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Welche
Zukunft haben die Christen im Irak |
Der muslimische Fanatismus gefährdet das Überleben
der christlichen Gemeinde im Irak. Es folgen eine Liste des Schreckens
und mehrere Berichte zur Lage im Irak, die der Fidesdienst in der
Hoffnung veröffentlicht, dass das Zusammenleben und der Frieden
wieder möglich sein werden.
ASIEN/IRAK - Welche Zukunft haben
die Christen im Irak, wenn das Morden und die Massaker weitergehen?
Der Fidesdienst veröffentlicht eine „Liste des Schreckens“
mit den Namen der Christen, die dem islamischen Fanatismus im Irak
zum Opfer fielen
Bagdad (Fidesdienst) - Das letzte Opfer in chronologischer
Reihenfolge ist ein Mädchen aus einer chaldäischen Familie
in Bagdad. Sie wurde von einer islamischen Terrorgruppe verschleppt,
die von der Familie Lösegeld forderte. Doch die Eltern konnten
die geforderte Summe nicht zahlen. Deshalb wurde das Mädchen
am 14. Oktober kaltblütig ermordet. Die Leiche des Kindes wurde
der Familie zugeschickt. Die Familie ist heute vom Schmerz zerstört.
Dies ist nur eine von vielen Geschichten über das unsagbare
Leid der christlichen Familien im Irak: Mindestens 88 irakische
Christen wurden nach Angaben von Radiosendern, Zeitschriften und
Websites im Internet, die die Situation der Christen im Irak beobachten,
seit April 2003 von integralistischen Gruppen ermordet. Es folgt
eine „Liste des Schreckens“, die hauptsächlich
auf den von dem in Arabisch erscheinenden Website www.ankawa.com
und der irakischen assyrischen Zeitschrift Zauaa gesammelten Daten
basiert.
Die Kommentare der irakischen und arabischen christlichen Presse
bringen die Sorge der Christen im Irak zum Ausdruck. Deshalb bitten
die Autoren in ihren allarmierenden Appellen um den Schutz der Behörden
und das Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft, denn
sie fragen sich: Welche Zukunft haben die Christen im Irak, wenn
das Morden und die Massaker weitergehen? (PA) (Fidesdienst, 16/10/2004)
Die „Liste des Schreckens“
>>
ASIEN/IRAK - Das Leben der Christen in Mossul ist
ein Albtraum: Fundamentalistische Milizen entführen und morden
– Eine Ordensschwester berichtet: „Einige Imam predigen,
dass sich der Mörder eines Christen vor Gott nicht schuldig
macht“
Mossul (Fidesdienst) – „Die Situation ist sehr schlimm.
Christen leben in ständiger albtraumgleicher Angst vor einem
Überfall auf die eigenen Wohnung, Entführungen und Mord
durch radikale islamische Terroristen. Mossul war einst eine sehr
ruhige Kleinstadt, heute ist das Leben für uns hier unmöglich
geworden“, so eine irakische Ordensschwester, deren Namen
wir aus Sicherheitsgründen nicht nennen, im Gespräch mit
dem Fidesdienst.
„Für die Überfälle sind bewaffnete islamische
Gruppen verantwortlich. Sie dringen in die Häuser von Christen
ein und nehmen sich, was sie wollen, verschleppen Menschen oder
ermorden sie. Dafür sind auch einige Imam verantwortlich, die
predigen, dass sich der Mörder eines Christen vor Gott nicht
schuldig macht“, so die Ordensschwester gegenüber dem
Fidesdienst.
Die Schwester berichtet von ihre eigenen Erfahrung: „Es findet
eine wahre Menschenjagd statt, und das leben der christlichen Familien
hat sich in einen Albtraum verwandelt. Vor einigen Tagen wurde einer
meiner Verwandten aus einer Wohnung verschleppt und fünft Tage
lang von seinen Entführern festgehalten. Sie wollten ihn zum
Islam bekehren und drohten ihm mit Folter. Er hat durchgehalten
und die Familie hat schließlich ein Lösegeld bezahlt,
damit der junge Mann freigelassen wurde. Doch viele andere junge
Männer wie er kommen nicht mehr frei und werden ermordet.“
„Die Familien“, so die Ordensfrau, „werden bedroht
und terrorisiert. Überall herrscht Chaos und das geht vor allem
auf Kosten der Christen, auch weil sich diese nicht wehren und als
friedliebende Menschen keine Waffen besitzen. Viele Familien schicken
ihre Kinder nicht zur Schule und christliche Frauen verlassen die
Wohnung nicht mehr. Ein chaldäischer Priester wurde bedroht
und gezwungen die Stadt zu verlassen, nachdem er einen ermordeten
christlichen Jugendlichen beerdigt hatte, Aus diesem Grund verlassen
weiterhin viele Christen den Irak. Sie fliehen nach Syrien und Jordanien
oder in die kurdischen Gebiete im Nordirak.“
„Es gibt weder Polizei noch andere staatliche Behörden,
die diese anarchische Situation kontrollieren könnten. Die
Namen vieler Mitglieder der integralistischen Milizen sind bekannt,
doch niemand unternimmt etwas gegen sie. Und auch unsere muslimischen
Freunde, unsere Nachbarn, friedliebende Menschen, können nichts
tun. Es bleibt uns nichts anderes als das Gebet: Nächsten Sonntag
werden wir gemeinsam für die Überwindung der Gewalt und
für die Familien der Opfer beten“.
Bereits im Dezember 2003 hatte der Fidesdienst auf die Zunahme des
islamischen Drucks auf die christliche Gemeinde in Mossul hingewiesen.
Vor einem Jahr waren bewaffnete Männer in die Gebäude
des Chaldäischen Patriarchats der Stadt eingedrungen. Zuvor
hatte es andere Einschüchterungsakte gegeben. Der Patriarch
hatte Drohbriefe erhalten, in denen allen Christen, die sich nicht
zum Islam bekehrten mit Mord gedroht wurde. Christliche Religionsführer
appellierten an die Bürger Mossuls mit der Bitte Extremisten
und Gewalttätige zu isolieren. (PA) (Fidesdienst, 14/10/2004
– 39 Zeilen, 460 Worte)
ASIEN/IRAK - Ein Bericht über das Leben der irakischen
Christen: Sie möchten zur Beendigung der Gewalt und der Bedrohung
betragen und ein friedliches Zusammenleben fördern, …
doch wie soll das angesichts der gegenwärtigen Lage geschehen?
Bagdad (Fidesdienst) – Zur Situation der Christen im Irak
schreibt der syrisch-katholische Priester Nizar Semaan in einem
Bericht für den Fidesdienst: „Viele Christen haben Angst,
vor allem diejenigen, die von radikalen Gruppen bedroht werden,
die in Mossul auch am hellen Tag nicht aufgehalten werden, denn
die einheimische Polizei ist bisher nicht in der Lage etwas dagegen
zu unternehmen. Diese Gruppen zerstören die Gesellschaft und
das friedliche Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen. Es
handelt sich dabei um ein sehr ernstes Problem und wenn nicht bald
etwas dagegen unternommen wird, wird sich die Situation mit Sicherheit
verschlechtern“.
In den vergangenen Wochen wurden Dominikaterpatres in Mossul von
sunnitischen (wahabitische) Gruppen bedroht. Der ganzen christlichen
Gemeinde wurde befohlen die Stadt zur und ihre Besitztümer
zu verlassen. Die wenigen Christen, die ihre Geschäfte in Mossul
verkaufen wollen, finden keine interessierten Käufer, nachdem
der Imam in seiner Freitagspredigt sagte: ‚Kauft nichts von
Ungläubigen (Christen), denn sie werden bald die Stadt verlassen
und dann werden wir uns alles kostenlos holen, was sie haben’.
