ASIEN/HEILIGES LAND - Aufruf zum globalen Waffenstillstand während der Corona-Pandemie: “Israelis und Palästninser warten seit langem auf dauerhaften Frieden“

Donnerstag, 30 April 2020 frieden   kriege     glaube  

Jerusalem (Fides) - “Der beherzte Appell des Heiligen Vaters, bewaffnete Konflikte auf der ganzen Welt zu beenden, wurde von Israelis und Palästinensern, die seit langem auf einen dauerhaften Frieden warten, mit großer Freude und Hoffnung begrüßt. Derzeit gibt es keine Zusammenstöße, aber zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen herrscht weiterhin tiefes Misstrauen", so Pater Amjad Sabbara, vom den Franziskaner Minderbrüdern (OFM), der als Pfarrer die lateinische St. Salvator-Gemeinde in Jerusalem leitet zum Aufruf des UN-Generalsekretärs Antonio Gutierres zu einem "globalen Waffenstillstand" während der Covid-19-Pandemie, dem sich am 29. März offiziell auch Papst Franziskus anschloss.
Ein Jahr nach den politischen Wahlen in Israel versucht die Regierung, der es innerhalb der gesetzlich zulässigen Frist nicht gelungen war, zu einer Einigung gelangen, den Stillstand zu überwinden: Am 20. April 2020 einigten sich der scheidende Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und sein politischer Hauptgegner Benny Gantz auf die Bildung einer nationalen Notstandsregierung die jedoch ebenfalls von der durch die Pandemie ausgelösten Unsicherheit geprägt ist. Vor dem Hintergrund dieser neuen politischen Situation war der Konflikt in den letzten Monaten des Jahres 2019 wiederholt aufgeflammt.
Die Situation in Gaza ist weiterhin dramatisch: Das israelische Marineembargo hat etwa 4.000 Fischern aus Gaza ihre einzige Existenzgrundlage genommen und arbeitslos gemacht. Auch in Jerusalem steigt die Spannung in regelmäßigen Absständen wieder an. Im Zentrum der Frage steht erneut der Tempelbeerg, der wiederholgt zum Schauplatz von Aktionen von Fundamentalisten geworden ist.
Vor dem Hintergrund der bereits schwierigen Situation kommt nun die Corona-Krise hinzu: In Israel gibt es bis heute über 15.800 bestätigte Fälle von Coronavirus mit 215 Todesfällen. In den palästinensischen Gebieten haben sich 500 Personen infiziert. Und die Zahlen scheinen zu steigen. Angesichst der Einschränkungen brachte die Kustodie der Franziskaner im Heiligen Land eine Reihe von Initiativen auf den Weg , “die wir ergriffen haben, um uns weiterhin um unsere Gemeindemitglieder kümmern zu können", so der Franziskanerpater. "In diesem Jahr haben wir in Jerusalem nach der Osternacht, die bereits am Samstagmorgen im Heiligen Grab beginnt, einige Pfadfinder beauftragt, das heilige Licht in die Häuser der Altstadt zu bringen. Es war eine unerwartete Freude für viele Gläubige, die eine Kerze mit heiligem Feuer anzünden konnten", berichtet Pater Sabbara. Die Mitbrüder, die in der lateinischen St. Salvator-Pfarrei, haben einen Gemeindeausschuss eingerichtet, in dem jeder seine eigene Aufgabe erfüllt, wie zum Beispiel: Videokatechese für die Firmlinge oder Telekonferenzen Jugendbewegung der Franziskaner, die alle zwei Wochen stattfinden. "Mit Hilfe unseres Krisenausschusses”, so Gemeindepfarrer in Jerusalem, “ unterstützen wir viele Familien in Schwierigkeiten. Für viele ist es nicht einfach, zu Hause zu bleiben, in oft bergrenzten Wohnräumen und in Situationen wirtschaftlicher Unsicherheit."
Der Franziskaner kennt die Situation vor Ort bestens: Während der sogenannten zweiten Intifada war er bei der Belagerung der Geburtsbasilika in Bethlehem (vom 2. April bis 10. Mai 2002) vor Ort anwesend und an Verhandlungen beteiligt, um eine Einigung mit den 240 palästinensischen Kämpfern zu erzielen, die in der Basilika Zuflucht gesucht hatten, um der Gefangennahme durch die israelische Armee zu entkommen. "Wir hoffen”, schließt Pater Amjad, “dass wir endlich eine faire Lösung finden, die die Würde und Sicherheit beider Völker, Israelis und Palästinenser, respektiert."
(ES-PA) (Fides 30/4/2020)


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