| Feiern zur 375jährigen Geschichte der
Päpstlichen Urbaniana-Universität - Interview mit
dem Rektor des "Collegio Urbano de Propaganda Fide" |
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Vatikanstadt (Fidesdienst) - Fidel Gonzáles Fernández
mccj, Rektor des "Collegio Urbano di Propaganda Fide"
ist Comboni Missionar, Professor für Kirchengeschichte an den
Päpstlichen Universitäten "Urbaniana" und "Gregoriana",
ehemals Missionar in Afrika, Konsultor der Kongregation für
die Heiligsprechungsprozesse sowie Autor zahlreicher Bücher
und Artikeln zu Themen der Kirchengeschichte und der Mission. Es
folgt der Wortlaut unseres Interviews:
Fides: Am 1. August 1627 hat Papst Urban VIII.
mit der Bulle "Immortalis Die Filius" das "Collegio
Urbano de Propaganda Fide" auf höchster Ebene anerkannt.
Wie ist das Kolleg entsanden?
P. Fidel: Das Kolleg wurde von dem spanischen Priester Juan Bautista
Vives y Marja (1545-1632) gegründet. Dabei wurde er von anderen
Vertretern einer missionarischen Bewegung der Römischen Kirche
unterstützt.
Fides: Wie ging es weiter?
P. Fidel: In der Gründungsbulle heißt es: "Das
Missionskolleg "di Propaganda Fide" bildet Weltpriester
für die Mission ad gentes aus und soll die getrennten Christen
wieder zur Einheit des katholischen Glaubens führen sowie
die notwendigen Informationen über Sprachen, Völker,
Kulturen sammeln und wissenschaftlich analysieren". Man war
sich bewusst geworden, dass es kirchlicher Institutionen bedurfte,
die diesen Erfordernissen entsprachen und die sich in den historischen
Kontext und die Geschichte der Missionstätigkeit einordneten.
Die Vorstellung von der Gründung einer Einrichtung der Römischen
Kirche für die Evangelisierung der Völker kam nicht
von ungefähr. Die ersten Initiativen zur Errichtung eines
neuen Organismus zur Verbreitung des Glaubens wurden bereits zur
Zeit von Pius V (1566-1572) unter dem Einfluss des Generals des
Jesuitenordens Francesco di Borja ergriffen. Dasselbe taten die
nachfolgenden Päpste bis zu Gregor XV., der aus eigener Initiative
die Kongregation 1622 "de Propaganda Fide" gründete.
Fides: Wann wurde aus dem "Collegio Urbano" das Missionskolleg
"de Propaganda Fide"
P. Fidel: Urban VIII. legte mit einem Dokument vom 13. März
1640 fest, dass der Titel "Propaganda Fide" nur den
von der Kongregation "de Propaganda Fide" bestimmten
Einrichtungen vorbehalten war. Seither stimmte die Geschichte
des Päpstlichen Missionskollegs mit der Geschichte der Kongregation
"de Propaganda Fide" und ihrer Missionstätigkeit
überein.
Fides: Welche Gründe führten zur Gründung des
Kollegs "de Propaganda" zur Ausbildung von Missionaren?
P. Fidel: Das Päpstliche Kolleg "Urbano" sollte
von Anfang an Missionare zur Verbreitung des Glaubens unter allen
Völkern auf der ganzen Welt dienen und dem Studium von Informationen
über Völker und Kulturen, vor allem im Orient. Außerdem
sollte sie die vielen Christen, die sich von der Kirche getrennt
hatten, wieder zur Einheit führen. Gründer des Kollegs
war Juan Bautista Vives y Marja, ein in Rom lebender spanischer
Priester, der auch zu den ersten Mitgliedern der 1622 gegründeten
Kongregation "de Propaganda Fide" gehört. Vives
wollte unter Leitung der Teatiner ein Kolleg für Missionspriester
aus allen Ländern und Völkern gründen, die direkt
dem Papst unterstellt und überall in die Welt in die Mission
entsandt werden sollten um das Evangelium zu verkünden, und
dafür wenn nötig auch das eigene Blut zu vergießen.
Fides: Woher hat das Kolleg seinen Namen?
P. Fidel: Nach der Gründung, die am 1. August 1627 von Papst
Urban VIII. Der Papst erhob somit das Kolleg "de Propaganda
Fide" zum Päpstlichen Apostolischen Kolleg, er vertraute
es der Fürsprache der Apostelfürsten Petrus und Paulus
an und gab ihm den eigenen Namen "Urbanum".
Fides: Wer waren die ersten Ausbilder des Kollegs?
P. Fidel: Die Liste wäre zu lang. Viele wurden später
Kardinäle, Bischöfe und Theologen doch vor allem sollten
wir uns an alle erinnern, die für ihr Predigen mit den Martyrertod
gestorben sind; allen voran der Primas von Irland, Erzbischof
S.Oliver Plunket, der im Juli 1681 den Märtyrertod starb.