Ich habe einen muslimischen Bekannten, den ich als friedlichen Menschen
kenne gefragt, warum es soviel Gewalt gibt. Er antwortete mir, dass
er die ganze Woche über ruhig sei, aber wenn er zum Freitagsgebet
gehe und die Predigt des Imam höre, dann verliere er die Vernunft
und sein Herz erfülle sich mit Hass und Gewalt.
Auf den Straßen sind die Beleidigungen und das Verhalten der
Extremisten unerträglich geworden, vor allem gegenüber
christlichen Frauen und Mädchen. Junge christliche Frauen,
die zur Universität gehen müssen ein Kopftuch tragen,
damit sie dort eingelassen werden.
Dies ist für die Christen ein wahres Drama und alle fragen
sich: Wer nimmt uns in Schutz? Wenn wir uns an die Amerikaner wenden,
wird man uns als Kollaborateure und Verräter betrachten, die
den Tod verdienen. Wenden wir uns an die Kurden und bitten wir sie
um Schutz, wird man uns vorwerfen wir würden die Einheit des
Irak untergraben. Viele Muslime in Mossul, Menschen guten Willens,
sind mit diesen Drohungen nicht einverstanden, doch sie haben nicht
den Mut dies auszusprechen, wie sie um ihr Leben fürchten.
Der Bürgermeister hat diesen Gruppen mit Gewalt gedroht, sollten
sie weiterhin in der Stadt agieren und es bleibt zu hoffen, dass
etwas geschieht vor die Situation außer Kontrolle gerät.
Während der vergangenen Tage wurde ein bekannter muslimischer
Arzt ermordet. Aus Protest haben die Ärzte und Krankenhäuser
der Stadt einen dreitägigen Streik durchgeführt.
Viele Christen, darunter auch wohlhabende Bürger aus Bagdad
verlassen ihre Heimat und gehen nach Syrien oder Jordanien oder
in den Norden, wo sie auf den Schutz der Kurden zählen können.
Viele Ärzte, Ingenieure und Universitätsprofessoren haben
den Irak bereits verlassen, weil sie sich bedroht fühlen. Diejenigen,
die sich zum Bleiben entschlossen haben, werden immer wieder erpresst:
Wenn sie am Leben bleiben wollen, müssen sie dafür viel
Geld bezahlen. Es handelt sich um einen offenen Krieg gegen die
Menschen mit Talent und diejenigen, die sich für die Verbesserung
der Situation im Land einsetzen. Dies ist das Ziel der Extremisten:
sie wollen alle gebildeten Menschen und Unternehmer aus dem Irak
vertreiben und, damit die Terroristen freie Bahn haben. Auf diese
Weise wird der Irak in die Hände von ungebildeten und radikalen
Muslimen fallen.
Nicht nur in den großen Städten sondern auch in den Dörfern,
in denen die Christen einen Großteil der Einwohner ausmachen
gibt es dieselben Sicherheitsprobleme, Diese Dörfer sind von
kleinen muslimischen Zentren umgeben, in denen die Menschen mit
jeder Art von Waffen ausgerüstet sind, die sie sich aus den
ehemaligen Waffenlagern des Saddam-Regimes geholt hben. Wir besitzen
keine Waffen, denn wir glauben nicht an die Stärke der Waffen.
Doch wie lange werden die Christen nach mit gefalteten Händen
auf den Tod warten können? Ich möchte die internationale
Staatengemeinschaft und alle Menschen guten Willens darum bitten,
einzugreifen um ein wahres Massaker zu verhindern, wir dürfen
nicht warten bis es ein neues Darfur gibt. Wir müssen bald
etwas unternehmen, die Welt muss unser Leid verstehen. Wir möchten
in unserem Land bleiben. Denn ich frage mich: Wenn die Christen
das Land verlassen, was wird dann aus dem Irak? Es wäre bestimmt
eine finstere Zukunft, denn die Christen sind hier eine wichtige
Komponente, wenn es darum geht, die Demokratie aufzubauen“.
(LM) (Fidesdienst, 11/10/2004 – 55 Zeilen, 722 Worten)
ASIEN/IRAK - Ein dramatischer Augenzeugenbericht führt
uns nicht nur die grausame Tragödie des Todes vor Augen sondern
stellt uns auch vor die Frage … Was tun?
Ninive (Fidesdienst) – „Helft uns, sie bringen uns
um! Wir werden verfolgt“. Dieser dramatische Hilferuf stammt
von Christen aus dem Irak, wo eine chaldäische Familie aus
Al-Bakar in der Nähe von Mossul im Norden des Irak am Telefon
von ihrer Not berichtet.
Mitten in der Nacht wurde die katholische Familie von Mazen Sako
heute gegen 3.00 Uhr von einer Gruppe schwarz gekleideter muslimischer
Fanatiker überfallen, die der Familie drohten: „Wir werden
euch ausrotten: Dies ist das Ende für euch Christen“.
Mazen Sako versuchte sich zwar zu wehren, doch es gelang ihm nicht
das Vorhaben der Eindringlinge zu verhindern: vor seinen Augen wurde
sein zehnjähriger Sohn Majed ermordet.
„Dies ist nur eines von Dutzenden solcher Übergriffe
auf Christen, die derzeit im Irak verübt werden. Doch niemand
spricht darüber, denn alle haben Angst“, berichten Augenzeugen
aus dem Irak gegenüber dem Fidesdienst, „Auch christliche
Frauen aus Ninive werden von muslimischen Fundamentalisten bedroht.
Sie werden vor allem während des muslimischen Fastenmonats
Ramadan gezwungen, einen Schleier zu tragen“.
„Erst vor wenigen Tagen wurden sieben junge Christen in Bagdad
ermordet. Da fragt man sich: Welche Zukunft haben Christen im Irak?
Wer wird sich um sie kümmern? Über 40.000 Christen sind
nach dem Attentat auf verschiedenen Krchen Anfang August bereits
nach Syrien geflüchtet. Was sollen wir tun? Wir müssen
um unser Leben bangen“.
Die Kleinstadt Ninive hat rund 25.000 Einwohner, bei denen es sich
größtenteils um chaldäische Katholiken handelt.
Während des Krieges im vergangene Jahr haben 10.000 Christen
Bagdad verlassen und in der Stadt Zuflucht vor der Gewalt gesucht.
Damals hatten sich viele dieser Flüchtling solidarisch angenommen
… was geschieht heute? (Fidesdienst, 6/10/2004 – Zeilen,
Worte)
ASIEN/IRAK - Der erste Schultag im Irak: Aus den alten
Schulbüchern wurden die Seiten mit Fotos von Saddam Hussein
herausgerissen. Ein Augenzeuge berichtet
Bagdad (Fidesdienst) – Der im Irak tätige syrisch-katholische
Pfarrer Nizar Semaan schrieb für den Fidesdienst folgenden
Bericht aus dem Norden des Landes.
„Es ist 7.45 Uhr morgens und ich stehe vor dem Eingang der
Grundschule. Viele Schüler freuen sich, was man an einem Lächeln
in ihrem Gesicht erkennt, andere sind noch müde und haben keine
Lust zum Reden. Viele haben keine Schultasche dabei, weil sie noch
keiner Bücher und Hefte haben. Andere, die eine Schultasche
mit sich tragen haben nur ein Heft oder einen Stift eingepackt.
