AMERIKA/KOLUMBIEN - Papst Franziskus: Die Kirche ist missionarisch, wenn sie der Faszination Jesu erliegt

Freitag, 8 September 2017 papst franziskus   missionarische Öffentlichkeitsarbeit  

Radio Vaticana

Bogotà (Fides) – Das, was die Kirche zur Mission drängt, “ist nicht die Begeisterung, die das Herz der Missionare entflammt”, sondern vielmehr “die Gesellschaft Jesu durch den Heiligen Geist. Wenn wir nicht mit Ihm in die Mission gehen, werden wir bald vom Weg abkommen und laufen Gefahr unsere eigenen Erfordernisse mit seiner Sache zu verwechseln”. Dies betonte Papst Franziskus im Rahmen seines Besuchs in Kolumbien und veranschaulichte damit auf wirksame Weise die „göttliche Berufung“ der Jünger und Missionare, die alle betrifft. Er tat es in seiner Ansprache an die Mitglieder des Vorstands des Rates der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz (CELAM). Mit eindeutigem Bezug auf die Realität der Kirchen in Lateinamerika sprach der Papst über Aspekte der missionarischen Dynamik, die für alle Breitengrade gelten und den Unterschied zu jeder Form des ideologischen, kulturellen und religiösen Proselytismus ausmachen.

Mission und Christusnachfolge
Der Jünger und Missionar, so Papst Franziskus, bemühe sich nicht um kirchliche Strukturen und Dienstleistungen, sondern sei inspiriert vom “‚permanenten Aufbruch’ mit Jesus, um zu erfahren, wie und wo der Meister lebt. Und währen wir in seiner Gesellschaft aufbrechen, lernen wir den Willen des Vaters kennen, der uns immer erwartet. Nur die Kirche, Braut, Mutter und Dienerin, die darauf Verzichtet, Kontrolle über Dinge auszuüben, die nicht Werk Gottes sind, kann bei Jesus bleiben, auch wenn sein Nest und seine Zuflucht das Kreuz ist”. Aus diesem Grund “ist das was die Mission zur permanenten Mission macht “nicht die Begeisterung, die das Herz der Missionare entflammt, die zwar notwendig ist”, sondern vielmehr “die Gesellschaft Jesu durch den Heiligen Geistes“ und „wenn wir nicht mit Ihm in die Mission gehen, werden wir bald vom Weg abkommen und laufen Gefahr unsere eigenen Erfordernisse mit seiner Sache zu verwechseln. Wenn der Grund unseres Aufbruchs nicht Er ist, dann lassen wir uns leicht von der Mühe des Wegs entmutigen oder dort, wo wir auf den Widerstands stoßen, oder angesichts der sich wandelnden Umstände, die die Gesichte prägen … Wir dürfen uns bei der Mission nicht entmutigen lassen, wenn vielleicht die erste Begeisterung vorbei ist und der Moment kommt, wo es sehr hart wird, das Fleisch Christi zu berühren”.

Die einzige Notwendigkeit
Aus diesem Grund – so der Petrusnachfolger – können die Kräfte der Mission nicht durch Methoden regeneriert werden, die von kirchlichen Apparaten angeboten werden, sondern durch die Rückkehr zur Erfahrung der Liebe Christi: “Am Anfang”, so Papst Franziskus, “steht die Begegnung mit dem lebendigen Christus und dies erfordert, dass die Jünger eine familiäre Beziehung zu ihm pflegen; den sonst trübt sich das Antlitz des Herrn, die Mission verliert an Kraft und die pastorale Umehr geht zurück“. Deshalb “müssen wir beten und die Beziehung zu ihm pflegen, denn dies ist unverzichtbar für unsere pastorale Sendung“. „Wir müssen mit dem Herrn allein zusammen sein“, wenn wir das Herz der Mission der Kirche in Lateinamerika unter den heutigen Bedingungen wieder finden wollen“ Gerade diese konstante Abhängigkeit der missionarischen Dynamik von der Gnade Christi, so der Papst weiter, rege dazu an “die Sendung Jesu in den Mittelpunkt der Kirche zu stellen und sie zum Maßstab für die Effizienz der Strukturen, der Arbeitsergebnisse, der Fruchtbarkeit der Geheimnisse und der Freude, die daraus entsteht, zu machen. Den ohne Freude können wir niemand faszinieren”.

Die “Konkretheit” einer missionarischen Kirche
Nur so könne man sich auch von einer Karikatur der Mission befreien: die der Papst als “Versuch” bezeichnete, “die Botschaft des Evangeliums zu ideologisieren, die Kirche zu funktionalisieren und dem Klerikalismus zu verfallen”, was das Evangelium auf ein Dienstprogramm reduziere, wenn es um den sozialen Aufstieg gehe oder “auf eine Vision von der Kirche als Bürokratie, die sich selbst verwaltet”, oder als “Organisation, die mit modernen Unternehmenskriterien von einer Priesterkaste geführt wird“.
Unter anderem sprach Papst Franziskus auch von der “Konkretheit” als Indiz einer authentischen missionarischen Dynami: “Das Evangelium”, so der Papst, “ist immer konkret, es geht nie um sterile Spekulation. Wir wissen um die Versuchung sich im byzantinischen Denken der ‚Kirchenlehrer’ zu verirren und uns zu fragen, wie weit man gehen kann, ohne die Kontrolle über das eigene Territorium zu verlieren oder über die angebliche Macht, die von Grenzen garantiert wird”. Doch das Evangelium, so der Papst, erzähle von Jesus, der vom Vater kommend, mit den Seinen durch die Felder und Dörfer Galiläas gehe. “Auf seinem Weg versucht er diejenigen, denen er dabei begegnet nahe zu kommen und wenn er sich nähert, spricht er mit ihnen; wen er spricht berührt er mit seiner Kraft; wenn er berührt, heilt und rettet er. Diejenigen, denen er begegnet zum Vater zu führen, ist das Ziel seines permanenten Aufbrechens und das müssen wir uns stets bewusst machen“.
(GV) (Fides 8/9/2017).


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