Fides: Und unter den Studenten?
P. Fidel: Auch unter den ersten Studenten gab es Märtyrer.
Wie zum Beispiel John Henry Newman, sein Gefährte und Freund
St. John und der selige Colmoba Marmion.
Fides: Auf welche Schwierigkeiten stieß das Kolleg und
wie wirkten sich diese auf das Kolleg aus?
P.Fidel: Schwierig war die Rekrutierung von Priesteramtskandidaten
aus den asiatischen Ländern, die Entsendung von Missionaren,
die Reisen, die Missionstätigkeit. Ein weiteres nicht zu
vernachlässigendes Problem war die Finanzierung sowohl der
Missionen unter Propaganda Fide als auch des Urbano-Kollegs selbst
und der Seminare unter "Propaganda Fide".
Einen "prophetischen" Vorschlag, der jedoch erst im
19. Jahrhundert verwirklicht wurde, machte der belgische Jesuitenpater
und Chinamissionar Nicolas Trigault (1577-1628) der bereits damals
dem spanischen König und dem Papst die Gründung eines
universalen Werkes zur Unterstützung der Missionen empfahl;
zu seinen Lebzeiten hatte er damit keinen Erfolg: die Zeit war
noch nicht reif!
Fides: Wie kamen damals die Studenten aus fernen Ländern
nach Rom?
P. Fidel: Zwei Jahrhunderte lang, war dies ein fast unmögliches
Unterfangen. Entweder reiste man auf den Schiffen oder man musste
die Reise auf dem Landweg machen, wenn dies möglich war.
Angesichts dieser Schwierigkeiten kamen die Studenten anfangs
vor allem aus Europa und dem Nahen Osten. 1784 kam der erste afrikanische
Student aus Madagaskar, Johann Melchiore, der jedoch nur wenige
Monate blieb, weil er das römische Klima nicht vertrug. Erst
fast ein Jahrhundert später schickte Daniele Comboni wieder
zwei Studenten aus dem Sudan nach Rom. Daniel Deng Sorur (ein
ehemaliger Sklave, der von Pater Comboni freigekauft und später
auch getauft wurde) und Karl Arthur Morsal.
Fides: Das erste Kolleg befand sich an der Piazza di Spagna
und befindet sich heute auf dem Gianicolo-Hügel. Wann fand
der Umzug statt?
P. Fidel: Die neuen Räumlichkeiten des Kollegs wurden 1933
eingeweiht. Papst Johannes XXIII. gründete dann 1962 mit
dem Motu Proprio "Fidei Propagandae" die Universität.
Fides: Und heute?
P. Fidel: Heute gehören insgesamt fünf Kollege zu "Propaganda
Fide", von denen das Päpstliche Urbano-Kolleg das erste
war. Das größte Kolleg ist das Urbano-Kolleg, das von
Theologiestudenten aus rund 50 Ländern der Welt besucht wird,
die größtenteils aus Asien und Afrika stammen. Ihre
Anwesenheit am Kolleg bringt die missionarische Ausrichtung dieses
Kollegs zum Ausdruck, das sich im Namen der Kongregation für
die Evangelisierung der Völker in den Dienst der Missionskirche
und deshalb auch des Heiligen Vaters stellt. Das Urbano-Kolleg
bringt das missionarische Wesen der Kirche überall zum Ausdruck:
Zielsetzung, Lebensstil, Mittel und die spezifische Ausbildung
sind darauf ausgerichtet. Das Kolleg "San Pietro" und
das Kolleg "San Paolo" sind jeweils für unterschiedliche
theologische Spezialisierungen bestimmt und am Kolleg Mater Ecclesia
in Castelgandolfo werden etwa 100 Ordensleute und Laien, die größtenteils
aus den jungen Kirchen stammen, zu Katecheten ausgebildet. Das
Foyer "Paulo VI." ist ein Kongregationen übergreifendes
Institut, in dem rund 100 Schwestern aus unterschiedlichen Kongregationen
wohnen, die jeweils an den verschiedenen theologischen Fakultäten
der Päpstlichen Urbaniana-Universität studieren. Mit
einem Wort, bilden die verschiedenen Päpstlichen Kollege
der Kongregation für die Evangelisierung der Völker
in Rom, eine "Missions-Familie", der etwa 1000 Personen
angehören, Männer und Frauen, die ihr sich Christus
und seiner Kirche für die Mission geweiht haben. Sie alle
unterstehen der Kongregation für die Evangelisierung der
Völker und deren Präfekt, Crescenzio Kardinal Sepe.
(Fidesdienst, 28/11/2002)
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