzeit im Vatikan befindet, wo er an den Arbeiten des nachsynodalen Ausschusses zu Umsetzung der Richtlinien Asiensynode in den asiatischen Ländern teilnimmt. Kardinal Paul Shan Kuo-hsi wurde 1923 in Puyang (Festlandchina) geboren. 1946 trat er in Peking in die Gesellschaft Jesu ein. Am 18. März 1955 wurde er in Baguio (Philippinen) zum Priester geweiht. Am 4. März 1991 wurde er zum Bischof von Kaohsiung ernannt Er hatte sowohl beim Heiligen Stuhl als auch bei der Vereinigung der asiatischen Bischofskonferenz (FABC) zahlreiche hohe Ämter inne..
"Können wir uns von den neuen Führungskräften der Kommunistischen Partei mehr Religionsfreiheit erwarten?" fragt sich der chinesische Kardinal Paul Shan Kuo-shi, Bischof von Kaohsiung (Taiwan)
Herr Kardinal, vor kurzem ging der 16. Kongress der Chinesischen Kommunistischen Partei zu Ende. Wird es Ihrer Ansicht nach Veränderungen geben? Was würden Sie sich wünschen?
Die Politik der Öffnung hat in Festlandchina große Fortschritte bewirkt. Nach der wirtschaftlichen Öffnung haben sich auch zahlreiche Unternehmer aus Taiwan Festlandchina zugewandt, insbesondere nach dem China Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation. Gleichsam kann man beobachten, dass jede neue Generation von Führungskräften der Kommunistischen Partei jeweils eine offenere Politik angewandt hat und mehr Freiheiten gewährte. Deshalb wünschen wir uns, dass die vierte Generation kommunistischer Führungskräfte, sich für mehr Religionsfreiheit einsetzt und eine offenere Politik betreiben wird. Die neuen Führungskräfte sollten wissen, dass die Kirche nie weder politische, noch wirtschaftliche noch militärische Ambitionen hatte. Unsere einziges Ziel ist das Gemeinwohl, das Wohlergehen des chinesischen Volkes, weshalb wir auch zum Aufbau des Landes beitragen wollen. In der Vergangenheit haben waren wir in Festlandchina im Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialwesen tätig; doch dies tut die Kirche auf der ganzen Welt, nicht nur in China. Aus diesem Grund möchte ich den neuen Führungskräften sagen, dass es keinen Grund gibt, sich vor der Kirche zu fürchten. Wir bitten nur um Religionsfreiheit, wir möchten nur unseren Glauben frei leben dürfen.

Beschreiben Sie uns bitte die Lage der Kirche in Taiwan? Was bereitet der Kirche in Taiwan am meisten Sorgen?
Die Kirche in Taiwan ist trotz ihrer 143jährigen Geschichte sehr klein. Infolge von Personalmangel und Kommunikationsschwierigkeiten gab es Ende der vierziger Jahre nur knapp 10.000 Katholiken. In den fünfziger und sechziger Jahren hat die katholische Kirche große Fortschritte gemacht, so dass wir diese Zeit als unsere goldenen Jahre bezeichnen könnten. Wir hatten über 1.100 Priester und es wurden viele Kirchen, Schulen und Krankenhäuser gebaut. Die Kirche konnte beachtliche Beiträger zur Bildung und im Gesundheitswesen leisten und missionarisch und seelsorgerisch Tätig sein. In den vergangenen Jahren haben infolge des technologischen Fortschritts in Taiwan Industrialisierung, Urbanisierung und Konsumdenken zunehmend Einfluss ausgeübt. Die Menschen haben sich gegenseitig übertroffen, wenn es darum ging, das materielle Leben zu genießen und dabei spirituelle Werte vernachlässigt; auch die Kirche hat die Auswirkungen dieser Tendenz in ihrem Inneren erfahren: das Durchschnittsalter der Priester ist angestiegen und die Gesamtzahl der Priester ist zurückgegangen. Heute gibt es insgesamt etwas über 600 Priester, von denen nur etwa 100 jünger als 60 sind. Außerdem gibt es rund 50 Seminaristen. Das Problem des Mangels an neuen Berufen ist also ziemlich offensichtlich: es fehlt das Bindeglied des mittleren Alters, der Unterschied zwischen Jung und Alt ist sehr groß. Es ist ein Glück, dass unsere Laien sehr selbstbewusst und engagiert sind. Gegenwärtig gibt es insgesamt rund 300.000 Katholiken. Doch es geht nicht nur um die zahlenmäßige Stärke: sie sind auch im pastoralen Bereich sehr kompetent. Die Laien nehmen aktiv am Leben der Kirche teil und spielen eine immer wichtiger Rolle. Die Kirche selbst bemüht sich sehr um die Ausbildung der Laien und fördert auch ihr missionarisches Wissen.