Die meisten sind gut gekleidet.
Ich spreche einen elfjährigen Jungen an, und frage ihn, wie
er über das neue Schuljahr denkt. Er antwortet: „Ich
wünsche mir, dass die Lehrer uns dabei helfen, gute Leistungen
zu bringen, denn ich möchte einmal Ingenieur werden, damit
ich die Stromversorgung im Irak mit aufbauen kann“. Daraus
wird deutlich, wie sehr die Iraker seit 10 Jahren darunter leiden,
dass es keine Stromversorgung gibt.
Ein sechsjähriger gut gekleideter Junge erklärt mit einem
Lächeln, er wolle selbst einmal Lehrer werden. Ein neunjähriges
Mädchen, die letztes Jahr Klassenbeste war bekräftigt
mit ernster Mine: „Ich möchte nur, dass man mich lernen
lässt, ich wünsche mir, dass es Frieden für alle
gibt und ich möchte einmal Ärztin werden, damit ich Verletzte
und Kranke heilen kann“.
Alle Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren, mit denen
ich mich unterhalte, kennen keine Angst, alle sind froh, dass sie
zur Schule gehen dürfen. Die Kinder der Mittel- und Oberstufe
überraschen mich, denn ich muss feststellen, dass sie auch
über Politik Bescheid wissen und die Situation im Land sehr
genau analysieren. Alle wünschen sich vor allem Sicherheit
im Land, damit sie ihre schulische Ausbildung fortsetzen können:
„Wir haben keine Angst, vor denen, die uns umbringen wollen,
wir leben einfach weiter und glauben fest daran, dass wir dieses
Jahr unser Lernpensum schaffen werden“.
„Hoffentlich sind unserer Lehrer demokratischer geworden.
Ich liebe die Demokratie, auch wenn ich nicht genau weiß,
was es bedeutet, doch ich bin fest davon überzeugt, dass sie
besser ist als die Diktatur“, bekräftigt einer der Schüler.
Alle sind davon überzeugt, dass sie lernen müssen, damit
sie zum Aufbau des neuen Irak beitragen können. Ich frage sie
„Welchen Irak?“. Sie antworten: „einen Irak des
Friedens und des Respekts für jeden Menschen. Vor der Schule
für Mädchen spreche ich mit einer 15-Jährigen: „ES
ist nicht einfach, unter solchen Bedingungen zu lernen, doch wir
müssen es dun, denn unser Land braucht uns. Wir sind die Zukunft
des Landes und müssen in der Lage sein, uns in seinen Dienst
zu stellen. Wir haben keine Angst und hoffen, dass sich die Situation
dieses Jahr bessern wird.“
Die Rektoren und Lehre der verschiedenen Schulen weisen vor allem
darauf hin, dass Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten notwendig
sind und dass es noch keine neuen Lehrbücher gibt. Ein Geschichtslehrer
betont, dass vor allem neue Geschichtsbücher notwendig seien:
„Ich wünsche mir Geschichtsbücher, in denen nicht
militärische Anführer im Mittelpunkt stehen, sondern all
jene Personen, die ihr Leben dem Frieden und der Demokratie gewidmet
haben“, betont er. Zur Zeit des Saddam-Regimes befand sich
auf den Umschlägen der Bücher in allen Fächern ein
Bild Saddams und auf den Umschlagseiten Zitate aus seinen Reden,
die die Schüler auswendig lernen mussten. Nach dem Sturz des
Regimes werden derzeit die alten Schulbücher weiter benutzt,
aus denen die Seiten mit den Fotos von Saddam und seinen Zitaten
herausgerissen wurden.
„Gewiss“, so ein Rektor, „eine Reform des Schulsystems
nimmt viel Zeit in Anspruch und es ist unter den derzeitigen Bedingungen
nicht einfach, doch wir hoffen, dass es uns trotzdem gelingen wird,
damit unsere Schüler mit einem neuen Geist aufwachsen können.
Auch weil der Zirka über große menschliche Ressourcen
im schulischen und erzieherischen Bereich verfügt.“ Da
die Sicherheitslage derzeit nicht vorhersehbar ist, werden keine
Vorhersagen gemacht: Die Iraker haben sich daran gewöhnt, von
einem Tag auf den anderen zu leben. Während der vergangenen
Tage wurde auch von möglichen Attentaten auf Schule gesprochen,
doch diesen Gerüchte möchte niemand wirklich Gehör
schenken.“ (Fidesdienst, 4/10/2004 – 54 Zeilen, 677
Worte)
ASIEN/IRAK - Es gibt nicht nur Bomben und Attentate. Ein
Augenzeuge beschreibt das Alltagsleben der Menschen im Irak
Bagdad (Fidesdienst) – Pfarrer Nizar Semaan ist vor über
einem Monat wieder in sein Land zurückgekehrt und beschreibt
die Situation im Irak wie folgt: „Es gibt zwar einige Probleme,
doch wir wollen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht ausgeben.
Das Hauptproblem ist derzeit die Sicherheitslage, gefolgt vom Mangel
an Arbeitsplätzen“.
„Der Wiederaufbau (von Wohnhäusern, Schulen und Straßen)
geht voran, doch darüber hinaus gibt es nicht viele Arbeitsplätze,
abgesehen von den öffentlichen Ämtern, wo es einige positive
Neuheiten zu verzeichnen gibt. Das Gehalt der Beamten ist besser
als zu Zeiten Saddams, als die Beamten 3.000 Dinar (umgerechnet
etwa 2 Dollar) im Monat bekamen, was nicht einmal für zwei
Kilo Fleisch reichte. Heute verdienen Beamte zwischen 250.000 und
300.000 Dinar, damit können sie gut leben“. „Die
besseren Gehälter haben sich positiv auf die einheimische Wirtschaft
ausgeübt“, so Pfarrer Semaan, „zahlreiche Beamten
renovieren heute ihre Wohnungen, nachdem sie sich während der
vergangenen 15 Jahre weder Möbel noch Haushaltsgeräte
leisten konnten“.
Das Alltagsleben der Menschen im Irak beschreibt Pater Nizar wie
folgt: „Das Leben geht weiter, die Schüler bereiten sich
auf das neue Schuljahr vor, auch wenn es immer wieder Gerüchte
über mögliche Attentate auf Schulen gibt. In meiner Heimatstadt
werden jeden tag 4 bis 6 Hochzeiten gefiert. Allein in der vergangenen
Woche haben 25 Paare geheiratet. Dieses Jahr wurden 200 neue Familien
gegründet.“
Zur Situation der Kirche erklärt Pfarrer Semaan: „Die
kirchliche Tätigkeit wird fortgesetzt und es finden regelmäßige
Treffen der Jugendgruppen und Katechismusstunden statt. Außerdem
werden neuen Sozialzentren eingerichtet und Computer- und Sprachkurse
angeboten.
Nach Ansicht von Pfarrer Semaan „sind die Menschen sechs Monate
nach dem Sturz Saddams davon überzeugt, dass dieser Wechsel
notwendig war“. „Ich habe mit Menschen jeder Altersgruppe
gesprochen und niemand trauert der Vergangenheit nach“, so
der katholische Priester. „Die Christen wünschen sich
eine bessere Zukunft für den Irak und sie glauben, trotz zunehmender
Angst vor dem muslimischen Extremismus, dass diese möglich
sein wird. In Mossul, wo es besonders viele muslimische Bewegungen
gibt, können unsere Mädchen nicht auf die Straße
gehen, ohne dass sie bedroht oder belästigt werden“.
