AFRIKA/ALGERIEN - Einbrechen der Erdölpreise gefährdet den sozialen Frieden

Donnerstag, 21 April 2016 wirtschaft  

Algier (Fides) – Das Einbrechen der Treibstoffpreise (an erster Stelle Erdöl und Gas) könnte auch Auswirkungen auf die soziale und politische Lage in jenen Ländern, deren Haupteinnahmequellender Export von Treibstoffen sind. Dazu gehört, wie das Institut für Internationale Politische Studien ISPI dokumentiert, aus Algerien, dass “eine Art Monokultur des Erdöls hat, wo dieser Industriezweig 30% des Bruttoinlandprodukts, il 95% der Exporte und 60% der Steuereinnahmen ausmacht”.
Wie aus dem Bericht hervorgeht, “konnte die algerische Regierung unter Präsident Bouteflika aus den Einnahmen des Erdölverkaufs und den von ausländischen Unternehmen bezahlten Royalties seinen “sozialen Pakt” mit der Bevölkerung finanzieren und das Land nach dem Bürgerkrieg der 90er Jahre wieder aufbauen. Mit den Erträgen aus der Erdöl- und Gasförderung wurde alles bezahlt: Investitionen in Infrastrukturen, Sozialwohnungen, Zuschüsse für den Strom-, Benzin, Wasser und Lebensmittelverbrauch, Gehälter für Beamte und Importe, usw.”
Dieser Mechanismus befindet sich jedoch durch den Einbruch der Erdölpreise in einer Krise, “die zu heftigen Verlusten bei den Exportgewinnen führt, die einen Umfang von rund 60 Milliarden Dollar im Jahr 2014 und 35 Milliarden im Jahr 2015 hatten. Trotz einer leichten Zunahme der Förderung und des Exports von Gas in den vergangenen Monaten, lässt der weitere Einbruch der Erdölpreise zwischen Dezember und Januar vermuten, dass die Erträge im Jahr 2016 weiter sinken werden und voraussichtlich bei nur 30 Milliarden liegen werden“.
Die Verschlechterung der Wirtschaftslage und eine daraus folgende Fähigkeit des Staates, den sozialen Frieden zu finanzieren, können so zu einer Unsicherheit auf politischer Ebene führen. “Der fast 80jährige Bouteflika tritt seit Monaten nicht mehr in der Öffentlichkeit auf und manche fragen sich, ob er noch lebt”, heißt es in dem Bericht weiter. “Spannungen und Kontraste sind im engeren Umkreis des Präsidenten und in den Reihen der Militärelite des Landes bereits sichtbar. Unterdessen wird der Handlungsspielraum für das Land kleiner und wenn in den kommenden Monaten nichts getan wird, dann wird ein ausbleibender Anstieg der Erdölpreise drastische politische Maßnahmen erforderlich machen”.
(L.M.) (Fides 21/4/2016)


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