VATIKAN - Kardinal Filoni: “Nur der Frieden kann einheimische christliche Gemeinden in Mesopotamien retten”

Donnerstag, 29 Oktober 2015 ortskirchen  

Rom (Fides) – Im Irak und in Syrien “gibt es für niemanden Hoffnung ohne Frieden” und nur das Ende der Konflikte wird das Überleben einheimischer christlicher Gemeinden garantieren können, die dort in der Region Mesopotamien seit der Zeit der Apostel leben. Dies betonte der Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Kardinal Fernando Filoni bei der Präsentation seines Buches “Die Kirche im Irak. Geschichte, Entwicklung und Sendung von den Anfängen bis in die heutige Zeit”, das er am gestrigen 28. Oktober in der Aula Magna der Päpstlichen Universität Urbaniana vorstellte.
Die Aktualität und der dokumentarische Wert des von der Vatikandruckerei “Libreria Editrice Vaticana” herausgegebenen Bandes erläuterten verschiedene bedeutende Redner im Rahmen der Präsentation: der Rektor der Universität, Pfarrer Alberto Trevisiol, der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. und Professor Joseph Yakoub, Dozent des Unesco-Lehrstuhls “Mémoire, cultures et interculturalitè” der Universität Lyon. Anwesend waren auch die Kardinäle Tarcisio Bertone und Giovanni Battista Re sowie zahlreiche chaldäische Bischöfe, die sich derzeit zur Synode ihrer Kirche in Rom aufhalten.
Das Buch von Kardinal Filoni, der im Rahmen der Präsentation, mehrmals ein seine Erfahrung als Apostolischer Nuntius im Irak und in Jordanien in den Jahren 2001 bis 2006, während der Zeit der militärischen Intervention der Vereinigten Staaten und des Sturzes des Regimes von Saddam Hussein erinnerte, befasst sich mit der Geschichte, der Entwicklung und der Sendung christlicher Gemeinden in der geographischen Region, die heute dem Irak entspricht und reicht dabei bis in die Anfänge der christlichen Gemeinden zurück. Das Werk versteht sich, wie auch die verschiedenen Redner betonten, als kostbares Gegenmittel gegen die Oberflächlichkeit, mit dem die tausendjährige Geschichte der Christen im Orient oft behandelt wird. “Das Wissen über die Gesichte der Christen im Nahen Osten und insbesondere in Mesopotamien”, schreibt der Autor, “ist das einzige Mittel, mit dem wir die Gründe und die dramatischen Ereignisse in der Region verstehen und damit das Leben, die Kultur, das Glaubenszeugnis und die Gründe für die Verbundenheit der Christen mit dem eigenen Land aber auch den Hass ihrer Feinde erfassen können“.
In den Beiträgen der Redner wurden immer wieder die Aspekte des Märtyrertums deutlich, die auch heute noch das Leben der christlichen Gemeinden in diesen Ländern kennzeichnen. Pfarrer Trevisiol betonte den Wert des Werkes als Zeugnis der Verbundenheit mit den Kirchen, die unter der Verfolgung des dschihadistischen „Kalifats“ leiden. Der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. kündigte die baldige Veröffentlichung des Buches in arabischer Sprache an und erinnerte dankbar an die Besuche von Kardinal Filoni bei den irakischen Flüchtlingen in seiner Eigenschaft als Sondergesandter des Papstes im August 2014 und an Ostern dieses Jahres. Professor Yacoub hob insbesondere die geschichtswissenschaftliche Bedeutung des Buches hervor und bezog sich dabei auf unveröffentlichte Dokumente, “zu denen der Kardinal in der Nuntiatur während seiner Zeit im Irak Zugang hatte”. (GV) (Fides 29/10/2015).


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