EUROPA/ITALIEN - Bevorstehende Heiligsprechung des seligen Scalabrini: “Er versteht es, die Hoffnung von Migranten und Flüchtligen aufercht zu erhalten“

Montag, 20 Juni 2022 auswanderung   flüchtlinge   missionsinstitute    

Rom (Fides) - Am 20. Juni begehen die Vereinten Nationen den Weltflüchtlingstag. Nach Angaben des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) wird die Zahl der Flüchtlinge in diesem Jahr die höchste seit 50 Jahren sein: rund 100 Millionen weltweit. Kriege, andauernde Konflikte in den verschiedenen Kontinenten, Umweltkatastrophen, Hunger, Menschenhandel und Ausbeutung zwingen immer mehr Menschen und ganze Familien dazu, ihre Heimat zu verlassen und anderswo Schutz und Asyl zu suchen.
Angesichts dieses epochalen Phänomens hat staatliche Flüchtlingspolitik oft nicht denselben Weitblick wie der selige Giovanni Battista Scalabrini (1839-1905), Bischof von Piacenza, Gründer der Missionare und Missionarinnen des heiligen Karl Borromäus sowie Inspirator des Scalabrini-Säkularinstituts, die sich alle für die eine spezifische Mission der Migrantenpastoral einsetzen. Bischof Scalabrini wurde wegen seines Engagements für diejenigen, die Italien auf der Suche nach Glück und einem besseren Leben in Richtung Amerika verließen, als "Apostel und Vater der Migranten" bezeichnet. Seine geistigen Kinder setzen diese Mission heute in allen Breitengraden fort. "Scalabrini war ein Vorbild für die Welt und ist es auch heute noch, in einer globalen Welt, die durch unverständliche Mauern getrennt ist.
"Die Ankündigung, dass Papst Franziskus Bischof Scalabrini zum Heiligen ernennen wird, hat uns mit Freude erfüllt", so Pater Leonir Chiarello CS, Generaloberer der Scalabrini Missionare im Interview mit Fides zur vorstehenden Heiligsprechung des Ordensgründers: "Für uns, seine Missionare, ist der Gründer immer ein Heiliger gewesen. Wir lernten ihn schon in jungen Jahren kennen, als wir seine Biografie lasen. Während unseres Noviziats hatten wir mehr Zeit, uns mit seinen Gedanken und Schriften zu beschäftigen. Vor allem aber lernten wir ihn als Missionare durch die Arbeit vor Ort kennen, indem wir versuchten, seine Einsichten, seine Grundprinzipien für die Begleitung von Migranten in die Praxis umzusetzen. Aus diesem Grund ist Bischof Scalabrini unserer Erfahrung nach immer ein Heiliger gewesen".
Welche Bedeutung messen Sie der Entscheidung des Papstes bei der Heiligsprechung zuzustimmen?
"Mit dieser Anerkennung weist der Heilige Vater die Kirche auf die Gestalt eines Bischofs hin, der nicht nur in der Lage war, sich ganz seinem Dienst in der Diözese zu widmen, sondern auch über diese hinauszuschauen, auf die Bedürfnisse derer, die aus ihrer Heimat gerissen wurden, um anderswo Hoffnung zu finden. Die Kirche hat sich bereits mit Pius X. Scalabrinis Sorge um die Migranten zu eigen gemacht, aber mit dieser Heiligsprechung will der Heilige Vater die Relevanz dieses pastoralen Anliegens, über das er sich mehrfach geäußert hat, noch stärker hervorheben".
Was können die Menschen mit Migrationshintergrund von dieser Heiligsprechung erwarten?
"Wir hoffen, dass die Heiligsprechung des seligen Scalabrini etwas für Migranten und Flüchtlinge bewirken wird. Sie befinden sich auf den Weg des Exodus, der manchmal aus Mangel an Alternativen gewählt wird, oft aber auch durch Gewalt erzwungen wird, wie wir in diesen Tagen auf dramatische Weise erleben, wenn wir vor allem an die Flüchtlinge aus der Ukraine denken, und sie brauchen jede Hilfe, die sie bekommen können. Und wenn man verzweifelt ist, kann das Bild eines Heiligen, der zu verstehen und zu helfen wusste, die Hoffnung am Leben erhalten. Indem der Papst den seligen Scalabrini zum Heiligen erklärt, sagt er den Migranten, dass sie sich an ihn wenden und auf seine Fürsprache vertrauen sollen, weil er sie zu verstehen weiß und ihnen nahe steht, so wie er die Italiener, die im 19. Jahrhundert ausgewandert sind, verstanden hat und ihnen nahe stand.“
Was sollte diese Heiligsprechung den Staats- und Regierungschefs sagen?
"Der Papst sendet auch eine Botschaft an die Staaten und die zivilen und politischen Gemeinschaften, vor allem an die Länder, die wirtschaftlich weiter entwickelt sind, aber vielleicht verarmt und unfähig sind, den anderen aufzunehmen, der eher als Bedrohung denn als Ressource gesehen wird. Mit der Ernennung Scalabrinis zum Heiligen, der schon vor vielen Jahren voraussah, dass die Migration eine Hauptkraft bei der Umgestaltung der Welt sein würde und die Welt zur Heimat für alle machen könnte, möchte der Papst die Migranten, die keine Last, sondern eine Hilfe beim Aufbau der Zukunft sein wollen, stärker willkommen heißen".
Und was bedeutet sie für seine geistigen Kinder?
"Die Heiligsprechung ist auch für uns Scalabini-Missionare von Bedeutung, denn sie macht uns verantwortungsbewusster, wenn wir versuchen, seiner Vision zu folgen und vor allem auf sein Herz zu hören, wenn wir versuchen, uns wie er ganz unserer Mission zu widmen und zu Begleitern derer zu werden, die anderswo oder auf der Flucht sind".
(SL) (Fides 20/6/2022)


Teilen: