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Vaticano

2003-09-15

VATIKAN/SELIGSPRECHUNGEN VOM 5. OKTOBER - ARNOLD JANSSEN (1837-1909) – „VERKÜNDIGUNG DER FROHEN BOTSCHAFT ALS ERSTE UND WICHTIGSTE AUSDRUCKSFORM DER NÄCHSTENLIEBE“

Vatikanstadt (Fidesdienst) - Arnold Janssen wurde am 05.November 1837 in Goch, einer kleinen Stadt am Niederrhein / Deutschland, als zweiter von zehn Geschwistern geboren. Er zeichnete sich durch Gewissenhaftigkeit bei der Arbeit aus und übernahm von den Eltern auch eine tiefe Religiosität. Am 15. August 1861 wurde er zum Priester für die Diözese Münster geweiht und für die Lehrtätigkeit am Gymnasium in Bocholt bestimmt, wo er sich den Ruf eines strengen, aber gerechten Lehrers erwarb. Seine tiefe Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu ließ ihn schnell zum Leiter des Gebetsapostolates in seiner Diözese werden. Dieses Apostolat öffnete Arnold Janssen auch gegenüber Christen anderer Konfessionen.
Allmählich erwachte in ihm das Bewusstsein für den spirituellen Hunger der Menschen auch jenseits der Diözesangrenzen, das schlieβlich zur Sorge für die weltweite Mission der Kirche wurde. Er beschloss, sein ganzes Leben in den Dienst der missionarischen Bewusstseinsbildung in Deutschlands zu stellen. Deshalb verzichtete er 1873 auf seine Lehrtätigkeit und gab bald darauf ein Magazin unter dem Namen „Der kleine Herz-Jesu-Bote“ heraus. In dieser volkstümlichen Monatszeitschrift veröffentlichte er Nachrichten aus der Mission und ermunterte die Katholiken des deutschsprachigen Raumes, sich mehr für die Mission und ihre Bedürfnisse einzusetzen.
Es waren schwere Zeiten für die Kirche in Deutschland: Die herrschende politische Partei der Liberalen unterstellte den Katholiken, sie seien nichts anderes als der verlängerter Arm der zentralistischen römischen Kurie und der strengen, päpstlichen Autorität und Disziplin. Durch legalistische Kniffe versuchten die Vertreter des Liberalismus, den Einfluss der Kirche auf das bürgerliche Leben immer mehr einzuschränken und zugleich viele Bereiche des kirchlichen Lebens der weltlichen Macht zu unterstellen. Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck entfesselte den „Kulturkampf“, in dessen Folge eine Reihe von antikatholischen Gesetzen erlassen, Priester und Ordensleute ausgewiesen und etliche Bischöfe inhaftiert wurden.
In dieser chaotischen Lage schlug Arnold Janssen vor, einige dieser Priester in die Mission zu schicken oder sie wenigstens bei der Vorbereitung von Missionaren einzusetzen. In anderen Ländern gab es eigene Zentren zur Ausbildung von Missionaren nur in Deutschland nicht! Arnold hoffte, dass irgend ein Priester mit Interesse an der Mission die Herausforderung aufgreifen und ein Haus zur Vorbereitung von Missionaren für einen Einsatz in Übersee gründen würde. Er selbst wollte das Projekt durch Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung und Sammlung von Spenden mit Hilfe seiner Zeitschrift fördern.
Doch die Zeit verging, ohne dass irgend jemand auf seine Idee einging, ein „deutsches Missionshaus“ zu gründen. Nach und nach, nicht zuletzt angeregt vom Apostolischen Vikar von Hongkong, erkannte er, dass er selbst es war, den Gott für diese schwierige Aufgabe berief. Viele meinten, er sei nicht der richtige Mann dafür, oder die Zeit sei dazu noch nicht reif. „Der Herr fordert unseren Glauben heraus, etwas Neues zu verwirklichen, gerade weil so vieles innerhalb der Kirche zusammenbricht“, lautete die Antwort Arnolds.
Mit dem Segen einiger Bischöfe begann Arnold Janssen, Geld zu sammeln, während er gleichzeitig nach einem geeigneten Ort suchte. Die politische Lage in Deutschland nötigte ihn, in dem niederländischen Dörfchen Steyl, gleich hinter der deutschen Grenze, ein altes Gasthaus zu kaufen. Die Einweihung des Hauses wurde am 08. September 1875 gehalten, ein Datum, mit dem man später die Gründung der „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ verband.
