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Frankreich: Die provenzalische Krippe
Viele Kunsthistoriker, die den heiligen Franz von Assisi als Erfinder
der Weihnachtskrippe betrachten, die These vertreten, dass dieser
damit von seiner aus dem französischen Ort Beaucaire stammenden
Mutter Pica eine Tradition übernahm, die bereits im damaligen
13. Jahrhundert in der französischen Provence existierte, so
ist auch nicht zu leugnen, dass die provenzalischen Krippen des 18.
und 19. Jahrhunderts der italienischen Krippentradition viel verdanken.
Auch die französische Bezeichnung für Krippenfiguren der
Weihnachtskrippen des 19. Jahrhunderts, die „santons“
genannt werden, auf den Ruf „Santini, Santini, belli“
zurückzuführen ist, mit dem aus dem italienischen Ort Lucca
stammende Verkäufer im südfranzösischen Marseille ihre
Figuren verkauften, die anfangs Heilige darstellten.
Provenzalische Krippen können heute in den Kirchen von Marseille,
Aix en Provence und Avignon besichtigt werden. Sie entstanden im 18.
Jahrhundert und sind vom italienischen Barock beeinflusst. Es wurden
vorwiegend Holzfiguren mit Köpfen und Händen aus Ton oder
Wachs benutzt, die ebenfalls nach italienischem Vorbild hergestellt
wurden; später verbreitete sich der Brauch, Weihnachtskrippen
in einem Holz- oder Papierkästchen aufzubewahren, was in etwa
der sizilianischen „scaffarata“ entspricht.
Zur selben Zeit verbreiteten sich auch die sogenannten „crèches
parlants et mécanisées“, die an die mittelalterlichen
Krippenspiele erinnerten und eine Art Marionettentheater waren, die
während der Weihnachtszeit aufgestellt wurden und die verschiedenen
Ereignisse des Weihnachtsgeschehens nachspielten, wobei sich das Christkind
am Schluss aus der Krippe erhob und den Zuschauern den Segen erteilte.
Sowohl die Weihnachtskrippen in Kirchen und Adelshäusern als
auch die „crèches parlants“ verschwanden während
der Zeit der Französischen Revolution; erst nach dem Konkordat
zwischen Papst Pius VII. und Napoleon Bonaparte, gab es eine neue
Blütezeit der Krippentradition.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann der Krippenfigurenhersteller
Jean Louis Lagnel nach dem Vorbild der „santon“, Figuren
herzustellen, die für alle erschwinglich waren: dieser wurden
erstmals 1803 auf dem Weihnachtsmarkt in Marseille verkauft. Seither
war die Weihnachtskrippe auch unter dem einfachen Volk üblich.
Lange Zeit weigerten sich die Krippenfigurenhersteller jedoch das
Christkind als „santon“ herzustellen: um den Unterschied
zwischen dem Menschen und dem Göttlichen hervorzuheben, wurde
das Christkind noch lange als Wachsfigur geformt. |