Was die Sicherheitslage anbelangt, so bekräftig Pfarrer Semaan:
„Auch die Menschen in Bagdad haben sich daran gewöhnt
mit den Attentaten zu leben, die hier kein großes Aufsehen
mehr erregen. Eine oder zwei Stunden nach einem Attentat kehren
die Menschen zur Arbeit zurück und nehmen ihre normale Tätigkeit
wieder auf. Viele besitzen Waffen, manche benutzen sie um sich zu
schützen andere um sich Respekt zu verschaffen. Ein großes
Problem sind kriminelle Banden, die nichts mit der Politik zu tun
haben, sondern Geschäftsleute entführen und Lösegeld
verlangen. Dies ist in letzter Zeit auch in meiner Stadt drei- bis
viermal vorgekommen. Es werden Ärzte, Ingeneure, Universitätsprofessoren
und Anwälte entführt. Vor allem Personen die mit Amerikanern
oder Hilfswerken zusammenarbeiten sind bedroht und insbesondere
Christen, die für solche Organisationen arbeiten. (LM) (Fidesdienst,
30/09/2004 – 40 Zeilen, 480 Worte)
ASIEN/IRAK - „Schulreform zur Bekämpfung des
Extremismus im Nahen Osten“, fordert Pfarrer Nizar Semaan.
„Die Schule muss zum Frieden erziehen! Wenn ein Kind bereits
ab seinem sechsten Lebensjahr nur von Krieg und vom Mord an den
Feinden hört, dann braucht man sich nicht wundern, wenn 18-Jährige
zu Kamikazen werden“
Bagdad (Fidesdienst) – „Ich bin davon überzeugt,
dass eine Reform des Schulsystems zur Lösung des Problems des
muslimischen Extremismus im Nahen Osten beitragen würde“,
so der syrisch-katholische Pfarrer Nizar Seeman aus Mossul gegenüber
dem Fidesdienst. „Ich denke dabei an meine Erfahrung als Schüler
in öffentlichen Schulen im Irak zurück. Während meiner
15jährigen Schulzeit habe ich nie das Wort Frieden gehört.
Stattdessen brachte man uns bei, dass der Irak von Feinden umgeben
sei, von Iran, Israel und Syrien. Konzepte und Werte wie Frieden,
Zusammenleben, gegenseitiger Respekt waren vollkommen unbekannt.
Erst durch die Kirche und während der Jahre meiner Priesterausbildung
habe ich die Werte des Friedens und der Liebe kennen gelernt“,
so Pfarrer Semaan.
„Der Irak ist dabei kein Einzelfall: in der ganzen arabischen
Welt werden Schüler weiterhin bereits von frühester Kindheit
an zu Hass und Angst erzogen. Krieg wird dabei als Notwendigkeit
dargestellt“, so der irakische Priester. „Die neuen
irakischen Lehrpläne werden derzeit revidiert und es besteht
Hoffnung darauf, dass die Situation sich ändern wird, Wenn
es im Irak eine Veränderung gibt, wird dann auch in den anderen
arabischen Ländern etwas geschehen? In meinem Innersten hoffe
ich dies, doch wenn ich mit der Vernunft darüber nachdenke,
dann habe ich einige Zweifel“.
„So versteht man auch, weshalb die Lehrmeister des Terrors
keine Schwierigkeiten haben, wenn es darum geht junge Menschen zu
rekrutieren, die sie zu menschlichen Bomben machen. Wenn ein Kind
bereits ab seinem sechsten Lebensjahr nur von Krieg und vom Mord
an den Feinden hört, dann braucht man sich nicht wundern, wenn
18-Jährige zu Kamikazen werden“, so Pfarrer Semaan.
„Trotz der vielen Opfer des Terrorismus dürfen wir nicht
Opfer einer Logik des Hasses werden. Hass und Angst bedeutet, dass
die Terroristen gesiegt haben. Ihr Ziel ist es nämlich Schrecken
und Angst zu verbreiten, die zu weiterem Hass führen, was in
einem Teufelskreis endet. Die Ketten des Hasse müssen gesprengt
werden, damit unsere Werte wieder gelten, nämlich Frieden und
Zusammenleben“, so der katholische Pfarrer. „Damit dies
geschieht, müssen wir uns bewusst machen, dass auch die jungen
Menschen, die sich in die Luft sprengen und damit andere Menschen
ermorden, selbst Opfer ihrer Anführer sind, die die im Nahen
Osten zutiefst verwurzelten religiösen Gefühle zu verbrecherischen
Zwecken manipulieren. Ich habe noch nie gesehen, dass ein Anführer
einer Terroristengruppe sich selbst in die Luft sprengt. Denn ganz
offensichtlich ist ihnen das eigenen Leben wichtiger als das dieser
jungen Menschen, die sie vorher auf diabolische Weise manipuliert
haben“.
„Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die Logik des Lebens
über die Logik des Todes siegen wird. Irgendwann werden diese
jungen Menschen, die sich dem Tod verschrieben haben, die Schönheit
des Lebens entdecken und den Gürtel mit dem Sprengstoff wegschmeißen“,
so Pfarrer Semaan. „Ich weiß zwar auch, dass dies noch
lange dauern wird und dass noch viel Blut vergossen werden wird,
doch die Logik der Gewalt wird nicht siegen können“,
so der Pfarrer weiter. „Wir Christen haben die Aufgabe unseren
Glauben und die Logik der Liebe zu verkünden. Unsere Märtyrer
haben ihr Leben hingegeben, damit andere leben können. Darin
unterscheiden sie sich von den so genannte Märtyrern, die sich
in die Luft sprengen um andere zu ermorden. Ein Konzept, dass im
Grunde nicht einmal islamisch ist, sondern nur eine Manipulation
des Islam darstellt“. (LM) (Fidesdienst, 02/09/04 –
45 Zeilen, 581 Worte)
ASIEN/IRAK - „Du sollst nicht töten! Ein Gebot,
das auch für den Islam gilt. Extremisten, die im Islam töten,
schänden die Religion, die sie angeblich vertreten“ so
ein irakischer Priester
Bagdad (Fidesdienst) – „Diese Menschen leben nicht
nach den Geboten Gottes. Sie machen sich zum Richter und Henker
und handeln dabei nach eigenen Gesetzen, die nichts mit der Religion
zu tun haben“, so der syrisch-katholische Pfarrer Nizar Semaan
aus Mossul im Gespräch mit dem Fidesdienst in einem Kommentar
zu den Hinrichtungen mehrerer Geiseln durch ihre Entführer
im Irak. „Sie vertreten dabei gewiss nicht den wahren Islam“,
so der Pfarrer. „Das Gebot „Du sollst nicht töten“
gilt für alle drei monotheistischen abrahamitischen Kirchen:
sowohl für das Judentum als auch für das Christentum und
den Islam. Wenn man unschuldige Geiseln tötet, dann hat das
nichts mit der islamischen Religion zu tun. Islamische Extremisten
ignorieren damit die Grundlagen der Religion, die sie auf willkürliche
Weise angeblich vertreten“.
