VATIKAN - Papst Franziskus an die Päpstlichen Missionswerke: “Mission ist auch heute noch die größte Herausforderung der Kirche”

Montag, 8 Juni 2015

Vatikanstadt (Fides) – Am Freitag, den 5. Juni, empfing Papst Franziskus die Teilnehmer der Vollversammlung der Päpstlichen Missionswerke in Begleitung des Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Kadinal Fernando Filoni in Audienz. Es folgt die Ansprache des Papstes im Wortlaut in eigener Übersetzung.

“Liebe Brüder und Schwestern,

ich freue mich, euch allen zu begegnen, die ihr für die Päpstlichen Missionswerke tätig seid und damit im Dienst der Kirche den Missionsauftrag Christi, allen Völkern bis an die äußersten Enden der Welt das Evangelium zu verkünden, verwirklicht. Kardinal Filoni danke ich für seine herzlichen Worte.
Die Menschheit braucht das Evangelium als Quelle der Freude, der Hoffnung und des Friedens. Der Evangelisierungsauftrag ist eine Priorität, da die Missionstätigkeit auch heute noch die größte Herausforderung der Kirche ist. „Wie wünschte ich die richtigen Worte zu finden, um auch euch zu einer Etappe der Evangelisierung zu ermutigen, die mehr Eifer, Freude, Großzügigkeit, Kühnheit aufweist, die ganz von Liebe erfüllt ist und von einem Leben, das ansteckend wirkt!“ (vgl. Apost. Schr. Evangelii gaudium, 261).
Die Verkündigung des Evangeliums ist das erste und ständige Anliegen der Kirche, sie ist ihre wesentliche Aufgabe, ihre größte Herausfroderung und Quelle der Erneuerung. Der selige Paul VI. fügte hinzu: “und ihre Berufung”. Denn aus der Evangelisierungstätigkeit der Kirche, aus deren Intensität und Wirkkräftigkeit entsteht auch die wahre Erneuerung der Kirche, ihrer Strukturen und ihrer Pastoralarbeit. Ohne die Unruhe und die Sorge um die Evangelistisierung kann keine glaubwürdige und effiziente Pastoralarbeit entwickelt werden, die Verkündigung und menschliche Förderung vereint. «Das missionarische Handeln ist das das Paradigma für alles Wirken der Kirche“ (vgl. Evangelii gaudium, 15).
Als Mitglieder der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und Nationaldirektoren der Päpstlichen Missionswerke habt ihr von Berufung und Amt wegen eine anspruchsvolle und privilegierte Aufgabe: eurer Blick und euer Interesse reicht bis zu den weiten und universalen Horizonte der Menschheit, den geographischen aber auch vor allem den menschlichen Grenzen. Mit Wertschätzung und Zuneigung begleitet ihr das Leben der jungen Kirchen in aller Welt und fördert unter dem Volk Gottes ein Leben im Zeichen der universalen Mission. Ihr kennt die Wunder, die der Heilige Geist durch diese Kirchen, die oft nur über wenige Ressourcen verfügen, unter den Menschen wirkt, auch dort wo diese Kirchen sich mit Schwierigkeiten und Verfolgung konfrontiert sehen, die sie für ihre Treue zum Wort Gottes und den Schutz des Menschen ertragen. An diesen menschlichen Peripherien ist die Kirche berufen auf die Straßen zu gehen und unseren Brüdern und Schwestern entgegenzugehen, die ohne die Kraft, das Licht und den Trost Jesu Christi leben, ohne eine Gemeinschaft des Glaubens, die sie aufnimmt, ohne einen Horizont von Sinn und Leben (vgl. Evangelii gaudium, 49).
Die Kongregation für die Evangelisierung der Völker und die Päpstlichen Missionswerke sind also Hauptakteure einer erneuerten Evangelisierung, die sich vor allem an Arme und Ausgegrenzte wendet (vgl. Nr. 198).
Die Päpstlichen Missionswerke sind aufgrund des besonderen Charismas, das sie kennzeichnet, besonders aufmerksam und empfänglich für die Bedürfnisse in den Missionsgebieten und insbesondere für die ärmsten Menschen. Siw sind Instrumente der Gemeinschaft zwischen den Kirchen, denn sie fördern und verwirklichen das Zusammenwirken von Personen und wirtschaftlichen Ressourcen. Sie bemühen sich um die Unterstützung von Seminaristen, Priester und Ordensleuten in den jungen Kirchen und Missionsgebieten in den Päpstlichen Kollegien. Angesichts einer so wunderbaren und wichtigen Aufgabe sind der Glaube und die Liebe Christi in der Lage uns dazu zu drängen, dass wir das Evangelium der Liebe, der Brüderlichkeit und der Gerechtigkeit überall zu verkünden. Und dies geschieht durch das Gebet, mit dem Mut des Evangeliums und dem Zeugnis von den Glückseligkeiten. Bitte, geratet nicht in die Falle der Versuchung euch in eine Nichtregierungsorganisation zu verwandeln, ein Büro das ordentliche und außerordentliche Zuschüsse verteilt. Geld ist eine Hilfe – das wissen wir! – doch es kann auch der Ruin der Mission sein. Das reine Verwalten, wird es in den Mittelpunkt gestellt oder nimmt es viel Raum ein, so dass es fast zur wichtigsten Sache wird, wir euch in den Ruin führen: denn man stirbt zuerst, wenn man davon ausgeht, dass die „Quellen“ selbstverständlich sind; das heißt, Derjenige, der die Mission antreibt. Bitte, vergesst bei all den Plänen und Programmen nicht Jesus Christus bei der Missionstätigkeit, denn sie ist sein Werk. Eine Kirche, die sich nur auf die Effizienz von Parteiapparaten reduziert, ist bereits tot, auch wenn Strukturen und Programme zugunsten von „auf sich selbst bezogenen“ Klerikern und Laien noch Jahrhunderte weiterleben sollte.
Eine wahre Evangelisierung ist nicht möglich ohne die heiligende Kraft des Heiligen Geistes, der allein in der Lage ist, zu erneuern, aufzurütteln, neue Impulse für eine Kirche zu geben, die mutig aus sich herausgeht um alle Völker zu evangelisieren (vgl. ebd., Nr. 261).
Die Jungfrau Maria, Stern der Evangelisierung erwirke für uns stets die Leidenschaft für das Reich Gottes, damit die Freude des Evangeliums bis an die äußerten Grenzen der Erde gelangt und keine Peripherie seines Lichtes entbehrt. Ich erteile euch allen meinen Segen. Und bitte, vergesst nicht für mich zu beten”. (Fides 05/06/2015)


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