| DIE GESCHICHTE VON TITI,
DER KLEINEN KRIEGERIN |
Titi Bahyoh war Kindersoldatin in Sierra Leone. Sie erzählte
ihre Geschichte dem Xaverianer Missionar Pater Bepi Berton, der sich
seit vielen Jahren um die Rehabilitation von Kindern kümmert,
die von Kriegen betroffen sind. Titi musste sieben Jahre lang in den
Reihen der RUF kämpfen. Mehrmals hat sie die Flucht versucht,
doch jedes Mal wurde sie geschnappt und bestraft.
Schliesslich brannten die Rebellen ihr ihren STempel in ihre Brust
eingebrannt. So klein sie war, musste Bondo, so lautet ihr wahrer
Name, den Frauen helfen, die in den Basislagern das Essen vorbereiteten
und in Nächtlichen Aktionen diese Lebensmittelrationen transportieren.
Im Laufe der Jahre wurde Bondo-Titi nicht mehr nur als Haushaltshilfe
eingesetzt sondern musste als Heranwachsende den Soldaten auch als
Konkubine dienen bis es ihr gelang, im Laufe eines Gefechts zu flüchten
und zu ihrer Familie nach Freetown zurückzukehren. Die Brandmarke
der Rebellen konnte durch zwar durch eine chirurgische Operation entfernt
werden, doch diese hat eine grosse Narbe hinterlassen.
Die Geschichte von Titi hat ein Happy End: sie konnte nach Hause zurückkehren.
Doch für die meisten Kindersoldaten bedeutet das Tragen einer
Waffe das endgültige Ende ihrer Kindheit. |
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Über 300.000 Kinder im Alter unter
18 Jahren müssen auf der ganzen Welt in Kriegen kämpfen.
Tausende kleiner Soldaten haben wurden in den vergangenen zehn Jahren
sowohl in regulären Armeen als auch in bewaffneten Banden der
Opposition als Soldaten eingesetzt und starben bei Gefechten. Die
meisten sind 15 bis 18 Jahre alt, doch es werden auch 10jährige
Kinder rekrutiert und tendenziell sinkt das Durchschnittsalter der
Kindersoldaten.
Auch hier steht Afrika an erster Stelle unter den Kontinenten, die
von diesem schrecklichen Phänomen betroffen sind: im April vergangenen
Jahres sprach die rEgierung in Maputo von 120.000 Soldaten im Alter
utner 18 Jahren. Doch auch in Asien, Amerika und Europa werden Soldaten
im Kindesalter rekrutiert und ausgebldet.
Die Geschichte der Kindersoldaten ist lang. In den vergangenen 25
Jahren wurde der Einsatz von Kindersoldaten in Konflikten in 25 Ländern
dokumentiert. Oft wird ihre Teilnahme an Gefechten offiziell hinter
dem Deckmantel der „Botendienste“ verheimlicht, doch vor
allem Missionare haben insbesondere in Sierra Leone öffentlich
auf den Einsatz von Kindern im Bürgerkrieg hingewiesen.
In Äthiopien müssen Auch Mädchen in Kriegen kämpfen
und ihre Zahl wird auf 25-30% der bewaffneten Opposition geschätzt.
Oft melden sich Kinder und Jugendliche auf „freiwillig“
, um sich das eigene Überleben zu sichern, weil sie aus armen
Familien stammen oder gar kein Zuhause besitzen: allein 1997 haben
sich in der Demoktratischen Republik Kongo 5.000 Kinder als Soldaten
gemeldet, nachdem sie über das Radio von dieser Möglichkeit
erfahren hatten.
In einem der zahlreichen verheimlichten Kriege, der in Myanmar zu
einem unendlichen Morden zwischen den verschiedenen Volksgruppen des
Landes führt, werden Kinder in die Minenfelder geschickt: mit
diesem kaum vorstellbaren grausamen System werden dort Landminen entschärft.
Die Namen dieser Kinder werden wir nie erfahren, denn in diesen und
vielen anderen Situationen, in denen Kinder „ausgebeutet“
werden, wird ihr Status als „Minderjährige“ bis zuletzt
ausgenutzt: sie werden verkauft, sich selbst überlassen oder
gequält, weil ihre Stimme nicht zählt. Ihrer Stimme wird
weder Gehör noch Glauben geschenkt.
Am traurigsten ist die Tatsache, dass das Phänomen trotz wiederholter
Klagen und Denunzierungen in den vergangenen Jahren stetig zugenommen
hat und zwar infolge der veränderten Natur vieler Kriege, bei
denen es sich heute um ethnische, religiöse oder nationalistische
Konflikte handelt.
Die so genannten „Kriegsherren“, die die Fäden der
jeweiligen Streitkräfte in ihren Händen halten, lassen sich
von den Artikeln der Genfer Konvention über die Rechte der Kinder
nur wenig beeindrucken, sie sehen vielmehr die Vorteile dieser Arbeitskräfte,
die sie mit Kost und Unterhalt ködern können.
Leichtere Waffen können auch von 10jährigen Kindern benutzt
werden, die zum Beispiel ein AK-47-Gewehr mit der Leichtigkeit eines
Erwachsenen bedienen.
Kinder sterben, Kinder täten.
In jedem Fall sind sie Opfer. Im vergangenen Jahrzehnt starben über
2 Millionen Kinder in Kriegen und über sechs Millionen sind heute
behindert oder leiden an den Folgen schwerer Verletzungen, eine Million
Kinder sind Kriegswaisen, die ihre Eltern im Chaos der Kriege verloren
haben. Rund 20 Millionen Kinder haben kein Zuhause. Jedes Jahr werden
9.000 Kinder von Anti-Personen-Minen verletzt oder getötet. |