Mit welchen konkreten pastoralen Maßnahmen reagiert die Kirche in Taiwan auf die veränderten Erfordernisse der heutigen Gesellschaft?
Wir hatten 1988 bei unserem "Evangelisierungskongress" die Pastoralarbeit der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts definiert. 2001 haben wir einen "Kongress des neuen Jahrhunderts und der neuen Evangelisierung veranstaltet" und das Pastoralprogramm für den Anfang des neuen Jahrtausends festgelegt, wobei vor allem die Rolle der Laien im Leben der Kirche hervorgehoben wurde.
Dieses Jahr haben wir vor allem der Familie ein besonderes Augenmerk gewidmet, damit von ihr Glaube, Liebe und Hoffnung ausgehen kann. Wir haben die Gläubigen aufgefordert, eine Ecke in der eigenen Wohnung mit "religiösen Zeichen" einzurichten und in der eigenen Familie eine religiöse Atmosphäre zu schaffen. Außerdem haben wir die Familien aufgefordert das Gebet, die Bibellektüre und das Gespräch in der Familie zu fördern und dabei auch die Evangelisierung umzusetzen. Wir haben den einzelnen Familien auch vorgeschlagen sich mit nichtchristlichen Familien, Verwandten oder Freunden zu treffen und hier mit der Evangelisierung zu beginnen, indem sich Erwachsene mit Erwachsenen und Kinder mit Kindern austauschen. Es muss jede Gelegenheit genutzt werden, um Glauben vom christlichen Glauben und vom Evangelium abzulegen und um dafür zu beten, dass andere Familien so bald als möglich von der Frohbotschaft erfahren.
Unser Bischofskonferenz ist sich der Bedeutung der Familie bewusst. Wie auch der Heilige Vater immer wieder hervorhebt, ist die Familie ein wichtiges Subjekt und Objekt der Evangelisierung. Wir haben beschlossen, Linie in den kommenden diese Linie zu verfolgen und werden die Familie weiterhin in den Mittelpunkt einer Evangelisierungstätigkeit stellen, die wir den neue Erfordernissen des gesellschaftlichen Kontexts anpassen.
Ein großes Augenmerk widmen wir auch dem interreligiösen Dialog. Dabei können wir auf eine 60jährige Geschichte des interreligiösen Dialogs zurückblicken, der sich in diesen Jahren gut entwickelt hat. Wir waren auch unter den Einheimischen missionarisch tätig, weshalb es auch einen einheimischen Bischof, einheimische Priester, Schwestern und Seminaristen gibt.

Her Kardinal, sie sind Mitglied der nachsynodalen Kommission, die sich mit der Umsetzung der Richtlinien der Asiensynode befasst. In welchem Maß hat die Kirche in Taiwan die Richtlinien des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens ‚Ecclesia in Asia" umsetzen können?
Hauptaufgabe der nachsynodalen Kommission ist eine Analyse der Umsetzung des Apostolischen Schreibens "Ecclesia in Asia" in den asiatischen Ländern. Die Sondersynode hat 1998 stattgefunden und das Nachsynodale Apostolische Schreiben wurde von Papst Johannes Paul II. am 6. November 1999 in Indien veröffentlicht. Die Kirche in Taiwan hat das Dokument umgehend ins Chinesische übersetzen lassen und in Hongkong, in Festlandchina und unter den chinesischen Gemeinden auf der ganzen Welt verteilen lassen. Auch in diesem Dokument wurde die Bedeutung der Evangelisierung der Familie besonders hervorgehoben. Ich kann sagen, dass die Kirche in Taiwan die Richtlinien der Asiensynode befolgt hat.

Wie arbeiten die Missionskongregationen in Taiwan mit der Ortskirche zusammen? Ist die Kirche in Taiwan so weit gewachsen, dass sie sich von einer empfangenden Kirche in eine Kirche verwandeln konnte, die selbst Missionare in die Welt entsendet?
Die Missionskongregationen erleben in Taiwan ebenfalls eine Krise, was neue Berufe anbelangt, weshalb ein Mangel an Missionspersonal besteht. Ihre Evangelisierungstätigkeit bleibt in Taiwan jedoch weiterhin sehr wichtig. Die Kirche in Taiwan fühlt sich trotz des Mangels an Personal verpflichtet und berufen, missionarisch tätig zu werden: die Mission ad gentes ist eine Pflicht der Kirche und zeugt vor allem auch von der Vitalität einer Ortskirche. Gäbe es den Geist der Mission ad gentes nicht, würde jede Ortskirche die eigene Vitalität verlieren. (Fidesdienst 22/11/2002)

 
 

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