„Was wollen diese Terroristen eigentlich? Den Irak befreien“,
fragt sich Pater Nizar. „Es scheint mir nicht, als ob sie
die Absicht hätten, einen neuen demokratischen Staat zu gründen,
sondern sie wollen uns vielmehr in die dunkle Zeit der Diktatur
zurückführen. Die irakische Bevölkerung braucht sie
nicht. Im Gegenteil, bei den meisten Opfern der Attentate handelt
es sich um unschuldige Iraker“.
Zur öffentlichen Ordnung im Irak unterscheidet Pfarrer Semaan
zwischen politischer und allgemeiner Kriminalität. „Die
große internationale Presse widmet den Geiselnahmen, deren
Opfer ausländischer Bürger im Irak sind, großes
Interesse, doch es gibt auch sehr viele Iraker, die von kriminellen
auf der Suche nach leichtem Verdienst entführt werden. Dabei
handelt es sich bei den Opfern meist um Angehörige von Freiberuflern,
Ärzten und Geschäftsleuten. Die Geiseln werden gegen Zahlung
eines Lösegelds freigelassen.“, so der irakische Priester.
Nach Ansicht von Pfarrer Nizar „ist der Anstieg der Kriminalität
auf den Beschluss Saddam Husseins zurückzuführen, rund
20.000 bis 30.000 Gefangenen kurz vor dem letzten Krieg freizulassen.
Diese Verbrecher haben sich nach ihrer Freilassung in Banden organisiert,
die nun im ganzen Land erpressen“.
„Die ehrlichen Menschen reagieren jedoch bereits darauf“,
so Pfarrer Semaan. „Die Menschen arbeiten mit der Polizei
zusammen und melden verdächtige Personen und Ereignisse, die
darauf schließen lassen, dass ein Attentat oder eine Entführung
vorbereitet wird. Es handelt sich dabei zweifelsohne um ein ermutigendes
Signal, auch wenn die Gewalt im Irak noch lange nicht zu Ende sein
wird. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass es in meinem
Land wieder Frieden geben wird.“
Ws die Situation der irakischen Christen anbelangt erklärt
Pfarrer Semaan: „Die Christen leiden unter der allgemeinen
Situation im Land, wie alle anderen Iraker. Doch das Leben geht
weiter. Ich möchte nur zwei kleine Beispiele nennen: der Eigentümer
der Möbelfabrik in Karakosh (christliche Kleinstadt mit 25.000
Einwohnern in der Nähe von Mossul, Nordirak, Anm. d. Red.)
erklärte mir, dass er alle seine Ehebetten ausverkauft hat,
weil so viele junge Menschen heiraten. Vergangene Woche wurden in
Karakosh 350 Jugendliche gefirmt. Dies ist ein Zeichen der Lebendigkeit
der christlichen Präsenz im Irak“ (LM) (Fidesdienst,
26/7/2004 – 40 Zeilen, 489 Worte)
ASIEN/IRAK - Auch nach der Bedrohung von Christen durch
Extremisten „findet keine Massenflucht statt“, bekräftigt
ein irakischer Priester. Sorge mit Blick auf das neue staatliche
Fernsehen, das nur den Islam berücksichtigt und den anderen
Religionen keine Aufmerksamkeit widmet
Bagdad (Fidesdienst) – „Es gibt keinen Massenflucht
von Christen aus dem Irak“, bekräftigt der syrisch-katholische
Priester Nizar Semaan, der als Pfarrer im Nordirakischen Mossul
tätig ist, gegenüber dem Fidesdienst. „Einige Medien
bereichten weiterhin von einer Auswanderungswelle unter den Christen,
doch mir ist nichts davon bekannt“, erklärt der katholische
Priester.
„Es gibt Menschen, die vorübergehend im Ausland Zuflucht
suchen, insbesondere im benachbarten Jordanien. Doch es handelt
sich größtenteils um reiche Leute aus allen religiösen
Konfessionen: es sind zwar Christen darunter, aber auch sunnitische
und schiitische Muslime. Die Sicherheitslage in Großstädten,
wie Bagdad und Mossul führt dazu, dass diejenigen, die die
Möglichkeit dazu haben, Zuflucht in kleineren Städten
suchen, die als sicherer gelten, oder gar im Ausland. Doch es geht
dabei nicht um ein endgültiges Verlassen des Irak“.
„Während der vergangenen Wochen hatte sich das Gerücht
verbreitet, dass die australische Botschaft in Bagdad Visa an Iraker
erteilt, die das Land verlassen wollen. Diese Nachricht wurde jedoch
von den australischen Behörden und von irakischen Priestern,
die in Australien tätig sind, dementiert. In diesem Land lebt
eine irakische Gemeinde, die für diejenigen, die unser Land
verlassen möchten, ein Anziehungspunkt sein könnte. Auf
jeden Fall handelt es sich dabei jedoch gegenwärtig um vereinzelte
Fälle“, so Pfarrer Nizar.
Nach Presseberichten sollen assyrische Christen von islamischen
Extremisten bedroht worden sein. Die Assyrer klagen auch darüber,
dass der neue staatliche Fernsehsender im Irak viermal am Tag Programme
ausstrahlt, die dem Islam gewidmet sind, und den anderen Religionen
im Irak keinerlei Aufmerksamkeit widmet. (LM) (Fidesdienst, 2/7/2004
– 24 Zeilen, 279 Worte)
ASIEN/IRAK - „Der Extremistenführer Sarkawi will
den Irak von den Ausländern befreien. Dann sollte er als erster
das Land verlassen, denn er ist kein Iraker und vergießt das
Blut unschuldiger irakischer Bürger“, so ein katholischer
Priester aus dem Nordirak
Bagdad (Fidesdienst) – „Wer hat ihn denn darum gebeten,
in unser Land zu kommen und das irakische Volk zu ‚verteidigen’,
indem er Blutbäder unter unschuldigen Zivilisten verursacht?“.
Der syrisch-katholische Pfarrer Nizar Semaan, der in Mossul im Norden
des Irak tätig ist, ist entsetzt angesichts der Anschlagserie
und Rebellenagriffen, bei denen mehreren irakischen Städten
fast hundert Menschen ums Leben gekommen sind.
„Der jordanische Extremistenführer Abu Mussab el Sarkawi,
der sich mit seiner Organisation zu den Angriffen bekannte, tut
so als ob er das irakische Volk vertreten und den Irak von den Ausländern
befreien wollte. Aber wer hat ihn darum gebeten? Welcher Iraker
ist damit einverstanden, dass durch diese Verbrecher andere Iraker
ums Leben kommen? Wie kann er sich erlauben, dem irakischen Ministerpräsident
mit Mord zu drohen?“, fragt sich Pfarrer Semaan. „Sarkawi
will den Irak von den Ausländern befreien. Dann sollte er als
erster das Land verlassen“, fordert er. „Diese Verbrecher
haben sich den Irak als Schlachtfeld für einen Krieg ausgesucht,
der nicht der Krieg der Iraker ist. Wir sind der Gewalt und des
Todes müde. Wir wünschen uns Möglichkeiten zum Wiederaufbau
unseres Landes“.
„Das was im Irak geschieht, betrifft die ganze arabische Welt,
denn diese Terroristen kommen aus verschiedenen arabischen Ländern“,
so Pfarre Semaan. „In diesem Zusammenhang werden ich nie müde
werden, die Führungskräfte der arabischen Welt um eine
Verurteilung des Terrorismus zu bitten, was sie bisher noch nicht
getan haben“. „Im Gegenteil“, so der katholische
Priester weiter, „arabische Medien berichten in triumphierenden
Tönen über diese Ereignisse. Vielmehr sollten Verwandte
und Häuptlinge der Volksstämme das Vorgehen von Leuten
wie Sarkawi öffentlich verurteilen. In der arabischen Gesellschaft
bedeutet das Urteil des eigenen Vaters oder des eigenen Clans Isolierung.
