ASIEN/IRAK - Christen üben Kritik am Referendum über die Unabhängigkeit der Provinz Kurdistan

Donnerstag, 8 Juni 2017 flüchtlinge   geopolitik   ostkirchen  

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Erbil (Fides) – Am kommenden 25. September sollen die Einwohner der Autonomen Provinz Kurdistan über die vollständige Unabhängigkeit vom Irak abstimmen. Der Beschluss, auf den die Zentralregierung in Bagdad voraussichtlich nicht positiv reagieren wird, wurde am gestrigen 7. Juni bei einem Treffen zwischen Präsident Masud Barzani und den Mitgliedern der Regierung der Autonomen Provinz getroffen.
Über die Perspektive einer unilateralen Sezession der Provinz Kurdistan und deren Umwandlung in einen unabhängigen Staat sollen auch die Christen in der Region entscheiden. Nach der Ankündigung des Referendums im September war die Initiative von den Führungskräften der assyrischen “Abnaa al Nahrain”-Partei, bereits als unzureichend und unangemessen bezeichnet worden, da eine politische und institutionelle Veränderung mit den Behörden in Bagdad und internationalen politischen Organismen abgestimmt werden müsse. Die Vertreter der kleinen assyrischen Partei, die mit einem Abgeordneten im irakischen Parlament und mit einem Abgeordneten im Parlament der Autonomen Region Kurdistan Vertretern ist – erinnern daran, dass die Menschen im Norden des Irak nach der Zwangsauswanderung und der Verfolgung jede Art politischer Initiative, die weiteres Leid mit sich bringen könnte, für unangemessen halten. Vielmehr müsse man sich um die Rückführung der Vertriebenen, darunter auch Zehntausende Christen, bemühen, die ihre Heimat nach der Eroberung durch den Islamischen Staat (IS) verlassen mussten und insbesondere in der Provinz Kurdistan Zuflucht gesucht hatten. Ebenfalls am vergangenen 7. Juni hatten die chaldäischen Bischöfe, noch vor der Bekanntgabe des Beschlusses, am Rande ihrer Versammlung in Erbil unter Leitung des chaldäischen Pattiarchen Louis Raphael Sako alle Christen aufgefordert, konfessionelle Spaltungen auf politischer Ebene zu überwinden und als einheitliche “christliche Komponente” gegenüber politischen Institutionen aufzutreten.
Mit der Idee eines Referendums zur Bestätigung einer Unabhängigkeit hatten die Führungskräfte der Autonomen Region Kurdistan schon seit langem gespielt. Bereits vor einem Jahr (vgl. Fides 19/7/2016) hatte Präsident Masud Barzani auch bei einem Treffen mit christlichen Politikern der Region in Erbil davon gesprochen. Damals forderte Barzani die christlichen Politiker auf, an der Entwicklung eines Plans zur künftigen Verwaltung der Region mitzuwirken, noch vor der Befreiung Mossuls und den vom IS gehaltenen Gebiete. Damals wurde in Betracht gezogen, die Ninive-Ebene in eine “autonome Provinz mit christlicher Mehrheit” umzuwandeln und die Einwohner der Provinz über eine solche Stellung innerhalb eines unabhängigen Staates Kurdistan und nicht innerhalb des Iraks abstimmen zu lassen.
(GV) (Fides 8/6/2018).


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