ASIEN/INDIEN - Indische Gesichte soll neu geschrieben werden: Eine Gefahr für religiöse Minderheiten

Donnerstag, 15 März 2018 extremismus   hinduismus     religiöse minderheiten   religionsfreiheit   kultur     ortskirchen   menschenrechte  

New Delhi (Fides) - Hinduistische geprägte nationalistische Organisationen versuchen, die Geschichte Indiens neu zu schreiben: dies gefährdet vor allem religiöse Minderheiten wie Christen und Muslime.
Solche Bestrebungen werden von der Regierungspartei Bharatiya Janata Party (BJP) unterstützt und von hinduistischen Extremisten der Bewegung Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) und Sangh Parivar vorangetrieben. "Dieser Versuch, die Geschichte safrangelb zu färben, ist ein Schlag für die säkulare und religiöse Struktur der indischen Gesellschaft und widerspricht der ehrenwerden Arbeit der Historiker, die Wahrheit ohne Manipulation zu präsentieren", so der Steyler Missionar Pater Jesuraj Rayappan (SVD), Professor für Kirchengeschichte am "Khristo Jyoti Mohavidyaloyo" Institut in Sambalpur im indischen Staat Orissa.
Wie einheimische Quellen in der vergangenen Woche berichten, befasst sich ein von Premierminister Narendra Modi eingesetztes Team seit sechs Monate mit einer These, die beweisen soll, dass Hindus direkte Nachkommen der ersten Einwohner Indiens sind und dass die alten hinduistischen Schriften keine Mythen sondern Fakten sind . Ziel der Bharatiya Janata Party (BJP) und hinduistisch geprägter Nationalisten sei es "eine nationale Identität zu formen, um ihre religiösen Ansichten durchzusetzen und die Annahme zu legitimieren, dass Indien eine Nation von Hindus und für Hindus ist", betonen Historiker.
"Diese nationalistischen Gruppen wollen der Welt zeigen, dass sie die Mehrheit und die Gewinner sind“, so Professor Rayappan fügt hinzu, „Man sagt, dass die Geschichte immer aus der Sicht der Gewinner geschrieben wird. Die Briten haben dem kollektiven Gedächtnis unserer Nation eine multikulturelle Dimension gegeben und dies sind die wirklichen Fakten. Und wir hoffen, dass Historiker der nationalistischen Gruppen wie Sangh Parivar die ganzheitliche und multikulturelle Wahrheit respektieren werden. Die Verantwortung eines Historikers besteht darin, die Wahrheit ohne Vorurteile oder Manipulation zu präsentieren, um den Menschen zu helfen, die Realität zu verstehen".
Der Jesuit und Universitätsdozent Pater Jerry Rosario betont: „Geschichte wird immer aus einer bestimmten Perspektive geschrieben. Mit anderen Worten, keine Geschichtsschreibung ist frei von Vorurteilen. Die Geschichte kann kontinuierlich mit neuen Elementen und neuen Inputs angereichert werden, die sie vervollständigen und besser verständlich machen“. Doch, so der Rechtsexperte und Theologieprofessor Pater Rosario, „auf keinen Fall darf die Geschichte anhand einer geheimen Agenda neu geschrieben werden und auf der Grundlage einer Ideologie, die von einem verwerfliches Streben nach Exklusivität beeinträchtigt ist. Allein die Tatsache, dass die Narendra Modi einen solchen Ausschuss vor etwa sechs Monaten ernannt, der die Geschichte von Indien neu schreiben soll, erfordert es, dass alle verantwortungsbewussten Bürger Indiens darüber nachdenken und dagegen protestieren". Er sei bereit, so der Professor, eine öffentliche Debatte anzustoßen und zusammen mit anderen Historikern und Wissenschaftlern, eine Beschwerde beim Obersten Gerichtshof Indiens einzulegen, da „die Regierung kraft der Verfassung dazu verpflichtet ist ethnischen, religiösen und kulturellen Pluralismus zu erhalten und zu fördern“.
(SD) (Fides 15/3/2018)



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