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Europa

2003-09-29

EUROPA/ITALIEN - “DIE HEILIGSPRECHUNG VON ARNOLD JANSSEN ZEIGT UNS NEUE WEGE DER VERKÜNDIGUNG DES EVANGELIUMS AUCH IN ZEITEN DER SCHEINBAREN KRISE“ – DER GENERALOBERE DER STEYLER MISSIONARE IM GESPRÄCH MIT DEM FIDESDIENST

Rom (Fidesdienst) – Am Sonntag, den 5. Oktober wird der Papst Arnold Janssen, den Gründer dreier missionarischer Orden, heilig sprechen (Gesellschaft von Wort Jesu, Missionsschwestern vom Heiligen Geist und Dienerinnen des Heiligen Geistes von der Ewigen Anbetung), die insgesamt über 10.000 Mitglieder haben. Zusammen mit Arnold Janssen wird auch der erste Chinamissionar der Steyler Missionare, Josef Freinademetz, heilig gesprochen. Fides sprach mit dem Generaloberen der Steyler Missionare (SVD), Pater Antonio Pernia.

Als Arnold Janssen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts um die Genehmigung für die Eröffnung eines Seminars für die Außenmissionen bat, erhielt er vom Kölner Erzbischof folgende Antwort: Wir leben in einer Zeit, in der alles zittert und unterzugehen scheint“ Später begann mit der Öffnung für die Mission das Wachstum und die Erneuerung der deutschen Kirche. Auch heute, zu Beginn des dritten Jahrtausends scheinen dunkle Wolken am Horizont der Menschheit vieles ungewiss erscheinen und viel Engagement zu bremsen. Welche Botschaft geht von dieser Heiligsprechung für die Missionskirche und die heutige Welt aus?
Die Heiligsprechung von Arnold Janssen unterstreicht vor allem sein tiefes Vertrauen in Gott. Dieses Vertrauen zeigt sich vor allem in seiner Reaktion auf die Antwort des Kölner Erzbischofs: „Ja, gerade deshalb muss etwas Neues entstehen!“. Das heißt, für Arnold bedeutete eine Zeit der Krise nicht nur das Ende der Dinge sondern auch ein Neubeginn für etwas Anderes. Eine Krise kann auch eine Zeit der Gnade werden. Deshalb gründete Arnold eine neue Missionskongregation gerade in der schwierigen Zeit des so genannten „Kulturkampfs“ (in dessen Rahmen in Deutschland unter Bismarck eine Reihe von anti-katholischen Gesetzen verabschiedet wurden).
Die „finsteren Wolken“ des dritten Jahrtausends können auch als Anregung zum Nachdenken über neue Dinge betrachtet werden, die an die Stelle derjenigen treten, die untergehen werden. Früher war Europa zum Beispiel nur ein Kontinent, von dem aus Missionare in andere Erdteile entsandt wurden. Heute sollte man vielleicht Missionsgebiete in Europa selbst erkennen und nach entsprechenden Antworten suchen. Missionsgebiete gibt es heute nicht mehr nur außerhalb Europas sondern überall, auch in Europa selbst. Die Heiligsprechung von drei Missionaren – Arnold Janssen, Josef Freinademetz und Daniel Comboni – bestätigt die Aktualität der Weltmission. Die Mission ist wesentlicher Bestandteil der Identität der Kirche. Wie es auch in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils heißt: die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch.

Janssen gehörte unter verschiedenen Gesichtspunkten zu den Vorreitern und Erneuerern der Mission: angefangen von der Verkündigung des Wortes Gottes über die Notwendigkeit der Ausbildung der Priester und der Zusammenarbeit mit den Laien bis hin zur Notwendigkeit von Kenntnissen über andere Religionen und Kulturen, des Einsatzes der Medien und des sozialen Engagements. Welche Aspekte sollten Ihrer Meinung nach weiterentwickelt werden und welche sind von vorrangiger Bedeutung für die Mission im dritten Jahrtausend.
Dies ist eine schwierige Frage, weil fast alle Aspekte wichtig sind und weiterentwickelt werden sollten. Doch wenn sich wählen sollte, dann würde ich dem interkulturellen und interreligiösen Dialog, der Zusammenarbeit mit den Laien und dem Einsatz der Medien den Vorrang geben. An erster Stelle ist heute der Übergang von einem alten Modell der Mission zu einem neuen wichtig, d.h. von der Mission im Sinne einer Eroberung zu einer Mission, die als Dialog verstanden wird. Dabei wird es keinen wahren Dialog geben, wenn man die Religionen und Kulturen der Menschen nicht kennt und respektiert. An zweiter Stelle steht die Tatsache, dass man sich früher über die Rolle der Laien in der Kirchen befragt hat während die Kirche der Zukunft eine Kirche der Laien sein wird und man sich über die Rolle der Ordensleute, der Missionare und der Priester innerhalb der Kirche befragen werden muss. Die Zusammenarbeit „mit“ den Laien (nicht nur die Zusammenarbeit „zwischen“ den Laien) wird für eine Kirche, die als Gemeinschaft verstanden wird von ausschlaggebender Bedeutung sein. Eine weitere Priorität sind, wie auch der Heilige Vater betont, die Medien, die den neue Areopag darstellen, wo die Verkündigung heute stattfinden muss. Der Einsatz der Medien ist für eine Kirche, die sich als Gemeinschaft versteht und deren Mission der Dialog ist, sehr wichtig.

