AMERIKA/BOLIVIEN - Bischöfe fordern gesellschaftlichen Dialog: “Regierungsversprechen muss umgesetzt werden”

Mittwoch, 17 November 2021 bischofskonferenzen   soziale lage   menschenrechte   drogenhandel   bewaffnete gruppen   gewalt   menschenleben   politik  

Cochabamba (Fides) - "Verwirklichen wir gemeinsam den Traum von einem Land, einem gemeinsamen Haus, in dem alle als Bürger mit ihren Rechten anerkannt werden, ihren Pflichten nachkommen und ein Leben genießen, das der Kinder Gottes würdig ist, in einer vereinten, geschwisterlichen, gerechten und solidarischen Gesellschaft. Nur ein solches Engagement wird uns eine Zukunft geben, während die Entscheidung für Gewalt und Konfrontation zu Armut, Leid, noch mehr Kontrolle und Einschränkung der Freiheit führen wird", so die Bischöfe Boliviens in einer am Ende ihrer Vollversammlung (vgl. Fides 11/11/2021 und 15/11/2021) veröffentlichten „Botschaft an das Volk Gottes“.
Unter den Sorgen der Bischöfe, so die Botschaft, stehe an erster Stelle die Covid-19-Pandemie, die weiterhin "Leid und Trauer über die bolivianische Familie bringt, uns auf die Probe stellt und von uns verlangt, mit Verantwortung und Solidarität zu reagieren“. Unmittelbar danach stellten sie fest, dass in Bolivien "Entwürfe und Gesetze von zweifelhafter Verfassungsmäßigkeit verkündet werden, die ohne angemessene Prüfung, Konsens und sozialen Rückhalt zustande gekommen sind, wie es in einem Rechtsstaat und einer vollständigen Demokratie der Fall sein sollte". Einige Sektoren hätten sich bereits für die Aufhebung dieser Verordnungen eingesetzt, „die als Verletzung der Grundfreiheiten und -rechte" angesehen werden und den Weg für einen autokratischen Staat ebnen würden. Die Bischöfe warnen, dass eine offene Konfrontation die Bürger gegeneinander aufhetzte. Dies könne "keine Antwort sein kann, da sie Schmerz, Wunden und Tod, aber auch Hass und Ressentiments hervorruft". Der Weg nach vorne bestehe vielmehr darin, diese Gesetze aufzuheben und einen aufrichtigen und konstruktiven Dialog über eine nationale Agenda zu beginnen.
"Ein weiteres besorgniserregendes Problem, das auf eine einvernehmliche und gerechte Lösung wartet", heißt es weiter, "ist die Unterwerfung von Parks, Schutzgebieten, Gemeinschafts- und Privatland durch gewalttätige Gruppen, die die Menschenrechte von Gruppen und Einzelpersonen verletzen und ungestraft bleiben. In der Botschaft wird hervorgehoben, dass "die Abwesenheit des Staates das Risiko der Entstehung irregulärer Gruppen mit möglichen Verbindungen zum Drogenhandel erhöht" und dass es notwendig ist, vielen Familien in allen Regionen Boliviens die Möglichkeit zu geben, über Land zu verfügen, "ohne Unterschied und ohne Diskriminierung".
Jede Form von Handlungen, die Einzelpersonen und Gemeinschaften im Hinblick auf den Schutz des Lebens betreffen, wie Vergewaltigung, Schändung von Minderjährigen und Frauen bis hin zum Frauenmord, Vernachlässigung und Missbrauch von Minderjährigen sowie Angriffe auf das menschliche Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, beunruhigen die Bischöfe ebenfalls. „Darüber hinaus sind solche Verbrechen, die gegen menschliche und christliche Werte verstoßen, umso verwerflicher, als sie sich gegen unschuldiges Leben richten, während diejenigen, die es verteidigen sollen, gleichgültig sind oder sich mitschuldig machen", heißt es in der Botschaft dazu.
Angesichts der vielfältigen Gründe für die Besorgnis in der bolivianischen Realität sind die Bischöfe der Ansicht, dass "die Zeit gekommen ist, die Versprechen des Regierens einzulösen, indem man allen Teilen der Bevölkerung wirklich zuhört und einen ernsthaften, transparenten und offenen Dialog einleitet“. Dies erfordere „konkrete und umsetzbare Zeichen des guten Willens seitens der zuständigen Behörden als Reaktion auf die Forderungen der betroffenen Sektoren".
Die Bischöfe erinnern abschließend an Initiativen der Kirche auf lateinamerikanischer und weltweiter Ebene im Geiste des synodalen d.h. des gemeinsamen Weges. Die bevorstehende Versammlung der Kirchen Lateinamerikas und der Karibik "wird eine Gelegenheit sein, unser christliches Engagement zu überdenken und zu erneuern. Die Schwierigkeiten, denen wir begegnen können, sollten uns nicht entmutigen. Die Kirchliche Versammlung erinnert uns an unsere Verpflichtung, gemeinsam auf ein einziges Ziel zuzugehen: die Freude des Evangeliums Christi zu verkünden und Missionare und Diener des Reiches Gottes zu sein, in einer Welt, die nach Authentizität und Frieden dürstet, und nach einer sauberen Umwelt, einem gemeinsamen Haus für uns und für die zukünftigen Generationen".
(SL) (Fides 17/11/2021)


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