AFRIKA/ÄGYPTEN - Präsident al Sisi will neue Regeln für die “verbale” Scheidung nach islamischem Recht einführen

Mittwoch, 25 Januar 2017

divorcepapers.com

Kairo (Fides) - Da die Zahl der Scheidungen unter der muslimischen Bevölkerung in Ägypten rasch steigt will Präsident Abdel Fattah al Sisi die im Islam vorgesehene “verbale Scheidung” durch Aussprechen einer Scheidungsformel, abschaffen, mit denen sich muslimische Männer von ihren Frauen trennen können.
Das ägyptische Staatsoberhaupt äußerte sich im Rahmen einer offiziellen Feier mit Polizeibeamten zu möglichen Maßnahmen zur Vorbeugung gegen den Anstieg der Scheidungsrate. Dabei bezog sich Al Sisi auf Daten des Statistischen Amtes, die belegen, dass rund 40% der 900.000 jährlich geschlossenen Ehen innerhalb der ersten fünf Jahre geschieden werden.
Al Sisi schlägt vor, dass eine Scheidung künftig nur als gültig betrachtet werden soll, wenn sie im Beisein eines muslimischen Standesbeamten (“Maazun”), der als religiöser Vertreter im Auftrag der Regierung berechtigt ist, Ehen zu schließen und Scheidungen auszusprechen. Auf diese Weise, hofft der ägyptische Präsident, würde man die weit verbreitete Praxis der so genannten “verbalen Scheidung” verhindern können.
Die Jahrhunderte alte Praxis des Aussprechens einer Scheidungsformel gilt nur für Männer, die sich von ihren Frauen trennen wollen. Die Anwesenheit eines berechtigten Religionsvertreters soll auch verhindern, dass es sich bei dem Aussprechen einer solchen Scheidungsformel um eine impulsive Reaktion handelt. Im Zusammenhang mit seinem Vorschlag will Präsident Al-Sisi die Meinung von Scheich Ahmad el-Tayyib des Großimams der al-Azhar-Universität einholen, der ebenfalls an der feierlichen Zeremonie teilnahm.
Unterdessen wurde in Ägypten auch eine Revision der Gesetze auf den Weg gebracht, die für den Personenstatus von Christen und anderen religiösen Minderheiten gelten und auch das Eherecht betreffen. In den vergangenen Wochen waren diesbezüglich mehrmals entsprechende Vorschläge der verschiedenen Kirchen angekündigt worden.
Die politische Debatte hinsichtlich eines neuen Gesetzes zum Personenstatus von Christen und anderen religiösen Minderheiten wird in Ägypten sein 2014 geführt, als der damalige Justizminister den Vertretern der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinden des Landes einen entsprechenden Entwurf vorlegte und sie um eine Meinung bat.
(GV) (Fides 25/1/2017)


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