Heute gibt es über 6.000 Steyler Missionare in rund 60 Ländern. Können Sie uns die verschiedenen Bereiche nennen, in denen diese Missionare vorwiegend tätig sind? Welche Prinzipien liegen ihrer Evangelisierungstätigkeit zugrunde?
Gemäß unserer Konstitution arbeiten wir vor allem und am liebsten dort, wo das Evangelium noch nicht verkündet wurde oder noch nicht gefestigt ist und wo die Ortskirche noch nicht selbständig ist: wir sind vor allem Missionare „ad gentes“. Im Laufe unserer Geschichte hat es für unser Verständnis von der Mission verschiedenen Interpretationen gegeben: Bei unserem letzten Generalkapitel im Jahr 2000 wurde unsere Mission als „prophetischer Dialog“ mit vier verschiedenen Personengruppen bezeichnet, und zwar: mit denjenigen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören und nach einer solchen suchen; mit denjenigen, die arm, ausgegrenzt oder unterdrückt sind; mit denjenigen, die anderen Kulturen angehören und schließlich mit den Anhängern anderer Religionen oder weltlicher Ideologien. Bei dem Kapitel wurden auch neue „Fronten“ unserer Mission erwähnt, an denen unsere Präsenz erforderlich ist: dabei handelt es sich um Erstevangelisierung und Neuevangelisierung, die Armen und Ausgegrenzten, das kulturenübergreifende Zeugnis und die interreligiöse Begegnung.

Im Unterschied zu vielen anderen Missionsinstituten gibt es bei den Steyler Missionaren keine Krise bei den Berufen und ein Großteil der neuen Mitglieder kommt aus Asien, einem Kontinent auf dem die Christen noch eine verschwindend kleine Minderheit sind. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
An erster Stelle dürfen wir das Geheimnis der göttlichen Gnade nicht übersehen. Außerdem gibt es einen soziologischen Faktor: im Allgemeinen fühlt sich eine Minderheit in der Gesellschaft herausgefordert und bringt deshalb ihre Identität deutlicher zum Ausdruck. Dies gilt auch für das Christentum in Asien. Eine verschwindend kleine Minderheit von Christen versucht in der Mehrheit nicht unterzugehen und manche wählen deshalb den radikalsten Weg, d.h. den Ordens- oder Priesterberuf. Außerdem würde ich behaupten wollen, dass wir vielleicht an den richtigen Orten tätig sind, d.h. unter Jugendgruppen, in denen der Herr den Keim der Berufung noch aussät. Oder vielleicht tun wir eine Arbeit, die den Erfordernissen der Einheimischen entspricht, und deshalb auch eine Anziehungskraft auf die Jugendlichen ausübt. Dabei darf auch ein weiterer soziologischer Aspekt verleugnet werden: oft wird der Ordens- und Priesterberuf auch als bequemer Weg für einen Aufstieg unter wirtschaftlichen uns sozialen Gesichtspunkten betrachtet.

Janssen widmete dem Rosenkranz stets ein besonderes Augenmerk und nun wird er gerade im Jahr des Rosenkranzes und zu Beginn des Rosenkranzmonats heilig gesprochen. Worin liegt die Aktualität dieses Gebets unter missionarischen Gesichtspunkten und welche sind die grundlegenden Elemente der Spiritualität von Arnold Jansen?
Als Mariengebet ist der Rosenkranz auch heute aktuell. Er verbindet uns mit Maria, die sozusagen die „erste Missionarin“ war. Maria ist die Person, die das Göttliche Wort in ihren Schoß aufgenommen und es nicht nur körperlich sondern auch geistlich genährt hat und die es für die ganze Menschheit das Licht der Welt erblicken ließ. Maria hat uns Jesus gebracht und jeder wahre Missionar bringt den anderen heute Christus. Außerdem gibt uns der Rosenkranz heute Gelegenheit über die Geheimnisse Christi nachzudenken, der das Zentrum des Evangeliums ist, das wir als Missionare verkünden.
Arnold Jansen verehrte als Sohn seiner Zeit nicht nur den Rosenkranz sondern auch das Heilige Herz Jesu, das Wort Gottes, den Heiligen Geist und die Eucharistie. Doch im Mittelpunkt seiner Spiritualität stand vor allem die Dreifaltigkeit. Deshalb hat er uns auch ein Gebet hinterlassen mit dem sich heute alle drei von ihm gegründeten Orden identifizieren: „Viavat Deus Unus et Trinus in cordibus nostris et in cordibus hominum“, d. h., „Es lebe Gotte der Eine und Dreifaltige, in unseren Herzen und in den Herzen aller“.
Eine Biographie der neuen Heiligen und weitere Informationen zu den von Arnold Janssen gegründeten Ordensinstituten sind zugänglich unter WWW.FIDES.ORG (SL) (Fidesdienst 29/9/2003 – 127 Zeilen, 1.290 Worte)

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