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Das Konzil von Trient, das 1563 zu Ende ging und Normen für den
Heiligen- und Reliquenkult festlegte, hatte die Verbreitung der Weihnachtskrippen
als Ausdruck des Volksglaubens begrüßt. Die Jesuiten, ein
neuer Orden, der beim Konzil selbst gegründet worden war, bemächtigten
sich dieser Tradition so sehr, dass es fast zu einer Monopolisierung
kam: in ihren Händen wurde die Krippe zu einem Lehrmittel zur
Wiedereroberung der reformierten Länder und zur Glaubensverkündigung
in der kurz zuvor entdeckten so genannten Neuen Welt.
Die katholische Krippe des Mittelmeerraums wurde somit zum Gegenstück
des der Legende nach von Martin Luther eingeführten nordischen
und protestantischen Christbaums; außerdem entfernte sich die
Weihnachtkrippe, durch die nach dem Geschmack der Jesuiten gestalteten
Darstellungen, zunehmend von der ursprünglich einfachen Darstellung
des Weihnachtsgeschehens des heiligen Franziskus.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts traten jene bühnenbildnerischen
Elemente auf, die die Gestalt der Krippe revolutionieren sollten.
Die Weihnachtskrippen wurden zum Spiegel der Kultur, in der sie entstanden
und zeigten sehr wahrheitsgetreu das Alltagsleben dieser Zeit und
dessen lebendigste Aspekte; hinzu kamen ungewöhnliche und exotische
Gestaltungselemente der für die Barockzeit typischen fantastischen
Erfindung.
Gleichzeitig wurden Weihnachtskrippen nicht mehr nur in Kirchen aufgestellt,
sondern auch in den Häusern der Adelsfamilien und wohlhabender
Bürger, wo diese als luxuriöser Einrichtungsschmuck galten,
der alljährlich mit immer wieder neuem Aussehen auf- und abgebaut
wurde.
Große feststehende Statuen wurden durch kleine Holzfiguren ersetzt,
die zum Teil auch Strohelemente enthielten und deren Kopf und Gliedmaßen
aus Ton, Wachs oder Holz waren. Die Benutzung solcher Krippenfiguren
ermöglichte den Aufbau in den Privatwohnungen. Seither gab es
Weihnachtskrippen nicht mehr nur in der monumentalen und statischen
Darstellungsform der Kirchenkrippen. |