AFRIKA/NIGERIA - Don-Guanella-Werk fördert Menschen mit Behinderung: “Wir wollen einen Imagewandel herbeiführen”

Samstag, 14 September 2019 behinderte     sozialwesen  

Owerri (Fides) - „Als Mensch mit einer Behinderungen in Afrika zu leben, bedeutet fast immer, sich mit einer Zukunft der Marginalisierung und Armut konfrontiert zu sehen: es fehlen angemessene Einrichtungen und oft verursachen soziokulturelle Barrieren Leid und Isolation,“ so Pater Kelechi Maduforo, Oberer der Gemeinschaft des Don-Guanella-Werks in Nigeria. Das Werk ist seit dreißig Jahren in Nigeria präsent und engagiert sich im Dienste von Menschen mit Behinderung: "Viele Kinder mit besonderen Bedürfnissen“, so berichtet er, „haben keinen Zugang zu Bildung, weil die Einrichtungen, in denen sie untergebracht werden könnten, nur wenige und meist privat sind. Meistens werden sie jedoch auch von der eigenen Familie fern gehalten, die aus Mangel an wirtschaftlichen Ressourcen nicht wissen, wie sie versorgen sollen".
Hinzu kommt, dass es in dem afrikanischen Land keine gesetzlichen Bestimmungen für Sozialhilfe gibt und die Politik eine echte Integration in die Gesellschaft nicht fördert: "Obwohl Gesetze zugunsten von Behinderten verabschiedet wurden, gibt es keine Mittel für strukturelle Förderung von Netzwerken, in denen sich öffentliche und private Einrichtungen bei der Pflege und Integration zusammenschließen“, so Pater Kelechi. "Wir werden von den Behörden sehr gelobt und man sagt uns, dass wir eine unverzichtbare Arbeit leisten, doch man unterstützt uns kaum", unterstreicht er. "In Nigeria“, fährt er fort, „können viele Menschen mit Behinderungen keine Schulen besuchen: Nur zwischen 5 und 10% nehmen am regulären Unterricht teil. Das Ergebnis ist, dass nicht mehr als 5% der Erwachsenen mit einer Behinderung korrekt lesen und schreiben können."
Um diesen Menschen zu helfen und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen, wurde 1992 das "Don Guanella Center Nnebukwu" in der Diözese Owerri eröffnet. Das Zentrum setzt sich für die Betreuung, Bildung und Rehabilitation von Menschen mit Behinderung oder beeinträchtigenden Krankheiten wie Epilepsie, Down-Syndrom, Zerebralparese und Autismus ein. "Während der vergangenen Jahre“, so der Geistliche, „sind im Zentrum Hunderte von Menschen mit Behinderungen rehabilitiert worden, von denen einige in ihre Familien zurückgekehrt sind und sich wieder in die Gesellschaft eingegliedert haben."
Neben der Rehabilitationseinrichtung unterhält das Zentrum eine Schule und einen kleinen Bauernhof, auf dem Maniokmehl und Palmöl hergestellt werden: „Diese Aktivitäten dienen als Ergotherapie für unsere Kinder mit psychischen Problemen und produzieren dabei Lebensmittel für das Zentrum". In diesem Zusammenhang versuchen das Don-Guanella-Werk, Familien durch den Aufbau von Netzwerken einzubeziehen, so dass sie sich gegenseitig helfen: "Die Großfamilie, die eine der Säulen der afrikanischen Gesellschaft darstellt, fungiert als eine Art soziales Sicherheitsnetz“, so Pater Maduforo, „auf diese Weise ist der Behinderte niemals allein und auch wenn die Eltern oder Brüder sich nicht mehr um ihn kümmern können, findet er immer Hilfe". " Unser Ziel“, so der Ordensmann abschließend, „ist es, einen Imagewandel für Menschen mit Behinderung durchzusetzen und deutlich zu machen, dass diejenigen, die mit einer Behinderung leben, eine Ressource und keine Schande sind“.
(ES) (Fides 14/9/2019)


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