Die Lebensbedingungen in dem alten Gebäude waren mehr als bescheiden. Dennoch begann man mit der Ausbildung der Missionare, und schon am 02. März 1879 machten sich die ersten zwei Glaubensboten in Richtung China auf. Einer von ihnen war Josef Freinademetz, geboren in Oies, Südtirol, der gemeinsam mit Arnold Janssen heilig gesprochen werden wird. Dies zeigt, dass das „deutsche Missionshaus“ schon von Anfang an auf eine internationale Gemeinschaft ausgerichtet war. Diese Offenheit für Menschen anderer Kulturen und Nationalitäten wurde zu einem grundlegenden Charakterzug der von Arnold Janssen gegründeten Gemeinschaften.
Arnold Janssen hatte erkannte, wie wichtig Zeitschriften waren, sowohl um in jungen Menschen die Berufung für die Mission zu wecken als auch, um die nötigen finanziellen Mittel zu beschaffen. Deshalb gründete er schon vier Monate nach der Einweihung des Hauses eine eigene Druckerei. Viele ehrenamtliche Mitarbeiter widmeten Zeit und Kraft für die Verbreitung des Missionsgedankens im deutschsprachigen Raum, indem sie die Zeitschriften aus Steyl verteilten.
Die Zahl der Studenten wuchs ständig, und das erforderte auch immer wieder neuen Ausbau des Hauses. Viele Männer arbeiteten wochen-, monate-, ja sogar jahrelang als freiwillige Helfer in Steyl, und nicht wenige waren bereit, ihr ganzes Leben in den Dienst der Mission zu stellen, und zwar nicht als Priester, sondern als Handwerker. So entwickelte sich die neue Gesellschaft von Anfang an als eine Gemeinschaft von Brüdern und Priester, obwohl dies ursprünglich gar nicht geplant war. Indem Arnold Janssen den Brüdern eine professionelle Ausbildung ermöglichte und ihnen wichtige Aufgaben übertrug, half er, einen neuen Typ von Ordensbrüdern für die Mission zu entwickeln.
Beim ersten Generalkapitel im Jahre 1885 fiel der Beschluss, die Steyler Gemeinschaft unter dem Namen „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ (Societas Verbi Divini, SVD) als Ordensgemeinschaft zu errichten. Ihr Hauptziel sollte der Dienst in der Verkündigung des Evangeliums sein, vor allem unter Nichtchristen. Das Kapitel wählte Arnold Janssen zum ersten Generalsuperior.
Zu den freiwilligen Helfern im Missionshaus gehörten auch einige Frauen, die in der Küche arbeiteten, die Wäsche besorgten und andere Hausarbeiten erledigten, darunter die selige Helena Stollenwerk. Aber ihr eigentliches Ziel war, als Missionsschwestern der Verkündigung des Evangeliums zu dienen. Dieser Wunsch und ihre jahrelanges treues Dienen sowie die Einsicht, dass Frauen für die Mission notwendig waren, veranlassten Arnold Janssen zur Gründung der Kongregation der „Dienerinnen des Hl. Geistes“ (Servae Spiritus Sancti, SSpS) am 08. Dezember 1889. 1895 brachen die ersten Schwestern nach Argentinien auf.
1896 wählte P. Arnold einige der Schwestern aus, um einen kontemplativen Zweig zu gründen, die Kongregation der „Dienerinnen des Hl. Geistes von der ewigen Anbetung“ (Servae Spiritus Sancti de Adoratione perpetua, SSpSAP). Ihr missionarischer Dienst sollte das immerwährende Gebet vor dem Allerheiligsten für die Anliegen der Kirche und besonders der beiden anderen Missionsgemeinschaften sein.
Die drei Ordensgemeinschaften wuchsen sehr schnell: als man das silberne Jubiläum des Missionshauses feierte, zählte das Steyler Missionswerk 190 Schwestern, 208 Priester, 549 Brüder, 99 Theologiestudenten und weitere 731 Schüler in den verschiedenen Stufen.
Arnold Janssen starb am 15. Januar 1909. Sein Leben kennzeichnete eine inständige Suche nach dem Willen Gottes, ein tiefes, unerschütterliches Vertrauen in die göttliche Vorsehung und harte Arbeit. Dass sein Werk immer vom Segen Gottes begleitet wurde, belegt auch die gegenwärtige Entwicklung: mehr als 6.000 Missionare des Göttlichen Wortes arbeiten in 63 verschiedenen Ländern. 3.500 Dienerinnen des Hl. Geistes arbeiten in 41 Ländern in den verschiedenen Bereichen der Verkündigung der Frohen Botschaft, und 400 Dienerinnen des Hl. Geistes von der Ewigen Anbetung in zehn Ländern begleiten die Schwestern und Brüder mit ihrem Gebet. (S.L.) (Fidesdienst, 24/9/2003 – 94 Zeilen, 1.109 Worte)

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