Auf diese Weise würden diese Terroristen isoliert und sie wären
nicht mehr in der Lage neue Anhänger zu rekrutieren“.
(LM) (Fidesdienst, 25/6/2004 – 27 Zeilen, 331 Worte)
ASIEN/IRAK - „Ich wünsche mir, dass die jungen
Menschen im Irak bleiben“. Appell des irakischen Priesters
Bashar Warda
Bagdad (Fidesdienst) – „Junge Menschen bleibt im Irak
und tragt zum Fortschritt unserer Gesellschaft bei!“, appelliert
der 32jährige aus Bagdad stammende Priester Bashar Warda, der
am Babel College for Philosophy and Theologe in der irakischen Hauptstadt
unterrichtet. Das Ökumenische Institut, das Priesteramtskandidaten
der verschiedenen christlichen Konfessionen ausbildet, wird derzeit
von rund 280 Studenten besucht.
Während es im Land weiterhin zu Gewalt und Mord kommt, wovon
auch Regierungsvertreter nicht verschont bleiben, fordert Pfarrer
Bashar, der auch das Sekretariat für humanitäre Hilfen
der katholischen Kirche im Irak leitet, in einem Schreiben, das
das katholische Hilfswerk „Kirche in Not/Ostpriesterhilfe
zitiert, die Gläubigen seines Landes zum Engagement für
den Aufbau des neuen Irak auf, wobei er sich mit dieser Bitte insbesondere
an die jungen Bürger des Landes widmet.
Vor allem betont der katholische Priester in diesem Zusammenhang
auch die Absicht der katholischen Kirche, junge Menschen bei ihrem
menschlichen, kulturellen und geistlichen Wachstum zu begleiten.
Zu diesem Zweck sollen im ganzen Land Pastoral- und Sozialzentren
entstehen, die vor allem für junge Menschen gedacht sind. Ebenso
wichtig sei die Ausbildung junger Priester und Katechisten zur „Fortführung
unseres Engagements und unserer Pastoraltätigkeit im Irak“.
Pfarrer Warda weist auch darauf hin, dass die Christen sich mit
der irakischen Bevölkerung vereint fühlen, wobei das wachsende
Engagement christlicher Bürger in der irakischen Gesellschaft
„Anlass zu großer Hoffnung“ sei.
In seinem Schreiben ruft der katholische Priester zu Hoffnung und
Versöhnung im Land auf und erinnert daran, dass jeder Einzelne
die eigene Verantwortung für die Vergangenheit, die Gegenwart
und die Zukunft des Landes übernehmen sollte. (PA) (Fidesdienst,
17/6/2004 – 26 Zeilen, 268 Worte)
ASIEN/IRAK - CHRISTEN APPELLIEREN AN DIE EINWOHNER VON MOSUL:
„LASST NICHT ZU, DASS EINE EXTREMISTISCHE MINDERHEIT DAS JAHRHUNDERTE
ALTE BILD DER RELIGIÖSEN TOLERANZ UND DES FRIEDLICHEN ZUSAMMENLEBENS
IN DER STADT ZERSTÖRT“
Bagdad (Fidesdienst) – Der Druck, den muslimische Extremisten
auf die christliche Gemeinde in Mosul (Nordirak) ausüben, nimmt
zu. Wie Beobachter gegenüber dem Fidesdienst berichten, sollen
letzte Woche mindestens 10 bewaffnete Männer während der
Nacht in das Chaldäische Patriarchat in Mosul eingedrungen
sein. Dabei soll zwar noch nicht keine Gewalt ausgeübt worden
sein, doch man soll den Anwesenden gedroht haben: „Seht ihr,
wir können euch jederzeit treffen, wenn wir wollen“.
Dieser Episode war eine Reihe von Einschüchterungen vorausgegangen,
darunter auch Drohbriefe, die unter der Eingangspforte der Bischofsresidenz
des chaldäischen Bischofs hindurch geschoben worden waren.
In den Drohbriefen wurde die Ermordung von Christen in Aussicht
gestellt, sollten sich diese nicht zum Islam bekehren oder sie enthielten
Telefonnummern, unter denen ein Anrufbeantworter zur Bekehrung aufforderte.
Unterdessen appellierten die christlichen Religionsführer an
alle Einwohner der Stadt Mosul mit der Bitte um Ausgrenzung von
Extremisten und Gewalttätigen. „Dies ist der einzige
Weg“, so ein einheimischer Beobachter gegenüber dem Fidesdienst,
„Wir können die amerikanischen Truppen nicht um Hilfe
bitten, denn damit würden wir noch mehr Hass auf uns ziehen
und als Verräter des Irak betrachtet werden. Die einheimische
Polizei ist noch nicht stark genug und kann keinen wirksamen Schutz
garantieren. Deshalb können wir uns nur mit der Waffe des Dialogs
vor dem Extremismus schützen“.
„Gott sei dank“, so der Beobachter weiter, „ haben
wir gute Beziehungen zu den muslimischen Religionsführern.
Deshalb haben wir uns auch bereits an sie gewandt und sie gebeten,
sich dafür einzusetzen, dass die extremistische Vision der
Religion nicht überwiegt und wir weiterhin friedlich zusammenleben
können. Der Sinn unserer Botschaft an die Einwohner der Stadt
Mosul ist folgender: Lasst nicht zu, dass eine extremistische Minderheit
das jahrhunderte alte Bild der Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens
in der Stadt zerstört“. (LM) (Fidesdienst, 17/12/2003
– 31 Zeilen, 316 Worte)
ASIEN/IRAK - CHRISTEN IM NORDIRAK BEDROHT. EXTREMISTEN GEBEN
JUNGEN MENSCHEN GELD, DAMIT SIE FUNDAMENTALISTISCHE POSITIONEN BEZIEHEN
Mosul (Fidesdienst) – Dem Fidesdienst liegen Berichte über
Einschüchterungsmaßnahmen gegen Christen in der im Norden
des Irak gelgegenen Stadt Mosul vor. „Vergangene Woche konnte
eine Bombe vor einer katholischen Schule in Mosul entschärft
werden. Die Sprengstoffladung setzte sich aus mehreren kleinen Handgranaten
zusammen, doch sie hätte Kinder verletzen oder auch töten
können. Aus Sicherheitsgründen blieb die Schule eine Woche
geschlossen“, so der syrische Priester Nizar Semaan aus Mosul
gegenüber dem Fidesdienst. „Ebenfalls in der verngangenen
Woche wurde mit Kalaschnikows auf den syrisch-antiochischen Bischofssitz
unserer Stadt geschossen“, so der Priester weiter. „Bei
den Verantwortlichen handelt es sich wahrscheinlich um Wahabiten
aus Mosul. Mit diesen Einschüchterungsmaßnahmen gegen
Christen wollen die Extremisten ihre Stärke unter Beweis stellen
und, was noch schlimmer ist, die Rückkehr zur Normalität
verhindern. In Mosul versucht man derzeit Straßen und öffentliche
Einrichtungen, wie Schulen und Krankenhäuser wieder instand
zu setzen. Doch die Extremisten versuchen ihre Gesetze der Intoleranz
und der Gewalt auch in Mosul durchzusetzen, wo es eine lange Tradition
des Respekts zwischen Religionen und Volksstämmen gibt. Mosul
lebt vom Handel und es ist bekannt, das Geschäftsleute stets
eine tolerante und offene Einstellung haben“, erklärt
Pfarrer Nizar.
