AMERIKA/MEXIKO - Migration: Bischöfe beklagen Leid, Verzweiflung und Gewalt

Montag, 6 Dezember 2021 auswanderung   menschenrechte     bischofskonferenzen  

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Mexiko-Stadt (Fides) - "Die Situation der Migranten in Tapachula im Bundesstaat Chiapas hat eine alarmierendes Ausmaß angenommen und die Situation ist komplex.. Zu der Überfüllung, den Verzögerungen bei den Verfahren zur Anerkennung des Flüchtlingsstatus und den humanitären Visa, den Schikanen und Misshandlungen durch die lokalen und föderalen Behörden kommen nun auch noch Verzweiflung und Gewaltausbrüche ihrerseits als Reaktion auf die vielen nicht eingehaltenen Versprechen der Bundesregierung", dies ist das dramatische Bild, das die mexikanischen Bischöfe in ihrem "Dringenden Appell an die mexikanische Regierung" vom heutigen, 6. Dezember, beschreiben.
In dem Text wird beklagt, dass die Bundesregierung die mit den Migranten eingegangenen Verpflichtungen zur Überstellung und Legalisierung nicht eingehalten hat, was zu einer Eskalation der Spannungen geführt habe. "Die Situation, die wir erleben, ist chaotisch: Leid, Verzweiflung und Gewalt", schreiben die Bischöfe dazu. Inmitten dieser komplexen Realität versuche die katholische Kirche über die Diözese Tapachula in Chiapas den Migranten unermüdlich humanitäre Hilfe zu leisten, „auch angesichts der verworrenen und ineffektiven Politik der Bundesregierung, der Gleichgültigkeit der Landesregierung und der Zuschauerrolle der Gemeindeverwaltungen".
Die Bischöfe bekräftigen ihren Wunsch, alles zu tun, um den Migranten trotz begrenzter Mittel jetzt und in Zukunft zu helfen, doch rotz der großzügigen Hilfsbereitschaft der Kirchengemeinden, "die das Unsagbare getan haben, um diese Situation zu bewältigen, sehen wir mit Sorge, dass die Nachfrage nach dieser Situation unsere guten Absichten weit übersteigt".
Die Bischofskonferenz fordert daher ein dringendes Eingreifen der drei Regierungsebenen, denn "es ist Aufgabe der mexikanischen Regierung, würdige Bedingungen für die Ausübung aller Rechte für alle Menschen im Einklang mit der politischen Verfassung der Vereinigten Mexikanischen Staaten zu schaffen". Sie äußert sich auch besorgt darüber, dass "Migranten mit falschen Versprechungen von Kriminellen und Betrügern getäuscht werden, die die Not und das Leid derjenigen ausnutzen, die durch Mexiko reisen wollen".
Mit Enttäuschung nehmen die Bischöfe zur Kenntnis, dass die mexikanische Regierung beschlossen hat, das MPP-Programm, besser bekannt unter dem Namen "Stay in Mexico", wieder aufzunehmen, und beklagen, dass diese Bestimmungen gegen zahlreiche internationale Grundsätze in Bezug auf Flüchtlinge und Asyl verstoßen. Sie hoffen, dass die Migranten, die mexikanisches Hoheitsgebiet durchqueren, "in diesem Tal der Gleichgültigkeit, des Schmerzes und der Diskriminierung durch die Behörden … ein Licht der Hoffnung sehen können".
Die Bischöfe fordern die mexikanische Regierung auf, ihren Verpflichtungen zur Förderung und zum Schutz der Grundrechte von Migranten nachzukommen, und bekräftigen die eigene Bereitschaft zum Dialog, um wirksame Vorschläge zu entwickeln. Sie erinnern auch daran, dass die Migrantenheime in den Diözesen des Landes ihre humanitäre Arbeit im Dienste der Ärmsten, der Migranten, der Asylbewerber, der Abgeschobenen und der minderjährigen Jugendlichen fortsetzen, unabhängig von ihrem Glauben, ihrer Nationalität und ihrem Herkunftsort. Ihnen und allen mitwirkenden Bischöfen, Priestern, Pfarrern, Ordensleuten und Laien, „gilt unser Respekt, unsere Dankbarkeit, unsere Unterstützung und unsere tiefe Bewunderung, denn Sie sind das Gesicht und die Hände einer geeinten Kirche, die sich immer denjenigen zuwendet, die am meisten leiden“.
(SL) (Fides 6/12/2021)


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