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Africa

2003-10-22

AFRIKA/LIBERIA - „GUERILLA-FÜHRER UND DIE MIT TAYLOR VERBÜNDETEN TEILEN SICH DIE MACHT. WEITGEHENDE STRAFFREIHEIT FÜR DIE BEGANGENEN VERBRECHEN"

Monrovia (Fidesdienst) – „Wir befinden uns in einer paradoxen Situation: das Land scheint sich verändern zu wollen, aber die Menschen bleiben gleich“, so der Provinzial der Gesellschaft der Afrika-Missionare, Pater Mauro Armanino gegenüber dem Fidesdienst zur Ernennung von George Dweh zum Präsidenten des Übergangsparlaments. Dweh ist einer der starken Männer der Rebellenbewegung LURD (Vereinigte Liberianer für Versöhnung und Demokratie), der größten Oppositionsbewegung gegen den ehemaligen Staatspräsidenten Charles Taylor, der das Land im August dieses Jahres verlassen hat und sich gegenwärtig in Nigeria im Exil aufhält. „In den neuen Institutionen, die nach dem Sturz Taylors geschaffen wurden, befinden sich gerade die Personen, die dafür verantwortlich sind, dass Liberia sich heute im Chaos befindet. Guerillaanführer und die mit Taylor Verbündeten teilen sich die Macht. Bisher herrscht auch weitgehende Straffreiheit für die begangenen Verbrechen“, so der Missionar.
„Die verschiedenen kriegführenden Parteien im Bürgerkrieg spekulieren auf die Macht und die Stammesrivalitäten, die als Grund für den Konflikt vorgegeben werden, sollen den brutalen Kampf um die Macht verbergen.“, so Pater Armanino weiter.
„Infolge des Bürgerkrieges ist Liberia heute vollkommen von Hilfen internationaler Einrichtungen abhängig. Die Wirtschaft steht still und die einzigen Menschen die Arbeit haben sind die Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisationen. Die Ausfuhr der Edelhölzer wurde zwar wieder aufgenommen, doch für jede Ladung müssen Schmiergelder an die Rebellen der MODEL bezahlt werden“, klagt der Missionar.
Die Wahl Dwehs folgt der Ernennung des liberianischen Unternehmers Gyude Bryant in das Amt des Chefs einer Übergangsregierung, die bis zum Jahr 2005 Neuwahlen vorbereiten soll. Menschenrechtskämpfer haben bereits ihre Bedenken hinsichtlich der Ernennung Dwehs in das Amt des Parlamentspräsidenten geäußert und ihm die Beteiligung an Kriegsverbrechen vorgeworfen. (LM) (Fidesdienst 22/10/2003 – 29 Zeilen, 285 Worte)

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