ASIEN/IRAK - Chaldäischer Patriach hält US-amerikanische Finanzmittel für christliche Milizen für eine “sehr schlechte Idee”

Donnerstag, 19 Mai 2016 internationale politik  

saintadday.com


Baghdad (Fides) – Der US-amerikanische Kongress könnte schon bald die Finanzierung von Waffenlieferungen an so genannte “christliche Milizen” beschließen, die in der Ninive-Ebene aktiv sind. Dies soll im Rahmen des Kampfes gegen den Islamischen Staat (IS) geschehen.
Ein entsprechender Gesetzentwurf, soll eine solche Finanzierung von Waffenlieferungen in den US-amerikanischen Verteidigungshaushalt aufnehmen. Bereits in der vergangenheit hatte das US-amerikanische Parlament Fonds für die lokalen Sicherheitskräfte in der Ninive-Ebene zur Verfügung gestellt. Das neue Gesetz nennt ausdrücklich „christliche Milizen“ als bevorzugte Emfänger der militärischen Unterstützung.
Die Initiative, so US-amerikanische Medien, darunter Christian Today, sei eine Folge der Definition als “Genozid” für die Behanldung von Christen und anderen Minderheiten durch den IS. Steve Oshana von der Organisation “A Demand for Action” (die sich als Lobby in den USA für “den Schutz von Christen” einsetzt) bezeichnete die Initiative als “wichtigen Schritt”.
Der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako hält Waffenlieferungen an so genannte “christliche Milizen” für eine “sehr schlechte Idee“. In diesem Zusammenhang erläutert er auch seine Interpretation der Definition des Genzozids durch die USA. Nach Ansicht des Primas der chaldäischen Kirche „gibt es keine christlichen Milizen sondern nur politische Gruppen und einfache Menschenm, die verweifelt auf ein Gehalt angewiesen sind. Die Christen, die sich noch im Irak aufhalten sind arm oder gehören dem Mittelstand an und unter ihnen leben 100.000 als Vertreibene“.
Erst vor wenigen Tagen wurden christliche Flüchtlinge zur Unterzeichnung eines „Treueschwurs“ gegenüber der Autnonomen Provinz Kurdistan und deren Präsidenten Masud Barzani gezwungen (vgl. Fides 13/5/2016). “Nun”, so der Patriach im Gespräch mit Fides, “wollen sunnitische Araber mit Unterstützung der Türkei eine autonome Region in Mossul schaffen, während Kurden die Unabhängigkeit des Kurdistan vorantreiben. Eine weitere christliche geprägte politische Gruppe wurd von der Regierung in Bagdad unterstützt. Es herrscht totale Verwirrung! Alle versuchen die Christen in der Ninive-Ebene für die eigenen Zwecke und politischen Interesssen instrumentalisieren. Die Region befindet sich in einem Grenzgebeit, es ist eine Region mit verschiedenen Ethnien und Religionsgemeinschafften, die sich zwischen der von den Kurden kontrollierten und den von sunnitischen Arabern beherrschten Region befindet. Alle sehen die christen in der Region zur als Mittel für die eigenen wirtschaftlichen und politischen Zwecke und ich befürchte, dass die Ninive-Ebene dadurch zu einer Konfliktregion wird, und dann wird kein Christ mehr nach Hause zurückkehren können. Wollen Christen eine Zukunft haben, müssen sie sich integrieren und sich in die legitimen Autoritäten ihres Wohnordes einfügen. Und sollten die USA tatsächlich den IS besiegen wollen, dann müssen sie die reguläre Armee der Zentralregierung und der Autnomen Provinz Kurdistan unterstützen und nicht sektiererische Milizen”. (GV) (Agenzia Fides 19/5/2016).


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