Im Nordirak kam es in den vergangenen Wochen verstärkt zu Gewalt
gegen die amerikanischen Truppen. Erst vor zwei Tagen stürzten
über Mosul zwei amerikanische Hubschrauber ab, von denen einer
von denen mindestens einer mit Sicherheit von einer Rakete getroffen
worden war.
„Ich weiß nicht, welche Beziehungen zwischen den Verantwortlichen
der Angriffe auf die Amerikaner und denjenigen, die Angriffe auf
Christen verüben bestehen“, so Pfarrer Nizar. „Was
ich jedoch sagen kann ist, dass die Wahabiten auch unter dem Sddam-Regim
extremistische Postition vertraten, auch wenn das damals nicht so
zum Vorschein kam. Heute fühlen sie sich stark und versuchen
ihre Aktivitäten auszudehnen und immer mehr Menschen auf ihre
Seite zu ziehen. Die Wahabiten werden aus dem Ausland finanziert
und können deshalb leicht jugendliche Arbeitslose rekrutieren“.
„Hierzu möchte ich an einem einfachen Beispiel erklären,
wie das Geld aus dem Ausland zur Verbreitung einer islamistischen
Vision in der Gesellschaft genutzt wird“, so Pfarrer Nizar.
„Als ich Ende der 80er Jahre die Universität besuchte
trug eine von vierzig jungen Frauen einen Schleier. Heute sind die
Proportionen umgekehrt: auf 40 verschleierte Frauen kommt eine ohne
Schleier! Die jungen Frauen bekommen Geld dafür, dass sie einen
Schleier tragen.“
„Diejenigen, in deren Händen sich das Schicksal des Irak
befindet, sollten versuchen zu verhindern, dass die Tradition der
Toleranz und des zufriedlichen Zusammenleben zwischen den verschiedenen
Glaubensbekenntnissen zerstört wurd. Wir wollen nicht, dass
der Irak zu einem neuen Libanon wird“, bekräftigt Pfarrer
Nizar abschließend. (LM) (Fidesdienst, 17/11/2003 –
Zeilen, Worte)
ASIEN/IRAK - “WIR WOLLEN NICHT, DASS DER IRAK ZU
EINEM ZWEITEN PALÄSTINA WIRD, WO ES KEINEN STAAT GIBT UND TERRORISTISCHE
GRUPPEN DAS SAGEN HABEN“: DIE BEHERZTEN WORTE DES ORDENSOBEREN
DES EINZIGEN CHALDÄISCHEN ORDENS IM GESPRÄCH MIT DEM FIDESDIENST
Bagdad (Fidesdienst) – „Wir möchten nicht, dass
der Irak zu einem zweiten Palästina wird, wo es keinen Staat
gibt, das Land sich selbst überlassen wird, terroristische
Gruppen das Sagen haben und die Menschen verhungern!“, mit
diesem Appell wendet sich Pater Denka H. Toma, der Generalobere
des Antonianischen Ordens S.Ormizda der Chaldäer, des im siebten
Jahrhundert nach Christus entstandenen einzigen im Irak präsenten
chaldäischen Ordens an den Fidesdienst.
Der 42jährige P. Denka H. Toma leitet eine Ordensgemeinschaft,
der 45 Mönche angehören, die sich dem kontemplativen und
aktiven Leben geweiht haben und auch verschiedene pastorale Ämter
ausüben. In einem Exklusiv-Gespräch mit dem Fidesdienst
kommentiert er die Situation im Irak wenige Tage nach dem Attentat
von Nasirija: „Heute fehlt mir jeglicher Optimismus. Alles
hängt von den Vereinigten Staaten ab, die absolute Macht besitzen
und unserem Land Gutes tun, aber auch Schaden zufügen können.
Es herrscht Unsicherheit, wir befinden uns zwischen den Fronten:
nach dem Ende der Diktatur hat einen neue politische Phase noch
nicht begonnen. Es muss bald möglichst ein Ausweg aus dieser
tragischen gefunden werden, in der Terrorismus und Unsicherheit
ein leichtes Spiel haben. Wir beten dafür, dass etwas so Schreckliches
nicht merh geschehen möge“.
Zum Attentat auf die italienischen Soldaten erklärt der Ordensobere:
„Wir empfinden tiefe Trauer. Die italienischen Einheiten spielen
in Nasirija eine sehr wichtige Rolle, denn sie sorgen für Ordnung
und Befriedung in diesem Gebiet. Sie haben sehr gute Beziehungen
zu den Menschen vor Ort aufgebaut. Wir wissen nicht, wer für
das Attentat verantwortlich ist, vermutlich handelt es sich um Anhänger
des Saddam-Reguimes oder Terroristen, die nach dem Krieg in den
Irak gekommen sind, was angeischts der Tatsache, dass die Grenzen
lange offen geblieben sind gut möglich wäre.“
Was sollte sich angesichts der vielfachen Attentate an der amerikanischen
Politik im Irak ändern? Hierzu meint der Ordensobere im Gespräch
mit dem Fidesdienst: „Die Vereinigten Staaten haben die Sicherheitskräfte
im Irak aufgelöst, doch sie sollten die Iraker heute wieder
an der Gewährleistung der Sicherheit beteiligen, denn sie kennen
die einheimische Mentalität, die Orte und die menschen. Die
Merheit der Menschen hier sind mit dem Verlauf der Dinge nicht zufrieden:
sie schätzen zwar das amerikanischen Eingreifen zur Befreiung
des Irak von der Diktatur, doch heute, sechs Monate nach Ende des
Krieges, klagen sie über den ausbleibenden sozialen, zivilen
und wirtschaftlichen Wiederaufbau. Viele glauben heute, dass das
eigentliche Ziel der Amerikaner die Inbesitznahme der irakischen
Erdölvorkommen war. Die Menschen sind nach drei Kriegen in
zwanzig Jahren und 12 Jahren Embargo völlig erschöpft.“
Beobachter halten eine Beschleunigung bei der Übergabe der
Aufgaben von der amerikanischen Zivilverwaltung an den provisorischen
irakischen Regierungsrat für notwendig. Doch Pater Denka H.
Toma hat Bedenken: „Der provisorische Regierungsrat wird nicht
viel tun können, denn er wird von den Vereinigten Staaten kontrolliert.
Seine Mitglieder gehorchen den Amerikanern in allem, größtenteils
handelt es sich um Geschäftsleute mit irakischer Staatsangehörigkeit,
die viele Jahre im Ausland gelebt haben. Sie kennen deshalb das
Leid nicht, dass die Menschen in den vergangenen Jahren erleben
mussten. Sie werden vom Volk als ‚Ausländer’ betrachtet.
Unter solchen Bedingungen wird der Rat nur schwer die volle Verantwortung
übernehmen und tatsächlich regieren können.“
Unter den dramatischen Bedingungen, die im Irak derzeit herrschen,
versucht die chaldäische Kirche Zeichen der Hoffnung zu setzen:
„Während der Jahre des Krieges, der Gewalt und des Hungers“,
so Pater Toma abschließend zum Fidesdienst, „haben wir
stehts versucht, den Menschen nahe zu sein und das tun wir auch
heute. Die chaldäische Kirche ist für alle, auch für
viele Nichtchristen eine Stütze. Die chaldäischen Mönche
besuchen die Familien, beten mit den jungen Menschen, unterrichten
die Kinder und legen ein wichtiges Zeugnis vom Glauben ab. Alle
chaldäischen Familien beten jeden Tag dafür, dass der
Herr unserem Land eine friedliche Zukunft schenken möge“.
