AFRIKA/ALGERIEN - Erzbischof von Algier: “Wir sind eine Kirche im Zeichen der Begegnung und Brüderlichkeit“

Samstag, 16 Januar 2021 ortskirchen   christentum   glaube   märtyrer   bruderschaft   islam   dialog  

Algier (Fides) - „Die Kirche hat ihren Ursprung in Algerien im 2. Jahrhundert nach Christus mit ihren Märtyrern und dem Heiligen Augustinus. Es ist eine Kirche, die mit und für ihre meist muslimischen Mitmenschen lebt. Auf den Spuren von Erzbischof Henri Teissier wird es weiterhin eine Kirche der Begegnung sein, die im Dienst der Brüderlichkeit mit allen und für alle steht. Wie ich in unserer Diözesanzeitschrift "Rencontres" schrieb, war der 8. Dezember der Tag, an dem der Körper unseres Bruders Henri in das Land zurückkehrte, das er liebte und dem er diente, ein großes Zeichen der Brüderlichkeit am Himmel von Oran fast genau zwei Jahre nach der Seligsprechung unserer neunzehn Märtyrer“, so Erzbischof Paul Desfarges von Algier im Interview mit Fides über die Kirche in Algerien, den Tod von Erhzbischof Henri Teissier (1. Dezember 2020) und die Feier des zweiten Jahrestages der Seligsprechung der 19 Märtyrer Algeriens (8. Dezember 2020).
Der Erzbischof erinnert an seinen Vorgänger: „Er war ein Bruder für mich. Er öffnete und bahnte einen Weg und wir werden den gleichen Weg fortsetzen. Bischof Jean-Paul Vesco bezeichnete ihn in der Zeitung "La Croix" als "den zwanzigsten Seligen". Er hätte mit den anderen 19 während der Welle der Gewalt, die Algerien verschleppt und getötet werden können. Er durfte aber seine Kirche weiterhin durch die Schwierigkeiten begleiten und ihr helfen, fest im Glauben zu bleiben, im Zeichen von Vergebung und Frieden, verbunden mit dem Volk, mit dem sie ein schreckliches Schicksal vereinte. Tage voller Emotionen zeigten die Brüderlichkeit, die die beiden Mittelmeerküste von Lyon bis Algier über Marseille verbindet. In diesen Momenten konnte jeder das Glück der Seligpreisungen hören und erleben. Das Königreich einer Brüderlichkeit war zu spüren, die jede Kultur und Religion übersteigt und wirklich universell ist.“
Gut verwurzelt und vollständig zur "Kirche Algeriens" und nicht zur "Kirche in Algerien" geworden, wie Erzbischof Teissier es gerne sagte, lebt die christliche Gemeinschaft zusammenmit den Menschendie auch die schwierige Zeit der Pandemie und die lange Abwesenheit von Präsident Abdelmadjid Tebboune, der in einem Krankenhaus in Deutschland ins Krankenhaus behandelt wurde. "Wir sind eine Kirche im Dienst der Gesellschaft, die sie liebt”, so der Erzbischof, “Die Christen erleben wie alle Bürger eine Situation, in der die Pandemie mit trotz aller Einschränkungen zum Schutz der Gesundheit weitergeht, wenn auch mit sinkenden Infektionszahlen. Das Land bleibt für internationale Flüge geschlossen und nur die Inlandsflüge wurden bisher wieder aufgenommen. Die öffentlichen Verkehrsmittel, insbesondere zwischen Bezirken, bleiben begrenzt. Die Wirtschaftskrise macht sich bemerkbar und die Zahl der bedürftigen Familien nimmt zu. Unsere Hilfswerke geben ihr Bestes, mit ihren begrenzten Mitteln, um Lebensmittel zu verteilen und Hilfe zu leisten, wann immer dies möglich ist.”
Die Kirche von Algerien, zahlenmäßig gesehen eine geringe Präsenz, ist nach wie vor eine sehr bedeutende Realität im Land. Ihr Zeugnis und die Verkündigung sind nun ein dauerhaft erkennbares Zeichen und stehen im Dienst des Dialogs und des friedlichen Zusammenlebens.
Erzbischof Desfarges fasst zusammen: "Am 8. Dezember letzten Jahres empfing uns Maria voller Gnade in der Basilika Notre-Dame d'Afrique in Algier. Dort ruht jetzt auch Erz bischof Teissier neben Kardinal Duval. Die Heilige Jungfrau wird dort zusammen mit unserem Bruder Henri, Kardinal Duval, dem seligen Charles de Foucauld, unseren gesegneten Märtyrern Algeriens und allen Heiligen alle willkommen heißen, die ihr jeden Tag ihre Freuden anvertrauen, vor allem aber auch die, die mit ihren Schmerzen und ihren Leiden zu ihr kommen. Maria leitet unsere Kirche und sie ist die Mutter all ihrer Kinder, Christen, Muslime, Sinnsucher, ihre Kinder der inneren Suche. Sie hilft ihnen, sich als Brüder und Schwestern zu erkennen und zu lieben.”
(LA) (Fides 16/1/2021)


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