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Fides News 2004
Die Geschichte der Krippen
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Die neapolitanische Krippe
Nachdem die mittelalterliche Symbolik verschwunden war, entstand in Neapel gegen Mitte des 16. Jahrhunderts die moderne Weihnachtskrippe. Der Überlieferung nach soll der heilige Gaetano von Thiene, der vom Weihnachtsgeschehen fasziniert war, 1534 im Oratorium „Santa Maria della Stalletta“ des neapolitanischen Krankenhauses „Gli Incurabili“ erstmals ein Weihnachtskrippe mit festen Holzfiguren mit den damals typischen Gewändern aufgestellt haben. Nach dem Beispiel dieser ersten Krippe wurden im Lauf des gesamten 16. Jahrhunderts in zahlreichen neapolitanischen Kirchen und Klöstern Krippen aufgesellt. Doch erst im darauf folgenden Jahrhundert gab es die ersten Weihnachtskrippen mit beweglichen Figuren, die erstmals von den Scolopiner Patres im Jahr 1627 benutzt wurden. An dieser Stelle sollte auch an die von der Baronin Orsini in Auftrag gegebene Krippe in der Kirche „Santa Maria in Portico“ und an die von dem Krippenbauer Ceraso für die Kirche „San Gregorio Armeno“ gebaute Krippe erinnert werden. Doch die Blütezeit der neapolitanischen Krippenkunst war das 18. Jahrhundert: Unter Karl III. der Bourbonen wurde die Stadt Hauptstadt eines unabhängigen Reichs, nachdem sie über 200 Jahrhunderte Lang spanische Provinz gewesen war, und gehörte von da an zu den wichtigsten europäischen Städten, die vor allem durch das Gönnertum ihres Königs zu einer kulturellen und künstlerischen Blüte heranwuchs, zu deren großartigsten Ausdrucksformen auch die Krippenkunst gehören sollte.
Ein wahres Krippenfieber, eine Art kollektiver Spleen sollte im Neapel des 18. Jahrhunderts alle anstecken, mit dem König an der Spitze. Karl III. war selbst von der Mechanik begeistert und ein geschickter Handwerke, der mit Hilfe der Architekten und Bühnenbildnern seines Hofes, die Schlosskippe gestaltete, während Königin Maria Amalie mit ihren Hofdamen die Kleider der Krippenfiguren anfertigte, die in einer wahren Theaterschneiderei nach kleinsten Schnitten mit Stoffen hergestellt wurden, die aus der königlichen Weberei in S. Leucio kamen. Unter neapolitanischen Adlige und wohlhabenden Bürgern entstand eine Art Wettbewerb der schönsten und aufwändigsten Krippen, bei deren Herstellung keine Kosten gescheut wurden. Die schönsten Krippen wurden vom König besucht.
Neapolitanische Krippen aus dem 18. Jahrhundert können dank wertvoller Schenkungen heute in den wichtigsten italienischen und ausländischen Museen besichtigt werden. Zu den wichtigsten und größten heute zu besichtigenden Krippen gehört die Krippe des 1899 verstorbenen Schriftstellers Michele Cuciniello, die als Schenkung an die Stadt Neapel heute im Krippenmuseum der Burg „San Martino“ in Neapel zu sehen ist. Eine ebenso aufwändig gestaltete Weihnachtskrippe aus dieser Zeit befindet sich im Schloss von Caserta. Weitere wichtige neapolitanische Krippen sind in Museum von Avellino und in der Kirche „SS. Cosma und Damiano“ in Rom zu sehen. Weihnachtskrippen neapolitanischer Krippenbauer werden auch im Nationalmuseum in München und im Metropolitan Museum in New York sowie in zahlreichen Privatsammlungen zu Beispiel der Barone Leonetti und der Familie Catello aufbewahrt.

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