EUROPA/ARMENIEN - Maronitischer Patriarch: „Der Begriff Völkermord soll aus Furcht vor rechtlichen Folgen nicht benutzt werden“

Freitag, 24 April 2015

Jerwan (Fides) - “Nach einhundert Jahren ist die internationale Staatengemeinschaft immer noch auf der Suche nach einem Begriff zur Umschreibung des armenischen Völkermordes, der nicht als solcher bezeichnet werden soll, weil man rechtliche Konsequenzen befürchtet”, so der maronitische Patriarch von Antiochien, Kardinal Bechara Boutros Rai, zum zögernden Verhalten internationaler Staaten und Organismen im Hinblick auf die Benutzung des Begriffs Völkermord für die Massaker des Jahres 1915 im Osmanischen Reich. Der maronitische Patriarch hält sich derzeit anlässlich der offiziellen Feiern zum 100. Jahrestag des armenischen Völkermords in Jerewan auf.
Ohne die Türkei, die auf allen Ebenen diplomatischen Druck ausübt, um die Benutzung des Begriffs Völkermord durch Politiker und Religionsvertreter zu verhindern, betont der Patriarch die Dringlichkeit der Definition des Völkermordes, wobei es nicht um “Schadenersatzforderungen” gehe, denn vielmehr müsse verhindert werden “das Völkermorde sich wiederholen”. Wenn die internationale Staatengemeinschaft den armenischen Völkermord nicht anerkenne, “wird es weitere Völkermorde geben”. “Kein Völkermord, kein Anschlag und kein Massaker darf durch wirtschaftliche Interessen gerechtfertigt werden, wie dies derzeit geschieht”, so der Kardinal.
An den offiziellen Feiern in Jerewan nehmen neben dem maronitischen Patriarchen auch der koptisch-orthodoxe Patriarch Tawadros II. und der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Aphrem II.. teil. Eine Delegation des Heiligen Stuhls nimmt unter Leitung des Vorsitzenden des Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch. (GV) (Fides 24/4/2015).


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