(PA) (Fidesdienst, 14/11/2003 – 56 Zeilen, 564 Worte
ASIEN/IRAK - DIE CHALDÄISCHEN CHRISTEN KÖNNEN
HELFEN DIE SOZIALEN SPANNUNGEN ZU ENTHÄRTEN“: EIN REPRÄSENTANT
DES CHALDÄISCHEN NATIONALKONGRESSES ZU BESUCH IM WEISSEN HAUS
Washington (Fides)- Tiefe Besorgnis über die delikate Situation
des Irak, eingezwängt zwischen Spannungen, Fundamentalismus
und Attentaten ausdrücken. Bekräftigen, dass die chaldäischen
Christen und alle anderen Konfessionen bereit sind, sich direkt
mit einzubringen, um der Nation eine Stabilität, Wohlergehen
und Frieden zu versichern. Dies sind die Hauptargumente die aus
dem in den vergangen Tagen stattgefundenen Besuch von Joseph Kassab
in Washington hervorgingen.
Er ist Mitglied des Generalkomitees des chaldäischen Nationalkongresses,
politische Formation die im Irak die Angehörigen der mehrheitlichen
katholischen Gemeinschaften, die über 600.000 Gläubige
zählt, vereint
Eine Notiz die vom Sekretariat des Kongresses kommt, informiert
die Agentur Fides, dass Kassab während seines Besuchs, der
am 8.November abschloss, verschiedene Exponenten der amerikanischen
Verwaltung getroffen hat, mit denen er über die Erarbeitung
und die Inhalte einer neuen irakischen Verfassung, und wie diese
die Rechte und die Religionsfreiheit aller ethnischen Gruppen und
Minderheiten schützen könnte, diskutierte. In diesem delikaten
Moment indem sich fundamentalistische Drohungen einen Weg bahnen
–unterstrich Kassab – könnte die chaldäische
Gemeinschaft, dritte im Land präsente ethnische Gruppe, hilfreich
sein, um in der irakischen Gesellschaft die positive Wahrnehmung
der Präsenz und der militärischen und zivilen amerikanischen
und alliierten Aktionen im Irak zu verbreiten..
Im Weissen Haus traf Kassab Steve Hadley, Vize-Berater für
die Nationale Sicherheit und den Botschafter Larry Rossin, Direktor
des Büros für die Geschäfte in Südasien. Kassab
hatte ein wichtiges Gespräch mit den komplett versammelten
Mitgliedern der Nationalen Kommission über die Religionsfreiheit,
mit einigen Mitgliedern des amerikanischen Kongresses und einigen
Senatoren.
In den verschiedenen Gesprächen bekräftigte Kassab, dass
Bedauern der irakischen Chaldäer für die fehlende Nominierung
eines chaldäischen Repräsentanten in den vom
Botschafter im Irak Paul Bremer, nominierten provisorischen Regierungsrat,
unterstreichend dass sich die Chaldäer auf politischer Ebene
für die Konstruktion ein freies, demokratisches und die Menschenrechte
respektierendes Irak einsetzen wollen.
(PA) Agentur Fides 10/11/2003)
ASIEN/IRAK - CHALDÄISCHE KATHOLIKEN: POLITISCHES ENGAGEMENT
FÜR DEMOKRATISCHES, ZIVILES UND MORALISCHES WACHSTUM DES IRAK
Bagdad (Fidesdienst) – Nach jahrelangem Ausschluss aus dem
öffentlichen Leben möchte die chaldäische Gemeinde
im Irak nun wieder politisch aktiv werden. Dies wurde am Vorabend
der Schaffung des „Leadership Council“ bekannt, der
als Exekutivorgan im Irak die Regierungsgeschäfte übernehmen
soll. Ghassan Hanna, Sekretär des Chaldäischen Nationalrestes,
der die chaldäischen Gläubigen im Irak auf politischer
Ebene vertritt, bat offiziell um die Aufnahme von Vertretern der
chaldäischen Gemeinde in den Rat, in dem nach ersten Verlautbarungen
kein christlicher Delegierter angehören soll. „Ein Ausschuss
der Chaldäer aus dem Council würde bedeuten, dass dieser
das Land nicht richtig repräsentiert“, betonte Hanna,
der gleichzeitig auch die in der Diaspora lebenden chaldäischen
Gläubigen um Mobilisierung bat.
Der Chaldäische Kongress hat seit etwa einem Monat eine Vertretung
in Bagdad eröffnet, um dort zum Wiederaufbau der demokratischen
Institutionen und zum zivilen und moralischen Wachstum im Irak zu
leisten, der „nicht auf den Beitrag der chaldäischen
Gemeinde verzichten werden kann“. Die Chaldäer warnen
in diesem Zusammenhang vor der Tendenz zur Entstehung einer schiitischen
Theokratie. Die Niederlassung in Bagdad wird von Fouad Bodagh (Präsident)
und Issam Jarjis (Sekretär und Sprecher) geleitet.
Im Irak ist zwar der Islam Staatsreligion und 90% der Bevölkerung
sind Muslime, doch die Verfassung garantiert Kultfreiheit. In den
vergangenen Jahrzehnten waren unter der Diktatur von Saddam Hussein
von den insgesamt 250 Abgeordneten der Volksversammlung nur sehr
wenige Chaldäer. Heute versuchen die Christen wieder eine Rolle
im politischen Leben des Landes spielen, obschon weiterhin die Meinung
vorherrscht, dass in einem Land, dessen Bevölkerung mehrheitlich
muslimisch ist auch die Regierung muslimisch sein sollte. In diesem
Zusammenhang weisen die Christen auf die Präsenz verschiedener
schiitischer Strömungen hin, deren erklärtes Ziel die
Schaffung eines islamischen Staates ist.
Insgesamt leben im Irak etwa 800.000 Christen (3% der Bevölkerung),
bei denen es sich um Katholiken und Orthodoxe handelt. Die chaldäischen
Christen machen wiederum mit 500-600.000 Gläubigen einen Anteil
von etwa 70% aus. Die meisten chaldäischen Christen (etwa 350.00)
leben in Bagdad, wo sich auch der Sitz des chaldäischen Patriarchats
befindet. Nach dem Tod von Patriarch Raphael I. Bidawid, der am
7. Juli in Beirut starb, üben wird das Patriarchat von den
beiden Weihbischöfen Emmanule-Karim Delly und Andreaos Abouna
geleitet. Der neu Patriarch wird im Rahmen einer Versammlung des
Heiligen Synods der Chaldäischen Kirche gewählt werden.
Die Chaldäsiche Kirche widmet sich vor allem der Katechese
und der Erziehung sowie der Betreuung armer christlicher und muslimischer
Familien. Die offizielle Sprache der chaldäischen Liturgie
ist Aramäisch. Da die meisten Gläubigen jedoch Arabisch
sprechen, werden die Gottesdienste meistens zweisprachig gefeiert.
Es gibt chaldäische Diaspora-Gemeinden in Amerika, Europa und
Ozeanien. Im Jahr 2000 wurde in Rom eine Prokura der Chaldäischen
Kirche beim Heiligen Stuhl eingerichtet. (PA) (Fidesdienst 10/7/2003
– 40 Zeilen, 449 Worte)
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